Der Duft von Kakao liegt in der Luft, ein leises Surren ist zu hören. Bis zu 2000 Kilogramm flüssige Schokolade laufen pro Stunde über das Band der Maschine – in Form winziger Tropfen, säuberlich aneinandergereiht, alle exakt vier Millimeter groß und identisch geformt. Später landen sie als Zutat im Müsli, Keks oder Kuchenteig, klein und unauffällig – doch die Technik dahinter ist modern und aufwendig.
„Sollcodrop“ heißt das entsprechende System, das die Schokolade millimetergenau dosiert und in ihre finale Form bringt. Entwickelt hat es das Unternehmen Sollich mit Sitz in Bad Salzuflen. Dieses fertigt Anlagen für die weltweite Süßwarenindustrie und formt damit nicht nur Tropfen aus Schokolade, sondern auch Herzen, Plättchen oder Pralinen. Als einer von insgesamt 2800 Ausstellern ist das Unternehmen auf der Messe Interpack in Düsseldorf zu Gast. Noch bis zum 13. Mai zeigen dort Firmen aus 65 Ländern ihre neuen Produkte, Prozesse und Anlagen aus der Verpackungsbranche und der verwandten Prozessindustrie. Dabei im Fokus: eine möglichst effiziente und intelligente Fertigung, neue Materialien sowie Kompetenzen, die zukünftig auf dem Arbeitsmarkt der Branche wichtig sein werden.
KI und Nachhaltigkeit als wichtige Themen
Dazu zählt etwa das Thema Künstliche Intelligenz (KI), dem sich auch das Beratungsunternehmen ITQ widmet. In Zusammenarbeit mit dem Verein Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Hochschule Rhein-Waal entwickelte es gemeinsam mit Studierenden einen robotergesteuerten Süßigkeitenautomat. Mit seinem Greifarm und dem Glaskasten wirkt er auf den ersten Blick kaum spektakulär. Das zugrundeliegende System allerdings reagiert auf Sprache und erkennt den gewünschten Schokoriegel am Markennamen – egal ob Mars, Twix oder Snickers. Es lokalisiert das Objekt, berechnet die notwendigen Bewegungsabläufe und steuert den Roboterarm, der präzise danach greift und es in die Ablage fallen lässt. Dem Hersteller zufolge sei damit der gesamte Prozess automatisiert, also von der Auswahl bis zur Ausgabe.
Neben KI hat ITQ auch das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus genommen. Beim Projekt „CirQmind“ wirken ebenfalls wieder Studierende mit. Das Ziel: Kreislaufwirtschaft zu erklären und junge Menschen in die damit verbundenen Prozesse einzubinden. Im ersten Schritt helfen KI und Drohnen dabei den Studierenden beim Sammeln von Plastik, das sie danach zu Granulat recyceln. Daraus entsteht schließlich mithilfe des 3D-Druckers anschauliches Lehrmaterial. Wie, das demonstriert Fabian Bos von ITQ auf der „Interpack“ den Besuchern.
Boxen aus Textilfasern und kompostierbare Chipstüten
Nachhaltigkeit will auch das estnische Start-up Kiud (ausgesprochen: Kjut) beim Thema „Fast Fashion“ voranbringen – genauer gesagt den Abfall verringern, den die Herstellung kurzlebiger Mode zu niedrigen Preisen weltweit verursacht. Der Firmenname leitet sich vom estnischen Wort für Faser ab, und tatsächlich nutzt das Unternehmen Stoffreste, die beim Zuschnitt von Bettwäsche und Textilien wie T-Shirts anfallen. Bei einem T-Shirt seien das etwa 15 bis 20 Prozent des Materials, sagt Mitarbeiter Michael Vitz. Kiud will diese unökologischen Polyester-Reste zu wiederverwertbaren Verpackungsboxen verarbeiten, die robust und leicht abwaschbar sein sollen. Im Vergleich verursache das neuartige Verpackungsmaterial zudem bis zu 82 Prozent weniger CO₂ in der Herstellung als herkömmliche Pappe, heißt es vom Unternehmen.
Weniger Müll verursachen sollen auch die kompostierbaren Chipsverpackungen des Unternehmens Taghleef Industries. Vertriebsleiter Patrick Desies erklärt, dass hierfür aus Maisstärke erneuerbares Bio-Plastik gewonnen wird, als Alternative zu Plastik, das auf Erdöl basiert. Und auch Chemiekonzern BASF ist mit einem Stand und Produkten zum Thema Nachhaltigkeit vertreten: mit einer Flasche aus Papier, die recycelbar und dank einer speziellen Beschichtung auch lebensmitteltauglich ist. Damit soll sie sich sowohl für warme und kalte Getränke als auch Shampoo oder Reinigungsmittel eignen.