Die Finals rücken die Stadt an einem Sommerwochenende 2027 ins rechte Licht. Vom Schlossplatz bis zum Neckar werden überall Deutsche Meister gekürt.
Mit Olympia hat es nicht geklappt. Die Älteren werden sich erinnern: Die Olympischen Spiele 2012 wollte man ausrichten, erst kam Leipzig dazwischen, dann London. Eine Nummer kleiner kam man aber jetzt zum Zug: Stuttgart wird die Finals 2027 ausrichten.
Die Finals? Das sind so eine Art Olympische Spiele im Kleinen. Um der erdrückenden Dominanz des Männerfußballs etwas entgegensetzen zu können, taten sich viele deutsche Sportverbände zusammen und beschlossen, ihre Meister an einem Ort zu ermitteln. Erstmals 2019 in Berlin. Mit 18 Sportarten und 30 Disziplinen. Mit der gewünschten Wirkung, ARD und ZDF kamen mit ihren Kameras vorbei und übertrugen 27 Stunden live im Fernsehen.
Sendezeit en masse
Das war der Hauptzweck der Übung. Von den öffentlich-rechtlichen Sendern gesehen zu werden, die ansonsten lieber im x-ten Aufguss die Fußball-Bundesliga nach klapperten anstatt Deutsche Meisterschaften etwa im Turnen oder im Triathlon zu übertragen. Der Quote wegen, so die stete Begründung.
Die stimmt bei den Finals. Deshalb werden auch in Stuttgart ARD und ZDF von 29. Juli bis zum 1. August übertragen. 30 Stunden im Fernsehen, 100 Stunden in Streams. „Das ist das größte Event, das wir 2027 übertragen werden“, sagt SWR-Intendant Kai Gniffke. Und meint damit nicht den Landessender, sondern die ARD. In 16 Sportarten werden 3000 Athleten ihre Deutschen Meister ermitteln. Im Inselbad, auf dem Schlossplatz, in der Porsche-Arena, vor der Oper, auf dem Marktplatz, der BMX-Strecke beim Olympiastützpunkt, im Stadion Festwiese, im Bad im Neckarpark, in den Weinbergen rund um Stuttgart. Die Stadt wird also gut ins Bild gesetzt. Deshalb war dies dem Gemeinderat 7,8 Millionen Euro wert. Die Summe reduziert sich durch Landeszuschüsse und Sponsorengelder von je einer Million Euro auf 5,8 Millionen Euro.
Für Stuttgarts OB Frank Nopper sind die Finals von „herausragender Bedeutung für ganz Baden-Württemberg“ und „eine große Chance für Stuttgart“. Nicht nur medial mit Bildern von Weinbergen, Fernsehturm und Schlossplatz. Es ist auch so eine Art Wiederauferstehung. Zwar will man seit Jahren wieder an die großen Zeiten der Sportstadt anknüpfen, als man Gastgeber für Weltmeisterschaften der Fußballer, Leichtathleten, Turnen und Radler war, doch der freiwillige Verzicht auf die Bewerbung um die Frauen-Fußball-EM 2029 mit der Begründung einiger Stadträte, das interessiere keinen, wenn die Frauen kicken, hat in den Kreisen der Sportverbände einige Verwunderung ausgelöst. Zudem kommt die nun auch schon jahrelange Debatte um einen Ersatz für die Schleyerhalle, der dazu führt, dass etliche Verbände absagten, die Halle sei leider zu alt für ihre Titelkämpfe in internationalem Maßstab.
Sie wird in Stuttgart Darja Varfolomeev an den Start gehen: Olympiasiegerin Darja Varfolomeev Foto: dpa
Nun bringt man sich also an einem Wochenende im nächsten Sommer in Erinnerung. Mit einem großen Aufschlag. Die Triathleten absolvieren ihre Staffel im Inselbad und in den Weinbergen, der Einzelwettbewerb führt von Ludwigsburg in die Stuttgarter Innenstadt. Die Schwimmer sind im Bad im Neckarpark, in der Porsche-Arena ist Turnen, Sportgymnastik mit der Olympiasiegerin und Lokalmatadorin Darja Varfolomeev, Trampolin und Sportakrobatik, auf dem Neckar ist Kanu und Stand Up Paddling, am Olympiastützpunkt ist BMX Cross und Track, vor der Oper BMX-Flat und Breakdance, im Ehrenhof ist Beach-Volleyball, Speed-Klettern an der Jubiläumssäule, 3×3-Basketball auf dem Marktplatz.
Damit nicht genug. Es gebe eine Warteliste mit gut 15 Sportarten, sagt Hagen Boßdorf, Geschäftsführer der Finals GmbH. Da werde man nun prüfen, wo und wie man die ein oder andere noch unterbekommt. Wie zu hören ist, hätte man gerne Mannschaftssportarten wie Football, Rugby oder Faustball im Stadion Festwiese, vielleicht die Kugelstoßer auf dem Schlossplatz. Dort wird auch der Finals Park sein, an dem man selbst Sport treiben kann. Der soll nicht nur während der vier Tage aufgebaut sein. Sondern noch drei Wochen hinterher. Ebenso wie der 3×3-Platz oder die Kletteranlage darf und soll er genutzt werden.
Was kostet der Eintritt?
Der Eintritt für die meisten Veranstaltungen soll frei sein. Beim Turnen, Beach-Volleyball und 3×3-Basketball muss man voraussichtlich zahlen. Zum Vergleich: Demnächst finden die Finals in Hannover statt, dort kostet ein Ticket 20 Euro für Beach-Volleyball, von 25 Euro an eine Karte fürs Turnen.
Ansonsten wird der Zeitplan so gelegt sein, dass man von Ort zu Ort, von Sportart zu Sportart ziehen kann. Nicht nur Frank Nopper verspürt da einen „Hauch von Olympia“.