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Drei Meter Abstand im All: Russlands KOSMOS-Satelliten vollführten ein Manöver, das Experten als hochentwickelt einstufen – und das Fragen aufwirft.
Exton – Nur drei Meter – so nah kamen sich Ende April zwei russische Satelliten im Erdorbit. Beide rasen mit rund 28.000 Kilometern pro Stunde durchs All, schneller als jedes Flugzeug. Doch zueinander standen KOSMOS 2581 und KOSMOS 2583 praktisch still. Dieses Präzisionsmanöver lässt selbst Experten für Weltraumüberwachung aufhorchen. Was auf den ersten Blick wie eine technische Meisterleistung aussieht, wirft eine brisante Frage auf: Was testet Russland da oben?
Satelliten verfolgen sich im Erdorbit. (Künstlerische Darstellung) © KI-generiert
COMSPOC, ein in den USA ansässiges Unternehmen, das sich mit der Überwachung der Weltraumlage befasst, meldete den Vorfall von Ende April 2026 auf der Plattform X. Statt fand er in der erdnahen Umlaufbahn (LEO), beteiligt waren neben den Satelliten KOSMOS 2581 und 2583 auch noch der Satellit 2582 sowie ein von 2583 freigesetzter Subsatellit, genannt „Objekt F“. Die Radarverfolgungsdaten stammen von LeoLabs und wurden durch COMSPOC ausgewertet, wie das Team Anfang Mai auf X mitteilte.
Russische Satelliten nähern sich im Erdorbit auf drei Meter an – das ist kein Zufall
Der Höhepunkt des Ereignisses in der niedrigen Erdumlaufbahn: KOSMOS 2581 und 2583 erreichten zwischenzeitlich eine minimale Annäherung von rund drei Metern – und das war kein Zufall. „KOSMOS 2583 führte mehrere Feinmanöver durch, um diese enge Konfiguration aufrechtzuerhalten“, heißt es in dem Tweet. Gleichzeitig hielt sich KOSMOS 2582 in weniger als 100 Kilometern Entfernung zur Formation auf. „Objekt F“ passierte 2582 in 15 Kilometern und 2581 in zehn Kilometern Abstand – ohne selbst zu manövrieren.
Solche Präzisionsmanöver im Weltraum sind extrem anspruchsvoll. Satelliten bewegen sich mit mehreren Kilometern pro Sekunde. Winzige Kursänderungen können bei diesen Geschwindigkeiten fatale Folgen haben. Eine Annäherung auf drei Meter bei nahezu identischer Geschwindigkeit erfordert hochentwickelte Steuerungstechnologie, präzise Bahnberechnung und Echtzeitkommunikation.
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Fotostrecke ansehenRPO-Technologien im Erdorbit können zivil und militärisch genutzt werden
Die drei KOSMOS-Satelliten wurden im Februar 2025 gestartet und führen laut COMSPOC seitdem wiederholt sogenannte RPO-Manöver durch – gemeint sind damit „Rendezvous and Proximity Operations“, also Annäherungs- und Nahbereichsoperationen. „Von Ende 2025 bis jetzt verfolgten wir, wie dieselben KOSMOS-Satelliten 3-Objekt-RPO durchführten“, schreibt das Team auf X. Die Schlussfolgerung: „Was auch immer Russland testet, es ist hoch entwickelt.“
Doch wofür werden diese Fähigkeiten entwickelt? RPO-Technologien können zivil genutzt werden – etwa zur Wartung und Reparatur von Satelliten, zum Auftanken im Orbit oder zur Beseitigung von Weltraumschrott. Doch dieselben Techniken ermöglichen auch militärische Anwendungen: das Inspizieren, Stören oder Ausschalten gegnerischer Satelliten. Russland hat bisher keine offizielle Erklärung zum Zweck der KOSMOS-Missionen abgegeben.
KOSMOS-Satelliten aus Russland stehen immer wieder unter Verdacht
Es ist nicht das erste Mal, dass ein KOSMOS-Satellit aus Russland für Aufsehen im Weltall sorgt. Auch um KOSMOS 2499 gab es viel Aufregung, denn Fachleute spekulierten, ob er andere Raumfahrzeuge „jagen“ und möglicherweise sogar deaktivieren kann. Später zerbrach der Satellit im Erdorbit und sorgte für zahlreiche neue Weltraumschrott-Objekte.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet solche Satelliten-Manöver mit wachsender Aufmerksamkeit. Organisationen wie COMSPOC und LeoLabs tragen zur sogenannten „Space Domain Awareness“ bei – der Überwachung und Analyse von Objekten und Aktivitäten im Weltraum. In einer Zeit, in der Satelliten für Kommunikation, Navigation und militärische Aufklärung unverzichtbar sind, wird die Frage, wer was im Orbit tut, immer wichtiger.
Russlands Satelliten-Choreografie bleibt vorerst ein Rätsel. Doch die Präzision, mit der sie durchgeführt wird, zeigt: Im All wird nicht nur beobachtet – es wird geübt. Und das gilt auch für andere Nationen: Sowohl amerikanische als auch chinesische Satelliten wurden schon dabei beobachtet, wie sie Satelliten anderer Nationen überprüften, schreibt Space.com. (Quellen: COMSPOC auf X, Space.com) (tab)