Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius suchen Behörden weltweit nach Kontaktpersonen. Ziel ist es, eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Drei Menschen starben bislang, darunter ein Deutscher und ein niederländisches Ehepaar. Bei acht weiteren Personen besteht der Verdacht, dass sie sich mit dem Virus infiziert haben, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte.
Die Suche erschwert, dass nach Angaben des Reiseveranstalters mindestens 29 Passagiere das Schiff bei einem Zwischenstopp auf der Insel St. Helena vor zwei Wochen verlassen haben, noch bevor der Ausbruch des Virus bekannt geworden war. Zwei Wochen zuvor war der erste Patient, ein niederländischer Mann, an Bord verstorben. Die niederländische Regierung sprach von rund 40 Passagieren.
Der Aufenthaltsort vieler der auf der britischen Insel im Südatlantik von Bord gegangenen Passagiere ist unklar. Der Veranstalter teilte mit, sie seien von Bord gegangen, um in ihre Heimatländer zurückzukehren. Demnach stammten sie aus mindestens zwölf verschiedenen Staaten. Die Herkunft zweier Personen sei derzeit unklar.
Zu ihnen zählte den Angaben nach auch die Frau des auf dem Schiff verstorbenen Niederländers. Sie erkrankte später selbst und starb, nachdem sie in Johannesburg wegen ihres schlechten Gesundheitszustands aus einem Flugzeug der Fluggesellschaft KLM geholt worden war.
Flugbegleiterin möglicherweise auch infiziert
Dem Sender RTL zufolge wurde eine Flugbegleiterin, die Kontakt zu der Frau hatte, mit möglichen Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert. Das niederländische Gesundheitsministerium bestätigte, dass eine Frau im Krankenhaus auf das Virus getestet werde. KLM lehnte eine Stellungnahme aus Datenschutzgründen ab.
© Lea Dohle
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Nach Angaben des Veranstalters zeigen derzeit keine auf dem Schiff verbliebenen Passagiere Symptome. Ob Passagiere infiziert und asymptomatisch sind, ist unklar. Die Europäische Kommission teilte mit, sie beobachte die Situation sehr genau. »Das Risiko für Europäerinnen und Europäer ist gering«, sagte eine Sprecherin.
Das Schiff steckte zunächst vor der Küste der Kapverden fest. Eigentlich sollten sie das Endziel sein, doch der Inselstaat verweigerte den Passagieren wegen des Ausbruchs den Landgang. Das Schiff nahm daraufhin mit knapp 150 Menschen an Bord Kurs auf die Kanarischen Inseln, die zu Spanien gehören. Es soll am Sonntag Teneriffa erreichen.
Nach der Ankunft sollen alle gesunden ausländischen Staatsbürger in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Die 14 spanischen Passagiere müssen in einem Militärkrankenhaus in Madrid in Quarantäne.
Deutsche Kontaktperson muss weiter untersucht werden
Eine Deutsche, die an Bord mit einer verstorbenen Passagierin Kontakt hatte, traf am späten Mittwochabend am Uniklinikum Düsseldorf ein. Die Frau gelte als »Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer Hantavirus-Infektion« und werde vorsorglich untersucht, hatte die Klinik zuvor mitgeteilt. Der Zustand der Frau sei »stabil, derzeit zeigt sie keine Symptome einer Infektion«, teilte die Feuerwehr mit.
Die Deutsche wurde mit einem Spezialflugzeug nach Amsterdam ausgeflogen und dann mit einem Krankenwagen nach Düsseldorf gebracht worden. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums handelt es sich um eine 65-jährige Deutsche. Das Klinikum äußerte sich nicht zur Identität der Frau. Ein Sprecher der Uniklinik Düsseldorf sagte am Donnerstagmittag, es gebe keine Hinweise auf eine Infektion. Man könne eine Ansteckung aber auch nicht ausschließen und müsse die Frau weiter beobachten. Zusätzliche Untersuchungen seien erforderlich aufgrund der sehr unterschiedlichen Inkubationszeit, also des Zeitraums zwischen Ansteckung und ersten Symptomen.
Zwei Passagiere aus Singapur sind bei ihrer Rückkehr in den Stadtstaat in Quarantäne genommen worden. Sie würden nun in einem Zentrum für Infektionskrankheiten auf das Virus getestet, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Die Testergebnisse stünden noch aus. Einer der beiden Isolierten habe eine »laufende Nase«, sei ansonsten aber »wohlauf«. Der andere Mensch sei symptomfrei. »Das Risiko für die Öffentlichkeit in Singapur ist derzeit gering«, teilten die Behörden mit.
Bei dem Erreger handelt es sich um den sogenannten Andenstamm des Hantavirus. Dieser kann durch sehr engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Experten betonen jedoch, dass eine solche Ansteckung sehr selten ist. Dennoch sind die Gesundheitsbehörden alarmiert. Das argentinische Gesundheitsministerium kündigte an, in der südlichen Stadt Ushuaia, dem Startpunkt der Kreuzfahrt, Nagetiere zu fangen und zu untersuchen.
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