Früh in Überzahl 

SC Freiburg zieht ins Europa-League-Finale – Champions-League-Platz futsch

©IMAGO

Nach einem weiteren magischen Fußball-Abend inklusive Roter Karte, Doppelpack und Traumtor steht der SC Freiburg erstmals in einem internationalen Finale. Die Badener bezwangen den SC Braga im Halbfinal-Rückspiel der Europa League mit 3:1 (2:0) und drehten so den 1:2-Rückstand aus dem unglücklich verlorenen ersten Duell vor einer Woche. Das Endspiel am 20. Mai in Istanbul wird für den SC die größte Partie der Klubhistorie. Gegner wird Aston Villa.

Doppeltorschütze Lukas Kübler (19./72. Minute) und Shootingstar Johan Manzambi (41.) trafen vor 33.700 Zuschauern für Freiburg. Bei den Gästen sah Mario Dorgeles wegen einer Notbremse schon in der siebten Minute Rot. Der Treffer von Pau Víctor (79.) kam für die Portugiesen zu spät.

Es brodelte im Breisgau. Von der ersten Minute an peitschten die SC-Fans ihr Team lautstark nach vorn. Und die Gastgeber, die in der Anfangsphase jeden Zweikampf suchten, erwischten durch den Platzverweis einen perfekten Start. Niklas Beste stürmte frei auf Bragas Keeper Lukas Hornicek zu und wurde von Dorgeles zu Fall gebracht. Schiedsrichter Davide Massa aus Italien zeigte dem Offensivmann, der die Freiburger mit seinem Siegtor in der Nachspielzeit vor einer Woche noch geschockt hatte, umgehend und zu Recht die Rote Karte.

Kübler trifft für den SC Freiburg kurios, Manzambi traumhaft

Braga musste also mehr als 80 Minuten in Unterzahl auskommen – und das gegen den heimstarken Sport-Club, der seine Europa-League-Spiele im eigenen Stadion in dieser Saison allesamt gewonnen hat. Die Badener drängten die Portugiesen weitgehend hinten rein, hatten mehr als 70 Prozent Ballbesitz und beim Führungstreffer dann auch das Glück auf ihrer Seite.

Nach einer zu kurzen Kopfballabwehr der Gäste flipperte Kübler die Kugel irgendwie an den linken Innenpfosten, von wo aus sie zum 1:0 ins Netz rollte. In der Folge ließ der Tabellenvierte der portugiesischen Liga erst mal keine weiteren Freiburger Großchancen zu, musste aber viel hinterherlaufen. SC-Trainer Julian Schuster wies seine Spieler mehrfach an, die Ruhe zu bewahren.

Fünf Minuten vor dem Seitenwechsel stach der Bundesliga-Siebte dann doch noch mal zu – und wie. Mittelfeldjuwel Manzambi, diesmal statt des verletzten Yuito Suzuki auf der Spielmacher-Position, traf per Schlenzer aus 20 Metern. Braga reagierte auf den Rückschlag und hätte kurz vor der Pause fast noch verkürzt: Víctor Gómez traf aber nur den Pfosten, beim Nachschuss von Rodrigo Zalazar rettete SC-Verteidiger Philipp Treu (45.+1).

Als wäre Bragas Doppelchance noch mal eine Warnung gewesen, drängten die Freiburger zu Beginn des zweiten Durchgangs auf die Entscheidung. Vincenzo Grifo mit einem Schuss an den Pfosten (47.), Abwehrchef Matthias Ginter (49.) und der umtriebige Manzambi (52.) vergaben Möglichkeiten im Minutentakt. Auch die Gäste wurden anschließend wieder offensiver, nun gab es Chancen auf beiden Seiten. Routinier João Moutinho verzog nur ganz knapp (69.), dann parierte Gästetorwart Hornicek gleich zweimal stark (70.).

Nachdem Außenverteidiger Kübler per Kopf auf 3:0 gestellt hatte, schien die Partie zugunsten der Freiburger entschieden. Victor – ebenfalls per Kopf – machte es noch mal spannend. Braga warf in der Schlussphase alles nach vorn. Anders als beim Drama gegen den VfB Stuttgart im DFB-Pokal vor zwei Wochen platzte Freiburgs Finaltraum diesmal aber nicht.

