Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssen nach wie vor darauf warten, dass sie ihre neuen, extralangen Straßenbahnen einsetzen dürfen. Die sogenannten Urbanliner sollten eigentlich seit dem Winter im Fahrgastbetrieb unterwegs sein. Für den Februar hatte die BVG die offizielle Premierenfahrt geplant. Doch die musste kurzfristig abgesagt werden, weil keine Zulassung durch die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) vorlag. Unternehmenschef Henrik Falk hat nun einen Fehler der BVG eingeräumt. „Das muss die BVG auf ihre Kappe nehmen. Wir hätten uns mit der TAB besser abstimmen müssen“, sagte Falk.

Konkret geht es um Berechnungen zur Belastung, die durch die Straßenbahn insbesondere im Bereich des Alexanderplatzes entstehen könnten. Dabei werden bestimmte Szenarien angenommen. Die BVG habe, so erklärte es Falk, in ihrer Annahme mit vier Personen pro Quadratmeter gerechnet. Die Anforderungen der TAB seien aber weitreichender, so der BVG-Chef. Sie erwarte eine Berechnung, bei der von einer Belastung von 6,7 Personen pro Quadratmeter ausgegangen wird. „An dieser Stelle haben wir die Abstimmung nicht präzise genug gehandhabt“, sagte Falk deshalb im Rückblick.

Bölschestraße

BVG: Neuer Zeitplan für Einsatz der Urbanliner in Berlin

Die Folge der unterschiedlichen Annahmen ist bekannt: Die Behörde erteilte keine Genehmigung zur Inbetriebnahme. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) hatte das im Februar mit „Gründen der Sicherheit“ erklärt. Seither folgten Nachberechnungen. Und laut BVG gibt es inzwischen gute Nachrichten: Es liege ein belastbarer Plan vor, der bereits von externen Gutachtern geprüft wurde. Damit ist klar, welche Schritte nötig sind, um den Urbanliner auf der Linie M4 in Betrieb zu nehmen und so auch über den Alexanderplatz fahren zu lassen.

Geplant sind nun zwei punktuelle Verstärkungen, um die Infrastruktur der U-Bahn unter dem Alexanderplatz zu stabilisieren. Dafür sollen zwei Stützen auf dem Bahnsteig der U2 eingebaut werden, um einen dortigen Träger abzusichern. Auf dem Bahnsteig gibt es bereits diverse Stützen. Die neu hinzukommenden sollen sich in die bestehende Optik einfügen. Auch auf der Ebene der U5 soll eine zusätzliche Säule aufgebaut werden, die einen Träger stabilisiert. Einschränkungen im U-Bahn-Betrieb sind für die Bauarbeiten nicht notwendig. Die Kosten für die Extra-Stützen sollten laut BVG-Chef Falk maximal bei 150.000 Euro liegen.

Mehr zu den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG)BVG plant bis Ende des Jahres mit 15 Urbanlinern im Straßenbahnbetrieb

Erwartet wird, dass die Bauarbeiten bis zum Sommer abgeschlossen werden und der Urbanliner damit in Betrieb genommen werden kann. Auf einen genaueren Zeitpunkt wollte sich Falk noch nicht festlegen. Was er jedoch mit Blick auf die verpasste Abstimmung mit der TAB im Zulassungsprozess betonte: „Es ist ausgeschlossen, dass so etwas noch mal vorkommen wird.“

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Der Urbanliner, der Platz für 312 Personen bietet, soll zunächst auf der Linie M4 zwischen Falkenberg/Zingster Straße und dem S‑Bahnhof Hackescher Markt fahren. Die Linie gehört zu den am stärksten genutzten Tramlinien in Berlin. Bis Ende des Jahres sollen rund 15 neue Fahrzeuge bei der BVG sein, bis Ende 2028 dann 30 Urbanliner auf der M4 unterwegs sein. Ein Einsatz der 50-Meter langen Züge auf anderen Linien ist so lange nicht geplant. Bestellt sind bei Hersteller Alstom insgesamt 65 Urbanliner.

Abgesehen von der aktuellen Verzögerung im Zulassungsprozess hat es schon mehrfach Verschiebungen im Zeitplan für die neuen Trams gegeben. Das betraf bereits die Produktion bei Alstom. Eigentlich sollten die ersten Bahnen Ende 2022 bei der BVG ankommen. Das passierte jedoch erst im Sommer 2024. Den Fahrgastbetrieb mit den neuen Trams wollte die BVG dann Anfang 2025 aufnehmen. Stattdessen soll das nun also anderthalb Jahre später geschehen. Negative Auswirkungen für Fahrgäste haben die zeitlichen Verschiebungen laut BVG aber nicht. Die neuen Fahrzeuge sollen für sie aber natürlich Vorteile, unter anderem mehr Platz, bringen. Anwohner der M4-Strecke sollen davon profitieren, dass Erschütterungen und Fahrgeräusche abnehmen.