Jedes zehnte Kind in Wuppertal hat Adipositas (Fettleibigkeit), jedes fünfte Kind weist Auffälligkeiten bei psychischen und/oder sozioemotionalen Kompetenzen auf. Das geht aus den Daten der Schuleingangsuntersuchung hervor und zeigt eindeutigen Handlungsbedarf. Den geht die Stadt nun gemeinsam mit der Alten Feuerwache an und startet das im Gesundheitsamt angesiedelte Projekt „Gesund aufwachsen in der Nordstadt.“

„Erst im letzten Jahr wurde die Abteilung ‚Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitsberichterstattung‘ neu gegründet, dieser Schwerpunkt ist also recht neu“, erklärt Julius Spiecker, der als Fachreferent dieser Abteilung für das Projekt zuständig ist. Wie aber kann man die Menschen – sowohl Kinder als auch Eltern – gut erreichen, um aufzuklären, zu helfen und im besten Fall Verbesserungen zu erzielen?

Eltern gehören ebenso wie Kinder und Jugendliche zur Zielgruppe

„Mit der Alten Feuerwache haben wir einen Akteur im Bereich der Nordstadt, der einen starken Quartiersbezug insbesondere zu Kindern und Jugendlichen hat“, so Spiecker. Vincent Utech leitet das Projekt vonseiten der Feuerwache: „Wir haben den Zugang, da wir Kinder und Jugendliche über lange Zeit begleiten, teilweise bereits vor der Geburt und dann bis zum 21. Lebensjahr. Auch die Eltern werden mit einbezogen. Deshalb haben wir das gemeinsame Projekt sehr begrüßt.“

Aufgebaut werden soll „Gesund aufwachsen in der Nordstadt“ auf drei Säulen: Ernährung und Ernährungskompetenz, Bewegung und als großes weiteres Thema die mentale Gesundheit. In den nächsten Wochen und Monaten soll hierzu an einem Runden Tisch mit lokalen Akteuren aus dem Quartier erarbeitet werden, welche Angebote es bereits gibt, wo welche Kompetenzen liegen und welche Synergien geschaffen werden können. „Wir wollen ein Netzwerk mit gesundheitsförderlichen Strukturen aufbauen“, erklärt Utech. Auch die Stadtverwaltung soll ressortübergreifend mit eingebunden werden. „Gesundheit hat viele Schnittpunkte: ein extremer Einfluss auf die Schule und Bildung; beim Thema Bewegung spielen Grünflächen in urbanen Quartieren eine besonders große Rolle. Das wollen wir alles in den Fokus nehmen“, ergänzt Spiecker.

Allgemein gehe es nicht darum, das Rad neu zu erfinden und ganz viele neue Maßnahmen zu entwickeln, sondern gemeinsam mit den bereits etablierten Stellen zu schauen, was es bereits gibt und wie diese Angebote verbessert werden können. „Ganz wichtig wird dabei auch die Einbindung der Eltern sein, die schließlich eine enorme Vorbildfunktion für ihre Kinder haben“, betont Utech. Das umfasse ganz klassische Fragen: Wie kann man gesundes Essen ohne große Kosten und Aufwand selbst kochen, was sind überhaupt gesunde Lebensmittel, welche Bedeutung hat Zahngesundheit? Aber auch wie wichtig der Faktor Bewegung ist und natürlich die Mediennutzung der Kinder.

Häufig sei es aber schwierig, die entsprechenden Zielgruppen zu erreichen, weshalb Utech die Wichtigkeit der lokalen Akteure noch einmal hervorhebt. „Wir wollen Angebote entwickeln, die passgenau auf die Lebenswirklichkeit dieser Zielgruppen abgestimmt sind, sie auch wirklich abholen“, erklärt er. Dabei sei es auch wichtig, dass in Interviews und Befragungen die konkreten Bedarfe abgefragt werden. „Wir wollen niemandem etwas aufzwängen, sondern vielmehr etwas nachhaltiges und effektives erarbeiten, sodass alle Beteiligten gestärkt aus dem Projekt hervorgehen können“, führt Utech weiter aus.

Gefördert wird das Projekt von der Techniker-Krankenkasse, die Bergische Universität Wuppertal wird „Gesund aufwachsen in der Nordstadt“ wissenschaftlich begleiten. Angelegt ist eine Laufzeit von drei Jahren, Ende 2028 ist nach bisherigem Stand Schluss. Bis dahin, so hoffen Spiecker und Utech, kann ein enges Netz aus vielen verschiedenen Beteiligten mit unterschiedlichen Schwerpunkten entstehen. Schon jetzt ist unter anderem klar, dass eng mit Soulspace, dem neuen Jugendzentrum für mentale Gesundheit in den Wiesenwerken, zusammengearbeitet werden soll. Auch Ärztinnen und Ärzte, Hebammen, Psychologinnen und Psychologen werden mit eingebunden.

„Wichtig sind dabei vor allem auch niedrigschwellige Angebote, beispielsweise ein Fachberatungscafé oder Yoga-Angebote für Kinder und Eltern auf dem Spielplatz“, sagt Utech.

Neben all den „offiziellen“ Partnern wird insbesondere der „Peer to Peer“-Ansatz gestärkt: „Wir hoffen, dass wir einzelne Menschen gewinnen können, die das Wissen und unser Anliegen dann in ihre Community weitertragen können – das Konzept zeigt erfolgreiche Ergebnisse“, so Spiecker.