Das neue Atelierhaus des Kulturvereins Schöne Felder an der Schaezlerstraße im Zentrum von Augsburg wird am 9. Mai offiziell eröffnet. Die a3kultur-Redaktion traf sich zur Vorabbesichtigung mit 3 von 87 Künstler*innen, die diesen neuen Kulturort in Zukunft beleben. Von Jürgen Kannler und Malte Günther
Nach vielen Monaten Umbau und Renovierung eröffnet ihr am 9, Mai euer neues Atelierhaus mit einem Fest. Was erwartet denn die Besucher*innen an dem Tag?
Unser neues Atelierhaus bietet auf rund 2.000 Quadratmetern gegenwärtig Platz für 87 Künstler*innen, die hier arbeiten, schaffen und kreativ sein können. Bei diesem Tag der offenen Tür haben die Besucher*innen die Gelegenheit, die neuen Räumlichkeiten kennenzulernen, Einblicke in die Arbeit der beteiligten Künstler*innen zu gewinnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
War es schwer, neue Räume zu finden?
Am Anfang ja. Wir wollten zentral bleiben und bezahlbar. Als klar wurde, dass wir mit vielen Kreativen kommen und große Flächen suchen, wurden wir für Eigentümer interessant. Es gibt in Augsburg viele Leerstände, besonders im Bürobereich. Für Eigentümer ist es attraktiv, solche Flächen an Projekte, wie den
Schönen Feldern, zu vermieten.
Wem gehört das Gebäude?
Einer großen Immobilienfirma. Das Gebäude stand sechs Jahre leer. Für beide Seiten ist es eine Win-win-Situation. Da mussten sich einfach nur zwei Puzzle Stücke finden.
Was hat sich mit dem Umzug am Schöne-Felder-Konzept geändert?
Es ist professioneller geworden. Erwachsener. Die Räumlichkeiten zuvor waren großartig – mit Hallen, klar getrennten Arbeitsbereichen und einem Hof der alles verbindet. Jetzt sind wir in einem Haus. Man begegnet sich weniger häufig. Vielleicht liegt das auch daran, dass der Vereinsbereich noch nicht geöffnet hat. Es gibt zwei Gebäude, mehrere Stockwerke, und jede*r kann für sich arbeiten. Man bekommt weniger mit. Dadurch entsteht eine konzentriertere, professionellere Arbeitsathmosphäre.
Ihr habt jetzt auch eine lizenzierte Gastronomie. Wird Schöne Felder nun auch ein Kulturort mit regelmäßigem öffentlichen Programm?
Das soll es auf jeden Fall werden. Die Konzession haben wir noch nicht fix, die Umnutzung ist jedoch beantragt. Wir sind auf einem guten Weg, alles ist eingereicht. Wir hoffen, dass wir das vor dem 9. Mai schaffen. Dann wollen wir das Haus für die Öffentlichkeit öffnen – auch für andere Künstler*innen.
Es gibt die Möglichkeit einer Spielstätte unter dem Dach?
Ja, für Theater, performative und musikalische Formate. Sie bietet Platz für etwa 60 Personen sitzend oder auch 80 stehend.
Das ist ein Raum mit sakraler Vergangenheit?
Ja, eine alte Kapelle. Mit einem Buntglasfenster von Professor Weisshaar von der Akademie der Bildenden Künste München.
Vermisst ihr die alte Hofsituation?
Auf eine Art schon. Aber wir sind froh, dass wir hier sind und das Ganze professioneller aufziehen können. Außerdem haben wir jetzt einen Garten.
Mit Hochbeeten zur Selbstversorgung?
Das passiert bald auf dem Dach.
Wer arbeitet im neuen Atelierhaus Schöne Felder?
Sehr unterschiedlich. 87 Mieter*innen in etwa 69 bis 73 Räumen. Es ist interdisziplinär: viel bildende Kunst, Musik, Fotografie, Tattoo, Grafik. Wir haben jemanden, der Sticker macht, Microgreens, Honigproduktion. Nun ist auch Leif Eric Young von Theter dazugekommen und möchte ein kleines Theater aufbauen. Außerdem gibt es einen Schreiner, der andere beim Ausbau unterstützt.
Wie hoch ist die Quadratmetermiete im Atelierhaus?
Bei den Erstvermietungen waren es noch 8,90 Euro pro Quadratmeter inklusive WLAN, Strom, Heizung und Raumnutzung sowie Küche und Kapelle. Heute sind wir bei 9,15 Euro, wegen der gestiegenen Fernwärmekosten. Und die Stadtwerke fördert keine Kulturzentren, indem sie da irgendwie preislich entgegenkommen.
Ihr finanziert euch über Mieten und bekommt Zuschüsse von der Stadt?
Schön wär’s. Nein, wir sind komplett selbstfinanziert. Die Mieten tragen alles – inklusive Nebenkosten und Umbauten.
Ist es ein Modell, das zumindest auf eine schwarze Null hinausläuft?
Nein, es ist ein Minusmodell – vor allem für die Menschen, die hier arbeiten. Es basiert auf Ehrenamt. Ohne das würde es nicht funktionieren.
Was habt ihr denn aus dieser überraschenden Kündigung am Milchberg gelernt?
Wir haben eine gute Kündigungsfrist, aber es bleibt ein Gewerbemietmodell. Wenn der Eigentümer verkauft, kann sich alles ändern. Wir investieren trotzdem Zeit, Arbeit und Herzblut und planen in die Zukunft. Aber Sicherheit gibt es nicht.
Braucht es vielleicht auch genau diesen Druck, um produktiv zu bleiben?
Kann sein. Vielleicht besteht die Gefahr, dass eingefahrene Strukturen irgendwann träge machen.
Stichwort Förderung: Atelierhausförderung. Dieses Erfolgsmodell aus anderen Städten gibt es in Augsburg nicht?
Nein. In Städten wie Nürnberg, Berlin oder München schon – aber nicht in Augsburg.
Ist das ein politisches Ziel für dich, Lisa als Stadträtin für »Die Partei« im Augsburger Rathaus?
Auf jeden Fall. Man muss die Fördertöpfe einfach der Zeit anpassen. Die Leute wollen von sich aus Dinge umsetzen. Und das wäre schön, wenn die Stadt das
erkennt. Und da bin ich, als Stadträtin, auf jeden Fall dahinter.
Erwartet ihr mit der neuen Regierung einen kulturpolitischen Wandel?
Es wäre zu hoffen, wir sind aber skeptisch. Viele Verantwortliche in Verwaltung und Politik haben ein anderes Bild von Kultur als das tatsächlich gelebte.
Gibt es Konkurrenz zu anderen Atelierstandorten?
Wir haben eine Warteliste mit etwa 45 Personen, die wächst weiter. Der Bedarf ist groß.
Wie steht ihr im Vergleich zu städtischen Modellen wie dem Gaswerk?
Wir arbeiten mit deutlich weniger Mitteln. Dafür haben wir mehr individuelle Freiheit. Jeder Raum ist anders. Diese künstlerische Freiheit ist unser Vorteil – auch durch unsere zentrale Lage.