Am 7. Mai versammelten sich in Gelsenkirchen-Buer hunderte Menschen, um für mehr „Gerechtigkeit und Transparenz“ zu demonstrieren. Ende des letzten Jahres wurden rund 3.000 Schließfächer bei einem Einbruch der dortigen Sparkassen-Filiale geplündert. Seitdem haben viele Schließfach-Besitzer Existenzängste und fühlen sich von dem Geldinstitut und den Behörden im Stich gelassen.

Unter ihnen ist auch Aysun B., die zweifache Mutter ist mit weiteren Betroffenen gekommen und hat ihre Forderung auf einem Schild klar formuliert: „Entschädigung jetzt!“. Im Gespräch mit DER WESTEN kann sie ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten.

📌Alle Infos zur Sparkassen-Demo in Gelsenkirchen

  • Die Demo wurde in einer Whatsapp-Gruppe von mehreren Betroffenen organisiert.
  • Laut Polizei waren 500-1000 Teilnehmer angemeldet, anwesend waren am Ende rund 500 Menschen.
  • Viele Betroffene fordern von der Sparkasse Schadensersatz, sowie den Rücktritt des Vorstand-Vorsitzenden Michael Klotz.
  • Ab dem 11. Juni beschäftigt sich das Essener Landgericht mit dem Sparkasseneinbruch. Zwei Betroffene fordern Schadensersatz.

Betroffene war im Urlaub, als es passierte

Als es zum Sparkassen-Einbruch kam, war Aysun B. mit ihrer Familie überhaupt nicht in Gelsenkirchen. „Wir waren im Winterurlaub in der Türkei und ich habe von dem Einbruch über Instagram erfahren. Ich habe zunächst gar nicht gedacht, dass das unsere Schließfächer seien, sondern irgendwelche Automaten“, erzählt sie uns.

Aysun B. hält bei der Sparkassen-Demo ein Schild hoch.Aysun B. ist eine von vielen Hundert Geschädigten des Sparkassen-Einbruchs in Gelsenkirchen. Foto: Chaleen Goehrke/ DER WESTEN

Erst als der Bruder ihres Mannes angerufen habe, sei ihr der Ernst der Lage bewusst geworden. Sofort habe die Familie den Urlaub abgebrochen und den nächsten Flieger nach Hause genommen. „Ich musste selber die Hotline anrufen, um zu erfahren, ob ich betroffen bin. Die Sparkasse hat sich von selbst nicht gemeldet“, fasst sie weiter zusammen.

Erbstücke für die Kinder einfach weg

„Unsere ganze Existenz steckte in den Schließfächern. Ich habe Kinder …“, führt sie weiter aus, als ihr gerade die Tränen kommen. Die zweifache Mutter muss sich sammeln, die letzten Wochen und Monate waren einfach zu viel. Besonders quälen würde sie die Ungewissheit. In dem Schließfach hätten sich Wertgegenstände von hohem persönlichen Wert befunden, wie Namensketten, die sie zur Geburt ihrer Kinder bekommen hätte. Aber das ist noch nicht alles.

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„Es geht um Erbstücke von meinen Eltern, meinen Schwiegereltern und meiner Oma, die ich zur Hochzeit bekommen habe. Alles Sachen, die ich meinen Kindern weitervererben wollte – das tut mir am meisten weh“, so die 38-Jährige. Besonders enttäuscht sei sie von der Sparkasse, da sie bis heute nichts gehört hätte. Inzwischen hat Aysun B. eine Anwältin eingeschaltet, in der Hoffnung auf Schadensersatz.

Ihr größter Wunsch: „Ich möchte von der Sparkasse eine Entschädigung. Die sollen sich einfach mit uns hinsetzen und darüber reden, wie wir weiterkommen können.“ Um sich Gehör zu verschaffen, zog sie zusammen mit hundert weiteren Leidensgenossen bis vor die Filiale und rief: „Wir sind Opfer, keine Täter!“

Alle Einzelheiten zur Demo, kannst du in unserem Live-Ticker nachlesen.