Auch dieses Jahr bietet der 8. Mai Gedenk- und Kulturveranstaltungen, um an die Befreiung vom Nationalsozialismus zu erinnern. UVon Führungen über das Sowjetische Ehrenmal bis zum „Liberation Dance“: Unsere Tipps für den 8. Mai
Text: Paula Clamor
Veröffentlicht am: 06.05.2026
Szene einer Demonstration anlässlich des Tags der Befreiung, hier am 8. Mai 2025 © Imago/Seeliger
Dieses Jahr ist das Ende des zweiten Weltkriegs 81 Jahre her. Genauer gesagt am 8. Mai. An dem heute als Tag der Befreiung bekannten Datum besiegelten die Alliierten das Ende des Faschismus in Europa . 1945 wurde in den späten Abendstunden der Vertrag zur vollständigen Kapitulation der deutschen vor den sowjetischen Streitkräften unterschrieben und damit die letzten Kämpfe des zweiten Weltkriegs in Europa beendet.
Seit der Entwicklung einer ausgeprägten Erinnerungskultur in den 1980er-Jahren gibt es in Deutschland jedes Jahr zum 8. Mai etliche Gedenk-, Bildungs- und Kulturveranstaltungen, um die Befreiung zu feiern und vor allem den Opfern und Verfolgten des Nationalsozialismus zu gedenken. Der Tag der Befreiung ist allerdings kein nationaler Feiertag – darüber wird seit Jahren diskutiert. Die wichtigsten Tipps, was ihr am 8. Mai alles unternehmen könnt, findet ihr hier.
Jüdisches Museum
Das Jüdische Museum, das dieses Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, gehört zu den wichtigsten Museen der Stadt. Die Dauerausstellung erzählt jüdisches Leben in der Diaspora und in Israel über viele Jahrhunderte hinweg. Das Museum befasst sich außerdem intensiv mit dem 8. Mai, der das Ende des Holocausts markiert, und der Frage, wie jüdisches Leben danach gestaltet werden kann. Am 9. Mai bietet das jüdische Museum zudem Führungen durch die Dauerausstellung an, rückt dabei einzelne Biografien in den Fokus und zeigt, wie Menschen in den Lagern für Displaced Persons – von den Westmächten errichtete Aufenthaltsorte für Holocaust-Überlebende – gelebt haben.
Jüdisches Museum Berlin Lindenstr. 9-14, Kreuzberg, Di-So 10-18 Uhr, Führung am 9. Mai um 15 Uhr, mehr Infos hier
Führungen über das Sowjetische EhrenmalDie Statue des sowjetischen Ehrenmals stellt einen Soldaten mit Kind da. Das Denkmal mag etwas pathetisch wirken, angesichts der enormen Verluste an Soldaten im Zweiten Weltkrieg ist das aber durchaus nachvollziehbar. © Imago / Joko
Das Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park gehört zu den beeindruckensten Sehenswürdigkeiten im Berliner Südosten: Von den Haupteingängen führt jeweils ein spektakuläres Rundbogenportal in die symmetrische Anlage, Fixpunkt ist die Statue eines sowjetischen Soldaten auf dem Mausoleumshügel. So glanzvoll und prächtig die Anlage ist – dabei rückt der Umstand, dass dort mehr als 7000 gestorbene Rotarmisten begraben sind, in den Hintergrund. Der Verein Memorial möchte das mit kritischen Touren zur ehemaligen Sowjetunion und ihrer Propaganda ändern. Warum etwa die Datierung des Krieges auf dem Denkmal von dem abweicht, was wir aus dem Schulunterricht kennen, und noch vieles mehr, kann man dort herausfinden.
Sowjetisches Ehrenmal Puschkinallee, Treptow, Führungen am 8. Mai in deutscher und englischer Sprache, 12-16.30 Uhr, Bühnenprogramm ab 17 Uhr, mehr Infos hier Topographie des Terrors
Wer sich am 8. Mai auf die Spuren der Gräueltaten des Nationalsozialismus begeben will, kann das im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Mit zwei Million Besucher:innen jährlich gehört es zu den meistbesuchten Erinnerungsorten Deutschlands. Die Dauer- und Sonderausstellungen auf dem ehemaligen Gelände der Gestapo, SS und des Reichssicherheitshauptamts nehmen den Terror-Apparat des „Dritten Reichs“ und dessen Opfer in den Blick.
