Zwei Museen auf einmal lassen sich jetzt im Eutiner Schloss besuchen. Denn die Kooperation von zwei der großen Museen Schleswig-Holsteins ermöglicht hier Einblicke, die es sonst nicht geben würde: Aus der Antikensammlung der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel werden rund 50 Exponate in dem Barockgebäude ausgestellt – mehrheitlich Götter- und Helden-Skulpturen.

Die Sonderausstellung, die am Freitag offiziell startet, ist eine Win-win-Situation: Das Eutiner Schloss kann wertvolle Einzelstücke zeigen und die Kieler Kunsthalle bleibt präsent – denn diese ist wegen einer Sanierung noch bis 2029 geschlossen.

„Es gibt so viele Bezüge im Schloss Eutin zur Antike“

„Die Ausstellung ist eine Chance, keine Zwischenlösung“, betont Kurator Dr. Benjamin Engels (Antikensammlung Kiel). Und wahrlich wird hier die Beletage nicht als Abstellplatz für Sammlungsgegenstände genutzt. Die Ausstellung wirkt ästhetisch, die Räume sind trotz mitunter schwergewichtiger Figuren nicht überladen.

„Wir zeigen hier wirklich wichtige Objekte“, betont Kurator Dr. Benjamin Engels (Antikensammlung Kiel).
Foto: Alexander Steenbeck

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Dass sich die Exponate harmonisch in die einstigen herzoglichen Gemächer einfügen, ist nicht verwunderlich, denn „es gibt so viele Bezüge im Schloss Eutin zur Antike“, erklärt Kuratorin Dr. Sophie Borges (Stiftung Schloss Eutin). Diese Epoche sei letztlich „Teil der DNA“ des Barockgebäudes.

„Es ist ein großer Gewinn, dass die Objekte nicht mehr im Lager liegen“

Diese direkten Bezüge macht die Ausstellung eindrucksvoll sichtbar – sei es im direkten Zusammenspiel von Gemälden und Skulpturen im Tischbein-Flur oder beim Vergleich von Wandbehang und Figuren in einem der einstigen Wohnräume.

Die Exponate aus der Sammlung der Kieler Kunstsammlung beleben die historischen Räume von Schloss Eutin auf besondere Weise – und umgekehrt kommen die Antiken in der Beletage besonders zur Geltung.
Foto: Alexander Steenbeck

Die Exponate aus der Sammlung der Kieler Kunstsammlung beleben die historischen Räume von Schloss Eutin auf besondere Weise – und umgekehrt kommen die Antiken in der Beletage besonders zur Geltung.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Rückblick: Jahresthema 2025 „Sommerresidenz“: Eutiner Schloss zeigt neue wertvolle Exponate und bietet zahlreiche Veranstaltungen

Interessantes Zusammenspiel: Einige Skulpturen könnten einst beispielsweise als Vorlage der großformatigen Gemälde in Schloss Eutin gedient haben. In der Ausstellung stehen Antiken und Bilder beieinander.
Foto: Alexander Steenbeck

Interessantes Zusammenspiel: Einige Skulpturen könnten einst beispielsweise als Vorlage der großformatigen Gemälde in Schloss Eutin gedient haben. In der Ausstellung stehen Antiken und Bilder beieinander.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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„Es ist ein großer Gewinn, dass die Objekte nicht mehr im Lager liegen“, konstatiert Engels. Und Borges ergänzt, dass durch die Exponate aus der Kieler Sammlung Besucher nun eine Vorstellung davon bekämen, wie einst ein voll ausgestattetes Schloss ausgesehen hat.

Antiken-Ausstellung setzt zwei Eutiner Originale besonders in Szene

Denn Antikes wie die Abgüsse des Torso Belvedere oder der Venus Medici schmückten über Jahrhunderte Schlösser und Paläste – so auch Schloss Eutin. Doch nur wenig von der einstigen Deko hat hier die Zeit überdauert. Zwei besondere Originale sind jedoch Hingucker der Ausstellung: zum einen die originale Flora – die Statue steht als Abguss im Schlossgarten – und zum anderen eine Büste des römischen Kaisers Cäsar.

Nicht nur aus hochwertigen Materialien waren die Skulpturen einst zur Bereicherung der eleganten Wohnkultur hergestellt. Aus dem Fundus des Eutiner Schlosses wird in der Ausstellung auch eine Büste aus Pappmaché gezeigt – im unrestaurierten Fundzustand, wodurch das Grundmaterial deutlich sichtbar ist.
Foto: Alexander Steenbeck

Nicht nur aus hochwertigen Materialien waren die Skulpturen einst zur Bereicherung der eleganten Wohnkultur hergestellt. Aus dem Fundus des Eutiner Schlosses wird in der Ausstellung auch eine Büste aus Pappmaché gezeigt – im unrestaurierten Fundzustand, wodurch das Grundmaterial deutlich sichtbar ist.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Und gerade dieses Eutiner Original ist faszinierend, da es im späten 18. Jahrhundert aus Pappmaché hergestellt und farblich als Bronze-Plastik kaschiert wurde. Aufgrund des unrestaurierten Depot-Zustands ist das papierene Grundmaterial deutlich zu sehen.

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Deutlich machen die rund 50 der gut 1200 Abgüsse großen Kieler Sammlung im Eutiner Schloss aber auch, dass die „Antike den Zeitgeschmack bis heute prägt“, sagt Borges. Viele Elemente und die Bildsprache würden bis heute genutzt – Bezüge zu Trump, Putin und Co. liegen nahe.

Wertvolle antike Originale wie diese Vasen und Gefäße sind ebenfalls Teil der Ausstellung im Eutiner Schloss.
Foto: Alexander Steenbeck

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Im Schloss steht jedoch die Ästhetik im Vordergrund. Die Skulpturen regen an, sich im Raum zu bewegen – und zu manch voyeuristischem Blick wie bei der Statue der Aphrodite. Die halbbekleidet dargestellte Göttin der Liebe und Schönheit ist von den Ausstellungsmachern gekonnt vor einem Spiegel platziert – so ist ihr entblößter Podex erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Die Skulpturen sind den Räumen von Schloss Eutin auf besondere Weise erlebbar – auch dank Spiegel in der Beletage des Museums.
Foto: Alexander Steenbeck

Die Skulpturen sind den Räumen von Schloss Eutin auf besondere Weise erlebbar – auch dank Spiegel in der Beletage des Museums.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Diesen und weitere Einblicke in die Welt der „Stehrümmchen“ des Adels aus vergangenen Zeiten erhalten Besucher nach der Eröffnung mit 90 eingeladenen Gästen am Donnerstagabend bis zum 1. November. Und wahrscheinlich noch darüber hinaus, denn die Kooperation von Antikensammlung und Schloss ist „als längeres Gastspiel geplant“, sagt Engels. Da beide Institutionen von der Möglichkeit, die Abgüsse historischer Skulpturen präsentieren zu können, angetan sind, seien weitere Ausstellungen bereits in Planung, so Borges.

Eutiner Antiken-Ausstellung bietet auch Begleitprogramm

Schon in naher Zukunft startet hingegen das Begleitprogramm – so unter anderem am Donnerstag, 21. Mai, mit einer Kuratoren-Führung. Sophie Borges erläutert bei dem Rundgang ab 14 Uhr ihre persönlichen Highlights der Sonderausstellung. Die Teilnahme kostet vier Euro plus Eintritt (zehn Euro).