Die Sächsische Mozart-Gesellschaft würdigt die Pianistin Ragna Schirmer für ihre besondere künstlerische Haltung und ihren Blick auf die Musikgeschichte. Die Auszeichnung wird am Freitag verliehen – mit einem Programm, das Mozart in einen weiteren musikalischen Kontext stellt.

Mozartpreis für virtuoses Spiel und feines Gespür

Zur Begründung für die Preisvergabe teilte die Mozart-Gesellschaft mit, Schirmers Klavierspiel sei geprägt von hochdifferenziertem Anschlag, Virtuosität und feinem Gespür für Instrument, Raum und Augenblick. Mit ihrer Musik wolle sie Menschen einen Raum der Begegnung eröffnen.

Schirmer sagte dem MDR, der Sächsische Mozartpreis sei für sie eine besondere Anerkennung: „Ich freue mich natürlich ganz, ganz besonders und bin sehr dankbar.“ Mozart begleite sie schon immer, weil „dieser Komponist für mich etwas sehr, sehr Besonderes ist.“

Schirmer: Musizieren ist Auflebenlassen eines Künstlerlebens

Die Mozart-Gesellschaft teilte weiter mit, Schirmers künstlerische Arbeit sei geprägt von einem liebevoll kritischen Blick auf die Musikgeschichte. Ihr Interesse gelte nicht allein den bekannten Werken, sondern auch den Schöpfern dahinter. Diese Haltung zeige sich etwa in ihren Programmen rund um die Komponistin und Pianistin Clara Schumann, deren Leben und künstlerisches Umfeld Schirmer erforsche.

Ich erschaffe keine Werke, sondern ich gebe die Werke wieder, die andere erschaffen haben.

Ragna Schirmer zu ihrem Konzept als Interpretin

Im MDR-Interview verglich Schirmer ihren Ansatz mit dem Wirken Clara Schumanns: Auch sie selbst sei in erster Linie Interpretin. „Das heißt, ich erschaffe keine Werke, sondern ich gebe die Werke wieder, die andere erschaffen haben und setze mich damit künstlerisch auseinander.“ In dem Dilemma habe sich auch Clara Schumann befunden, „dass sie genau wusste, dass nach ihrem Tod andere dann interpretieren werden.“

Gerade die historische Verortung von Musik und Musikerpersönlichkeiten spielt für Schirmer daher eine zentrale Rolle. Ihre Projekte zielen darauf, Künstlerleben nachvollziehbar zu machen und Musik in ihren zeitlichen Zusammenhängen erfahrbar werden zu lassen. „Es ist wie ein Nochmal-Auflebenlassen eines Künstlerlebens“, sagte Schirmer über ihre Arbeit mit originalen Programmen, Orten und Instrumenten.

Preisverleihung bei Mozartfest in Chemnitz

Der Sächsische Mozartpreis wird Ragna Schirmer im Rahmen des Eröffnungskonzerts des 35. Sächsischen Mozartfestes am Freitag (8. Mai) in der Kreuzkirche Chemnitz verliehen. Die Laudatio hält Evelyn Meining, Intendantin des Mozartfestes Würzburg. Das musikalische Programm besteht neben einem Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart auch aus Werken von Clara Schumann, der britischen Komponistin Lucy Armstrong sowie von Franz Xaver Mozart, dem jüngsten Sohn von Wolfgang Amadeus.

Der seit 2002 jährlich verliehene Sächsische Mozartpreis ist mit 7.500 Euro dotiert. Mit ihm werden herausragende Leistungen in Interpretation, Forschung und Vermittlung der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts ausgezeichnet. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen Andreas Staier, Midori Seiler, das Jugendsymphonieorchester der Ukraine mit Oksana Lyniv und Klaus Mertens.