Vom 8. bis zum 10. Mai findet in Hamburg der alljährliche Hafengeburstag statt: Mit Schlepperballett, Feuerwerk und zahlreichen Aktivitäten wird die maritime Kultur gefeiert. Aber was des einen Freud, ist des anderen Leid: Klimaaktivisten und Tierschützern ist der Hafengeburtstag seit Jahren ein Dorn im Auge. Einen Tag vor Beginn der Feierlichkeiten tauchen in der Stadt merkwürdige Werbetafeln auf. „Kreuzfahrt tötet“ prangern die Plakate an – wer steckt dahinter?

Unter dem Slogan „Sagt die Wahrheit!“ haben Klimaaktivisten der Gruppe Extinction Rebellion ein Foto auf ihrem Instagram-Account gepostet. Darauf zu sehen ist eine Vorher-Nachher-Fotomontage einer Werbetafel. Das Vorher-Bild zeigt die offizielle Werbetafel der Stadt Hamburg für den Hafengeburtstag vom 8. bis 10. Mai. Im Nachher-Bild ist an der gleichen Stelle ein Plakat der Aktivisten zu sehen. Mit der Aufschrift „Kreuzfahrt tötet“ über einem Kreuzfahrtschiff.

Diese Austauschaktion hat die Gruppe an mehreren Bushaltestellen der Stadt vorgenommen, wie aus weiteren Bildern des Posts hervorgeht. „Adbusting“ nennt man solche Aktionen. Insgesamt wurden 18 Plakate an neun Orten ausgetauscht.

Extinction Rebellion will mit Plakataktion die Partystimmung zum Hafengeburtstag stören

Damit will die Gruppe auf den Klimawandel aufmerksam machen. In dem Post heißt es: „Wir tun so, als könnte es weitergehen wie bisher, während Menschen sterben und Hamburg in den nächsten Jahren zu versinken droht.“ Vor allem die Kreuzfahrtindustrie wird von den Aktivisten scharf angegriffen: „Kreuzfahrtschiffe sind die dreckigste Form des Konsums – schwimmende Städte, die massive Klimakatastrophen verursachen und unsere Luft vergiften.”

Hamburg solle endlich aufwachen, fordert die Gruppe. Die Plakataktion sei extra kurz vor dem Hafengeburtstag platziert worden, um die „sorglos-Party-Stimmung“ zu durchbrechen. Angesichts der zunehmenden Zweifel am Erreichen des 1,5-Grad-Ziels und einer drohenden Erderwärmung von bis zu drei Grad sei das Feiern nicht angemessen.

„Adbusting“ schon bei den Cruise Days in Hamburg

„Ein Kreuzschiff belastet unsere Umwelt mehr als fünf Millionen Pkw zusammen. Wenn wir eine Zukunft wollen, in der es allen Menschen gut geht, dann müssen Kreuzfahrten aufhören. Dann geht es den Menschen besser, dann geht es Timmy besser, und allen anderen Lebewesen“, so Georg Bronn von Extinction Rebellion.

Die Aktion knüpft an eine ähnliche Kampagne zu den Cruise Days im September 2025 an. „Wie schon zu den Cruise Days werden wir uns diesen schwimmenden Kolossen auch zum Hafengeburtstag entgegenstellen.“ Weitere Protestaktionen zum Hafengeburtstag sind laut Extinction Rebellion nicht geplant.

Auch der NABU kritisiert den Hafengeburtstag

Auch der NABU übt massive Kritik am Hafengeburtstag. Vor allem die Tatsache, dass während der sensiblen Vogelbrutzeit ein Feuerwerk gezündet wird, ist für die Tierschützer unverständlich. „Dass der Hamburger Senat lieber der Devise ‚Brot und Spiele‘ folgt, anstatt krisenorientierte Politik zu machen, ist bedauerlich“, sagt Malte Siegert vom NABU Hamburg in einer Mitteilung. Der Verband kritisiert zudem, dass die Stadt keine Änderungen am Programm vornimmt, um Energie einzusparen.

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Der Hafengeburtstag wird seit 1977 als großes Volksfest in Hamburg gefeiert. Jährlich zieht das Großevent Millionen von Besuchern an. Unter anderem, um die Ein- und Auslaufparade oder das Schlepperballett zu sehen. Am Samstagabend findet traditionell das große Feuerwerk am Hafen statt. Dieses Jahr wird es zudem von einer Drohnenshow ergänzt.