1. Startseite
  2. Verbraucher

DruckenTeilen

Uns auf Google folgen

Beim Verkehr in der Stadt sind in Zukunft unkonventionelle Lösungen gefragt. Eine könnte das elektrische Novus Bike sein. Wir konnten den Flitzer bereits fahren.

München – Elon Musk hätte gerne eine Novus gehabt. 2019 weckte ein erstmals gezeigter Prototyp des Zweirads auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas das Interesse des Tesla-Chefs. „Sein Büro rief bei mir an und wollte das Bike kaufen“, erzählt René Renger, der hinter diesem Projekt steckt. „Ich habe aber abgesagt, denn es gab damals nur dieses einzige Modell.“

Novus-ErfinderNovus-Erfinder René Renger (li.) zeigt Motorredakteur Volker Pfau stolz die ersten Exemplare des elektrischen Zweirads. © Novus

Das Interesse des Unternehmers war für den Erbauer jedoch wie eine Initialzündung. „Wenn Elon Musk was darin sieht, ist es mehr als Hobby-Projekt“, erzählt René Renger, der bis dahin seine Freizeit und seinen Urlaub für die Entwicklung geopfert hatte. Er kündigte seine sichere und gut dotierte Stelle als Designer bei Volkswagen, wo er unter anderem Golf, Polo und ID.BUZZ den optischen Feinschliff verpasst hatte, und widmete sich nun Vollzeit dem Projekt Novus Bike. Jetzt präsentierte das kleine Unternehmen die ersten verkaufsfertigen Kundenfahrzeuge, und wir durften zu einer exklusiven Proberunde aufsteigen. „Vor dir sind erst drei Menschen überhaupt mit einem Novus Bike gefahren“, verrät der CEO so nebenbei.

Vorsicht ist bei 400 Nm Drehmoment und 33 PS Leistung angebracht

Das Zweirad – laut seinen Erbauern eine Mischung aus dem Besten von E-Bike, Roller und Motorrad – ist sehr schlank und relativ hoch mit schmaler Sitzbank. Hat was von einer Enduro und soll helfen, das Zweirad im Stadtverkehr leichter zu manövrieren. Der maximal 33 PS starke Motor sowie der Antrieb sitzen im Hinterrad, unter der Sitzbank ist der 6,2-kWh-Akku platziert. Mittig ist ein Display für die wichtigsten Informationen angebracht, Schalter und Knöpfe für die üblichen Funktionen sitzen rechts und links an den Lenkerenden. Soweit also alles normal.

Novus BikeFlotter Flitz für die Stadt: Das Novus Bike vereint die Vorzüge von Motorrad, Roller und E-Bike. © NovusIn 1,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Ich möge sehr vorsichtig am Gasgriff drehen, betont René Renger, bevor es losgeht. Die Sorge ist nicht unberechtigt: 400 Nm beträgt das Drehmoment, in 1,9 Sekunden sind vom Stand 50 km/h erreicht und als Top-Geschwindigkeit gibt Novus 130 km/h für das gerade mal 115 Kilogramm schwere Bike an. Wir rollen also im Fahrmodus Eco los und schalten nach kurzer Gewöhnung in Base. Die Umsetzung des Befehls am Gasgriff erfolgt sehr direkt, richtig ab geht es dann im Modus Sport. Aber die beiden gut dosierbaren Bremsen, die rechts und links am Lenkerende sitzen, haben die Fuhre souverän im Griff. Dass die Rückspiegel unterhalb der Lenkerenden liegen, sei dem Design und dem Gesamteindruck geschuldet, sagt der ehemalige Designer. Man gewöhnt sich schnell daran.

Bei der Fahrt fällt auch auf, wie leicht sich das Novus-Bike manövrieren lässt. Das liegt am dank des günstig verbauten Akkus sehr tiefen Schwerpunkt sowie dem relativ breiten Lenker, der aufrechten Sitzposition und der schmalen, aber sehr harten Sitzbank. Für Langstrecken ist das Zweirad nicht konzipiert. An die Bedienung aller Systeme hat man sich mit etwas Motorraderfahrung schnell gewöhnt, auch daran, dass es keine Fußbremse gibt.

Im Stadtverkehr kommt das Novus Bike bis zu 150 Kilometer ohne Nachladen weit

Innerorts soll die Novus für rund 150 Kilometer Reichweite gut sein, außerorts dürfte nach rund 100 Kilometern Schluss sein. Geladen wird mit einem externen Ladegerät an der Haushaltssteckdose in zweieinhalb Stunden. Als Zubehör hat man derzeit unter anderem eine praktische Tasche im Angebot, die in das offene Dreieck des Rahmens unter dem Sitz passt. Gefahren werden darf das Zweirad nach Angaben der Hersteller mit den Führerscheinklassen B196, A1, A2 und A.

Novus Bike Ideal für die Stadt: Innerorts hat das Novus Bike eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern. © NovusZum Start gibt es eine exklusive Serie, die Billig-Version kommt später

Zum Start präsentiert der Hersteller erst einmal 100 Exemplare der Novus One Founders Edition. „Exklusiv und limitiert“, sagt René Renger, „wir wollen zeigen, was wir können.“ Das Modell wird in Braunschweig gebaut und strotzt vor edlen Bestandteilen, insbesondere Karbon, laut Renger „ein skulpturaler Werkstoff“. Das hat seinen Preis, der für die erste Serie bei gut 25.000 Euro startet. Günstigere Versionen soll es dann als Novus 2 geben. Dieser Zweisitzer soll deutlich günstiger sein und weniger als 15.000 Euro kosten. Volker Pfau