„Drei Tage Ausnahmezustand. Drei Tage Musik, Emotionen und unvergessliche Momente.“ So wird das Musikfestival „Heart Beatz“ im alten Kieswerk in München-Waldperlach beworben. Für Mitte Juni ist das Charity-Event mit DJ Robin Schulz geplant. Die Veranstalter haben beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) 13.000 Besucher pro Tag angemeldet. Anwohnerinnen, Kommunalpolitiker und Naturschutzverbände üben scharfe Kritik an dem Festival neben einem Landschaftsschutzgebiet.

Die Sorge: Viel Müll, Lärm und Parkchaos

Anwohnerinnen und Anwohner sowie Kommunalpolitiker sind empört über das Musikfestival mit knapp 40.0000 Besuchern an drei Tagen am Perlacher Wald. Der zuständige Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach lehnt die Veranstaltung in der vorgesehenen Form und Größe mit Nachdruck ab, heißt es in einer Stellungnahme aus der April-Sitzung. Die Auswirkungen seien massiv. „Die völlig fehlende Kommunikation des Veranstalters mit den Anwohnern ist sehr verwunderlich.“

Umweltschützer: „Festival ist für die Natur eine Katastrophe!“

Das Festival soll auf dem Gelände des ehemaligen Kieswerks Mächler stattfinden, direkt am Landschaftsschutzgebiet im Perlacher Wald. Die Gegend ist beliebt bei Spaziergängern und Radlern. Hier wie auch direkt im alten Kieswerk lebten streng geschützte Tiere wie der Europäische Laubfrosch, sagt Katharina Spannraft vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV).

Schon durch die Vorarbeiten zum Festival würden Amphibien wie Kröten und am Boden brütende Wildbienen getötet, zahlreiche Brutvögel hätten dort ihre Reviere und Nester, so der Bund Naturschutz (BN). Darunter seien auch die in München selten gewordenen Vogelarten Neuntöter, Fitise und Goldammern. Störungsempfindliche Arten haben laut BN ihre Schmerzgrenze bei rund 50 Dezibel. Wird diese überschritten, kann es dazu kommen, dass Elterntiere ihre Brut aufgeben.

Forderung: Musikfestival an einen anderen Standort verlegen

„Das Festival ist eine Katastrophe für die Natur“, sagt Hans Greßirer vom BN München. Er fordert, dass die Veranstalter einen neuen Standort suchen – zum Beispiel die Messe in Riem. „Gegen das Festival hat ja niemand was, aber es ist ein ungeeigneter Ort ausgewählt worden.“ Die geplante Veranstaltung bringe das Leben der Tiere in Gefahr und zerstöre ihre Lebensräume.

„Wir haben den Eindruck, dass Natur rein als Kulisse gesehen wird, für drei Tage konsumiert wird, kaputt zurückgelassen wird“, kritisiert Katharina Spannraft vom LBV München. Es dauere Jahre, bis sich diese Naturräume erholen können – wenn überhaupt. Auch die langfristigen Planungen der Stadt München sprächen gegen das Festival an diesem Standort, so der LBV. Ein Teil des Kieswerks ist im Flächennutzungsplan als ökologische Vorrangfläche eingestuft.

Die Stadt München hat das Festival noch nicht genehmigt

Das Grundstück des ehemaligen Kieswerks an der Putzbrunner Straße in München-Waldperlach gehört laut Grundbuchamt einer Grundstücksentwicklung GmbH mit Sitz in Donauwörth.

Die Veranstalter – zwei Neubiberger aus dem Landkreis München – haben trotz mehrmaliger Anfrage ein Interview mit dem BR abgelehnt. Laut ihrer Website planen sie ein Musikfestival für Familien, Gemeinschaft und Lebensfreude. Der Erlös soll der Kinderkrebshilfe und der Deutschen Knochenmarkspende zugutekommen.

Das Problem: Die Veranstalter haben noch keine Erlaubnis für ihr Festival. Die Prüfung und Abstimmung mit den beteiligten Fachdienststellen dauern noch an, teilte das zuständige KVR auf BR-Anfrage mit. Es fehlten noch notwendige Unterlagen.

Ticketverkauf und Vorbereitungen vor Ort laufen bereits

Sollte die Veranstaltung vom KVR genehmigt werden, fordert der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach Auflagen: 23.00 Uhr Veranstaltungsende an allen Tagen, Park- und Mobilitätskonzept mit Bus-Shuttle, um Wildparken zu vermeiden.

Die Veranstalter schaffen bereits Fakten: Der Ticketverkauf läuft, Werbung ist plakatiert und Vorarbeiten auf dem Gelände laufen.