Dokumentationszentrum Topographie des Terrors Niederkirchnerstr. 8, Kreuzberg, tgl. 10-20 Uhr, mehr Infos hierHaus der Wannsee-KonferenzDie Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz in Zehlendorf. © Imago / Jürgen Ritter
2026 ist die Wannsee-Konferenz, auf der die systematische Vernichtung der europäischen Juden beschlossen wurde, 84 Jahre her. 1942 trafen sich unter Leitung von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich insgesamt 15 Nazi-Funktionäre in einer mondänen Villa am Wannsee, um die Massenvernichtung zu koordinieren – die schließlich zum Tod von schätzungsweise sechs Millionen Juden führte. Heute befindet sich in dem Gebäude die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Neben der Dauerausstellung lässt sich auch die aktuelle Sonderausstellung „On the Roof of Himmler’s Guesthouse. Die U.S. Army 1945 in Wannsee“ betrachten.
Haus der Wannseekonferenz Am Großen Wannsee 56–58, Wannsee, Sonderausstellung tgl. 10-18 Uhr, Eintritt frei, mehr Infos hier„Liberation Dance“: Tanzen gegen Hass
Zum diesjährigen Tag der Befreiung findet ein transnationaler Flashmob unter dem Titel „Liberation Dance“ statt. Der von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) organisierte Spontantanz soll ein Zeichen für Menschlichkeit und Solidarität setzen. Getanzt wird eine Swing-Choreo, für die keine Vorkenntnisse nötig sind und die von erfahrenen Swing-Tänzer:innen angeleitet wird. Auch anmelden muss man sich nicht. Der Flashmob wird neben Berlin auch in Bremen, Hamburg, Oldenburg, Köln und Prag stattfinden.
Friedrichstraße in Höhe Besselpark, Kreuzberg, 17.30 Uhr, mehr Infos hier Reflektieren im Schreibworkshop
Beim Schreibworkshop im Museum Reinickendorf wird das Kreative mit dem Historischen verbunden. Der Fokus liegt auf den Erfahrungen von Frauen und Kindern während und nach Ende des zweiten Weltkriegs. Der Workshop beginnt mit einer Ortsführung durch Berlin-Hermsdorf, die die Vergangenheit mit Hilfe von Zeitzeugenberichten aus dem Buch „Berliner Schnitzel“ spiegelt. Im Anschluss können die Teilnehmer:innen im Museum Reinickendorf bei einer Tasse Kaffee eigene Kurztexte entwickeln. Der Kurs kostet 13,15 Euro pro Person und gehört zu der Reihe „Ortstermin!“, die vom Museum Reinickendorf in Zusammenarbeit mit der VHS angeboten wird.
Museum Reinickendorf Alt-Hermsdorf 35, Reinickendorf, 10 Uhr, Eintritt 13,15€, Anmeldung über die VHS Reinickendorf, mehr Infos hier Museum Karlshorst: Am Ort des EndesDas Museum Berlin-Karlshorst, das bis 2022 noch „Deutsch-Russisches Museum“ hieß. © Imago / Jürgen Ritter
In dem Gebäude, in dem sich heute das Museum Berlin-Karlshorst findet, wurde die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Dementsprechend programmreich wird der Jahrestag dort begangen. Dieses Jahr bietet das Museum den Besucher:innen ein kostenloses Programm komplett mit Führungen, Ausstellungen, einer kommentierten Filmvorführung, einem Lesecafé und einer Abendveranstaltung samt Debatte an. Für Teile des Programms müsst ihr euch im Vorfeld anmelden.
Museum Karlshorst Zwieseler Straße 4, Karlshorst, 10-21.30 Uhr, mehr Infos hier Mehr zum Thema
Zweiter Weltkrieg: Historische Spaziergänge in und um Berlin. Der Zweite Weltkrieg wirkt an vielen Stellen nach. An diesen wichtigen Orten in Berlin wurde am 8. Mai Geschichte geschrieben. Noch mehr historische Spaziergänge: Folgt mit uns dem Mauerweg. Damals und heute: Bilder von Berlin 1945 und in der Gegenwart. Wir blicken immer wieder zurück: Besucht unsere Rubrik zur Berliner Geschichte.
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