Manchmal muss es die Technik richten. Auch bei Manuel Baum. Der Trainer des FC Augsburg wollte mal ChatGpt befragen, was wohl auf der dritten Stufe seines Plans stehen könnte. Zwei Stufen hat Baum selbst beschriftet. Zunächst mit dem Klassenerhalt, der ist erreicht. Danach mit dem Erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes – daran arbeiten die Augsburger gerade. Und danach? Die Auswahl an Möglichkeiten scheint begrenzt, das internationale Geschäft wäre der nächste Schritt.

Baum weiß das natürlich ohne Hilfe der künstlichen Intelligenz. Reden aber wollte der FCA-Trainer auch am Donnerstag darüber nicht. Ihm ist bewusst, dass sein Team bei einem unglücklichen Verlauf der letzten beiden Spiele auch noch auf Rang zwölf abrutschen könnte. Deshalb ist weiter Vorsicht geboten.

Für den FCA steht am Samstag (15.30 Uhr) das letzte Heimspiel der Saison an. Gegner Borussia Mönchengladbach muss sich darauf einstellen, dass das Hinspiel im Januar tiefe Narben bei den Augsburgern hinterlassen hat. 0:4 hatte der FCA verloren, es war der Tiefpunkt in der Amtszeit von Baum. Entsprechend ist die Motivation groß, die Rechnung zu begleichen. Allerdings hat sich vor allem in Augsburg seit jenem kalten Sonntag im Januar viel getan.

Der FCA hat sich in vielen Bereichen entwickelt

Baum hat die Mannschaft aus dem Tabellenkeller geführt. Er hat dafür gesorgt, dass es eine der besten Saisons der Erstligazugehörigkeit werden wird. Vor allem aber hat er das Team entwickelt. Beim Verteidigen sei seine Mannschaft sehr stabil geworden, so der Augsburger Trainer. Auch im Spiel mit dem Ball habe sie sich weiterentwickelt. Auch mental seien Fortschritte erkennbar. „Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen“, sagte Baum. Das führte etwa zu Siegen in München und Leverkusen.

Baum kann viel Positives für sich reklamieren, viele Pluspunkte in seiner Personalakte vermerken. Ob das aber dazu führt, dass Baum auch in der neuen Saison Cheftrainer bleibt? Die viel diskutierte Frage ist noch nicht entschieden. Erst nach Saisonende sollen die Gespräche stattfinden, das haben die Verantwortlichen um Geschäftsführer Michael Ströll und Sportdirektor Benjamin Weber immer wieder betont. Baum tat das auch am Donnerstag: „Die Antwort ist immer die gleiche: Wir sprechen nach der Saison. Wir haben uns klar verabredet. Und damit fahren wir richtig gut.“

Für Baum gibt es zwei Optionen. Cheftrainer bleiben oder auf seine Position als Leiter Entwicklung und Fußballinnovation zurückkehren. Tritt Zweites ein, wäre es sein vorerst letztes Heimspiel als FCA-Trainer. Es könnte also ein emotionaler Moment nach Schlusspfiff werden. „Mit dem Gedanken daran habe ich mich noch nicht beschäftigt“, sagte Baum, „mein Fokus liegt darauf, wie ich der Mannschaft helfen kann.“ Eine Idealvorstellung für etwa 17.30 Uhr am Samstagnachmittag aber hat er freilich. „Ich würde gerne mit den Spielern nach dem Spiel vor den Fans stehen und feiern“, sagte er. Einen Heimsieg, der zugleich Revanche gegen Gladbach bedeuten würde.

In seinem Aufgebot gibt es diesmal einige Fragezeichen. Nach einer längeren verletzungsfreien Zeit hatten in der vergangenen Woche sechs Akteure mit Problemen zu kämpfen. Einige waren krank, andere hatten muskuläre Probleme. Nichts Gravierendes also, dennoch könnte es zu Ausfällen kommen. Namen wollte Baum keine nennen, nur, dass Änderungen in der Startelf durchaus denkbar sind.

Auch Torwarttrainer Marco Langner verlässt den FCA

Das letzte Heimspiel hat die aktive Fanszene unter das Motto „Alle in Weiß“ gestellt. Weiße Kleidung also soll es im Idealfall auf der Tribüne sein. Vor der Partie wird es zu einigen Verabschiedungen kommen. Elvis Rexhbecaj, der nach Wolfsburg wechselt, und Ersatztorwart Daniel Klein verlassen den Klub ebenso wie Torwarttrainer Marco Langner. Ebenfalls verabschiedet wird der ehemalige Geschäftsführer Stefan Reuter, dessen Beratervertrag ausläuft.

Das 0:4 aus dem Hinspiel hatte Baum unter der Woche nicht mehr thematisiert. Auch, weil bei beiden Klubs Anpassungen stattgefunden haben. Die Gäste vom Niederrhein haben seit einer Woche ebenso den Klassenerhalt sicher, das kann zu einem befreiten Auftritt verleiten.

Am Mittwoch hatte sich Baum zusammen mit seinem Sohn das Halbfinal-Rückspiel der Champions League in München angeschaut. Ein Geburtstagsgeschenk war es für den Elfjährigen. Und für seinen Vater ein entspannter Abend. Ein „Bratwurst-und-Bier-Spieltag“, wie er es nannte. Ohne Druck also unter den Fans zu sitzen. Eine Partie auch mal genießen zu können, ohne sie zwingend analysieren zu müssen. Das wird sich freilich am Samstag wieder ändern. Wenn womöglich sein vorerst letztes Heimspiel als FCA-Trainer ansteht.