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Mitte – Eine besondere Wertschätzung für Berlins Ehrenbürgerin – und eine Mahnung: Der Platz vor dem Abgeordnetenhaus ist nun nach Margot Friedländer (1921-2025) benannt. Am Donnerstag gab es im Parlament zuvor eine Feierstunde mit emotionalen Reden und ihrem Lieblingslied.
Margot Friedländer überlebte als Einzige ihrer Familie den Holocaust, ihr Leben widmete sie einer Mission: Nie wieder sollen sich die Verbrechen der Nazi-Zeit wiederholen. Nach dem 2. Weltkrieg zog sie in die USA. Von 2010 bis zu ihrem Tod lebte sie wieder in Berlin. Sie besuchte noch im hohen Alter Hunderte Schulklassen. Immer wieder mit der Botschaft: „Seid Menschen!“.
Abgeordnetenhaus-Präsidentin Cornelia Seibeld (52, CDU) erinnerte an das, was Margot Friedländer auszeichnete: „Menschlichkeit, Herzenswärme, Vergebung, Toleranz und Mut.“

Margot Friedländer (1921-2025)
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Abgeordnetenhaus-Präsidentin Cornelia Seibeld würdigt Berlins Ehrenbürgerin in ihrer Rede
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Es sei stets ihre Haltung, ihr Auftrag gewesen, nicht wegzusehen. „Ihre Mission war klar, für die zu sprechen, die nicht mehr sprechen konnten. Sie tat das unermüdlich“, sagte Seibeld. „Mit großer Klarheit und leiser Stimme erzählte sie, was geschehen war.“
Parlament hat neue Adresse
Nun die posthume Ehrung in der Mitte Berlins. „Den Platz vor dem Abgeordnetenhaus nach Margot Friedländer zu benennen, ist eine dauerhafte Mahnung“, so Seibeld. „Ihr Vermächtnis ist damit jeden Tag sichtbar. Der Sitz und Tagungsort des Berliner Parlaments – die Herzkammer der Demokratie in dieser Stadt – hat damit eine neue Adresse.“
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) erinnerte sich an seine Begegnungen mit Margot Friedländer: „Wir haben sie alle noch vor Augen. Sie war eine kleine Frau, aber eine ganz große Persönlichkeit. Sie war immer zuversichtlich, sie glaubte an das Gute im Menschen.“
Wegner weiter: „Sie betrachtete es als ihre Lebensaufgabe, junge Menschen über Antisemitismus und Rassenhass aufzuklären. Es ist unsere Pflicht, das fortzusetzen.“ Der Regierende ganz emotional: „Danke, Margot. Ich bin mir sicher, Du bist für immer bei uns.“

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) während seiner Rede im Parlament
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Zu Gast im Plenum des Parlaments waren auch Spandauer Schüler: In Berlin-Kladow wird das dortige Hans-Carossa-Gymnasium demnächst nach Margot Friedländer benannt. „Sie war achtmal in unserer Schule, bewegte jedes Mal durch ihre Präsenz“, so eine Schülerin. „Wir wollen ihre Botschaft weitertragen.“ Dann stimmte der Schulchor das Lieblingslied von Margot Friedländer an: „Irgendwo auf der Welt“.

Der Chor des künftigen Margot-Friedländer-Gymnasiums sang „Irgendwo auf der Welt“
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Ein Lied der Comedian Harmonists von 1928. Darin heißt es: „Irgendwo, auf der Welt, gibt’s ein kleines bisschen Glück / Und ich träum davon in jedem Augenblick / Irgendwo, auf der Welt, gibt’s ein bisschen Seligkeit / Und ich träum davon schon lange, lange Zeit“.