
AUDIO: Funkbilder – der Tag: Wölfe sollen geschossen werden (3 Min)
Stand: 07.05.2026 17:53 Uhr
Nachdem in Füchtenfeld (Landkreis Grafschaft Bentheim) in zwei Nächten etliche Schafe gerissen worden sind, wollen die Behörden dort zwei Wölfe töten lassen. Das teilte eine Sprecherin des Landkreises am Donnerstag mit.
Demnach dürfen zwei Wölfe geschossen werden – allerdings nur auf dem Gelände der betroffenen Weidefläche und nur bis zum 15. Juni. Zwei Wölfe deshalb, weil die Behörden davon ausgehen, dass mehrere Tiere hinter dem Angriff stecken. In zwei Nächten waren rund 60 Schafe getötet und mehr als 100 weitere verletzt worden.
Abschuss laut Landkreis „angemessen“
Vor dem Hintergrund dieses Ausmaßes sei der Abschuss angemessen, um weitere Risse zu verhindern, so die Landkreis-Sprecherin weiter. Die betroffene Fläche müsse aus naturschutzfachlichen Gründen unbedingt von Schafen beweidet werden, eine Umsiedlung der Tiere sei nicht möglich. Die Behörden hoffen den Angaben zufolge, dass der Abschuss andere Wölfe abschreckt. Wann die Tiere gejagt und wie sie auf dem rund 1.200 Hektar großen Gelände gefunden werden sollen, dazu wollte der Landkreis zunächst keine Angaben machen. Muttertiere dürften ausdrücklich nicht geschossen werden. Der mögliche Abschuss von zwei Tieren gefährde den Wolfsbestand in der Region nicht. An der Entscheidung waren gleich mehrere Behörden beteiligt, da die Landkreisgrenze mitten durch das Dalum-Wietmarscher-Moor in Füchtenfeld verläuft.
Bislang größter Fall von Wolfsrissen in Niedersachsen
Die Risse in Füchtenfeld sind laut Landesjägerschaft der größte dokumentierte Fall in Niedersachsen. Laut der staatlichen Moorverwaltung ist der Herdenschutzstandard erfüllt gewesen, habe aber offenbar nicht ausgereicht. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer läuft die Rissbegutachtung noch. Es sei deshalb wahrscheinlich, dass sich die Zahl der betroffenen Schafe noch ändere, teilte ein Sprecher der Landwirtschaftskammer mit. Wie die „Grafschafter Nachrichten“ berichteten, fanden die Besitzer Michael und Andrea Dircks die ersten toten Tiere am Freitag im Dalum-Wietmarscher-Moor. Am Tag darauf bereits die nächsten.
Nur selten Fälle dieser Dimension
Wolfsangriffe mit mehr als 20 gerissenen oder verletzten Tieren seien relativ selten, sagte ein Sprecher der Landwirtschaftskammer dem NDR Niedersachsen. Bei Schafen lägen die Zahlen oft zwischen ein bis sechs Tieren. Das bestätigt auch ein Blick in das Wolfsmonitoring der niedersächsischen Jägerschaft. Dort sind für die Grafschaft nur vereinzelt Angriffe mit deutlich weniger betroffenen Tieren verzeichnet. Ähnlich gravierend wie in Füchtenfeld war zuletzt ein Vorfall in Oldendorf im Landkreis Rotenburg (Wümme). Dort wurden im Februar 54 tote Schafe gefunden, bei denen Wolfsrisse bestätigt sind.

Das Tier war in der Nacht auf der A27 im Landkreis Cuxhaven vor ein Auto gelaufen. Der Fahrer des Wagens blieb unverletzt.

Nach der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdrecht hat Niedersachsen erste Handlungsempfehlungen an die zuständigen Behörden verschickt.

Der Bundesrat hat am Freitag für die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz gestimmt. Experten sehen darin Chancen, aber auch Risiken.

Trotz Schutzzaun sollen Wölfe Dutzende Schafe gerissen haben. Meyer will handeln, Naturschützer warnen vor pauschalen Abschüssen.
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