Die Al-Nahyans sind die mächtigste Familie in den Arabischen Emiraten, die aus sieben Einzelstaaten bestehen. Oberhaupt ist Scheich Mohamed bin Zayed Al-Nahyan, der auch Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate ist. In den vergangenen 15 Jahren habe sich die Dynastie zu einem der größten Investoren in der weltweiten Landwirtschaft entwickelt, mit Firmen in Afrika, Südamerika und Europa, so die Recherchen.
Damit kontrollieren die Emirate insgesamt 960.000 Hektar Anbauflächen. Da die Emirate fast 90 Prozent ihrer Nahrungsmittel importieren müssen, haben sich die Scheichs offenbar massiv Anbauflächen in den Herkunftsländern gesichert.
Agricost, Rumäniens riesiger Landwirtschaftsbetrieb, wurde laut „Guardian“ 2018 von den Al Nahyans über Al-Dahra, einem Agrarkonzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, für geschätzte 230 Millionen Euro erworben. Al-Dahra wurde laut „Guardian“-Bericht vom Bruder des Präsidenten, Scheich Hamdan bin Zayed Al-Nahyan, gegründet, bevor der Staatsfonds von Abu Dhabi, ADQ, im Jahr 2020 50 Prozent des Unternehmens erwarb. Auch wenn der Staat offiziell Inhaber ist, übt die Herrscherfamilie laut Experten die Kontrolle weiter aus.
„Es gibt keine klare Grenze zwischen den Staatskassen und den Familienkassen“, sagte Marc Valeri, außerordentlicher Professor für politische Ökonomie des Nahen Ostens an der Universität Exeter. „Dies ist ein sehr autoritäres und repressives Regime, sodass der Unterschied zwischen Staatshaushalt und Familienhaushalt völlig verschwimmt.“
Dass die Vereinigten Arabischen Emirate EU-Subventionen erhalten, sei „ein Skandal, der sich vor aller Augen abspielt“, sagte Thomas Waitz, österreichischer Europaabgeordneter der Grünen und Koordinator der Fraktion im Landwirtschaftsausschuss. „99 Prozent der echten europäischen Landwirte erhalten weniger als 100.000 Euro an Subventionen. Dieses Geld war nie für Dynastien der fossilen Brennstoffindustrie gedacht, sondern soll die echten europäischen Landwirte stärken.“