B4B-Redakteurin Katharina Seeburger. Foto: Bernd Jaufmann
Das Augsburger Traditionsunternehmen Eberle hat einen Insolvenzantrag gestellt. Für mich ist das ein weiteres, schmerzhaftes Beispiel dafür, dass die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung nicht aufgeht und sie nötige Reformen verschläft.
Was 1836 als kleine Werkstatt in Augsburg begann, ist heute ein weltweit tätiges Unternehmen in der Stahlindustrie. Dieses Jahr feiert das Traditionsunternehmen eigentlich seinen 190. Geburtstag. Jetzt könnte es sein letzter sein. 250 Mitarbeitende in Augsburg sind betroffen.
Dabei ist Eberle eines der Unternehmen, das sich bewusst für den Standort Deutschland bzw. Augsburg entschieden hat: 2020 hatte Eberle seinen Stammsitz im Augsburger Stadtteil Pfersee verkauft. Im Frühjahr 2024 hatte sich Eberle für den Stadtteil Lechhausen entschieden. Nachdem das Unternehmen 24 Standorte geprüft hatte.
Doch schon ein halbes Jahr später kündigte Eberle an, bis zu 90 Stellen in Augsburg abzubauen. Grund: die steigende Kostenbelastung in Deutschland. Im Sommer 2025 war klar, dass Eberle den Umzug wegen seiner finanziellen Probleme um zwei Jahre auf 2029 verschieben muss.
Regierung verschläft Reformen
Die hohen Sozialabgaben und die viele Bürokratie in Deutschland haben dem Unternehmen schon länger zu schaffen gemacht. Als Gründe für die Insolvenz jetzt im Frühjahr 2026, nennt das Unternehmen die anhaltend schwierigen politischen Rahmenbedingungen. Konkret: geopolitische Konflikte, hohe Energiepreise, zurückhaltende Kunden und Unsicherheiten im internationalen Umfeld.
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Natürlich hat die Bundesregierung nur bedingten Einfluss auf Kriege wie gegen die Ukraine oder den Iran. Oder wie hoch die Zölle sind, die US-Präsident Trump erhebt. Aber die Bundesregierung macht es den Unternehmen durch ihr Handeln – oder eher ihr vielfaches Nicht-Handeln – zusätzlich schwer. Weil die Regierung nicht die Rahmenbedingungen verbessert, die sie selbst in der Hand hat.
Rufe aus der Wirtschaft altbekannt
Besonders schmerzhaft im Fall von Eberle ist: Eberle-Geschäftsführer Gernot Egretzberger hat immer wieder vor einem Industriesterben, vor allem in der Metall- und Elektroindustrie, gewarnt. Niedrigere Strompreise und Steuerabgaben gefordert. Auch in seiner Funktion als Vorsitzender der bayme vbm Region Schwaben.
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Dabei ist er nicht der Einzige. Die Rufe aus der Wirtschaft klingen in meinen Ohren inzwischen wie eine hängen gebliebene Schallplatte: zu hohe Kosten für Energie und Arbeitskräfte, schlechte Infrastruktur, zu viel Bürokratie. Immer wieder wiederholend, ohne dass sie erhört werden. „Die deutsche Wirtschaft hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, hatte IHK-Präsident Reinhold Braun Anfang des Jahres beim IHK-Neujahrsempfang bemerkt. Es fehle der Mut, unbequeme Entscheidungen zu treffen, über Parteien hinweg, unabhängig von der Zusammensetzung der Bundesregierungen.
Ich denke, er hat recht. Die Unternehmen können sich gerade schwer auf die deutsche Politik verlassen. Ihnen bleibt erst mal nichts weiter übrig, als ihrerseits die Dinge zu tun, die in ihrem Handlungsspielraum liegen. Und hoffen, dass es reicht.