Aston Villa schießt Nottingham ab und zieht ins Europa-League-Finale

Auch im anderen Halbfinal-Rückspiel wurde das englische Duell noch gedreht. Aston Villa bezwang Nottingham Forest nach dem 0:1 im Hinspiel deutlich mit 4:0 (1:0). Ollie Watkins (36.) brachte den Klub aus Birmingham in der ersten Halbzeit in Führung, nach der Pause erhöhte der Ex-Leverkusener Emiliano Buendía (58.) per Elfmeter. John McGinn (77./80.) machte kurz vor Schluss mit einem Doppelpack alles klar.

Zusätzlicher Champions-League-Platz geht an Spanien

Trotz des Finaleinzugs der Freiburger hat Deutschland jedoch keine Möglichkeit mehr, den zusätzlichen Champions-League-Startplatz über das UEFA-Ranking zu erreichen. Da Rayo Vallecano in der Conference League am Donnerstag auch das Rückspiel beim RC Straßburg Alsace mit 1:0 (1:0) gewann, ist der Vorsprung Spaniens zu groß. Der UEFA-Koeffizient für LaLiga wuchs durch den Erfolg der Franjirrojos auf 22,093 an. Würde Freiburg das Europa-League-Endspiel gewinnen, käme die Bundesliga maximal auf 22,071.

Worum geht es genau? Die UEFA vergibt jede Saison zwei zusätzliche Startplätze in der Champions League an die beiden Länder, deren Vereine im Europacup am besten punkten. Das UEFA-Ranking errechnet sich aus den Leistungen aller teilnehmenden Teams. Mit einem Sieg – egal in welchem Wettbewerb – sammelt ein Klub zwei Punkte, mit einem Remis einen. In der Qualifikation und den Playoffs halbiert sich diese Zahl. Ab der Ligaphase gibt es für bestimmte Platzierungen und das Erreichen weiterer Runden Bonuspunkte. Die Gesamtpunkte einer Nation werden durch die Zahl der Vereine geteilt, die aus diesem Land im Europokal vertreten sind. So ergibt sich der UEFA-Koeffizient.

Unangefochtener Spitzenreiter in dieser Saison ist wieder England mit 28,125 Punkten. Die Premier League hatte eines der begehrten zwei Champions-League-Tickets schon vor den Halbfinals sicher. Die Breisgauer könnten jedoch noch für einen fünften deutschen Teilnehmer in der Königsklasse sorgen. Mit dem Titelgewinn würden sie einen Platz in der Champions League bekommen. Würde sich der Sport-Club in dem Fall über die Bundesliga auch für den Europacup qualifizieren, würde dieser Startplatz wegfallen und an eine andere Nation gehen. Würde Freiburg Platz sieben verpassen, würde sich die Zahl der Europacup-Teilnehmer hingegen auf acht erhöhen.

Vier Jahre nach Eintracht-Titel: Glasner im nächsten Finale

Auf Rayo Vallecano, das durch einen Treffer von Torjäger Alemão (42.) gewann, wartet im Finale der Conference League der Top-Favorit Crystal Palace. Die Engländer gewannen nach dem 3:1-Hinspielerfolg am Abend auch das Rückspiel gegen Shakhtar Donetsk mit 2:1 (1:1). Das Endspiel steigt am 27. Mai in Leipzig.

Für die Treffer der Londoner sorgten ein Eigentor von Pedro Henrique (25.) und Ismaïla Sarr (52.). Eguinaldo (34.) erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich. Trainer Oliver Glasner greift zum Abschied mit den Eagles nun nach der nächsten internationalen Trophäe.

Glasner könnte vier Jahre nach dem Europa-League-Titel mit Eintracht Frankfurt erneut einen internationalen Wettbewerb gewinnen. Der 51 Jahre alte Österreicher ist 2024 auf die britische Insel gewechselt und hat im vergangenen Jahr überraschend den FA Cup gewonnen. Bei einem Titelgewinn in der Conference League geht es direkt in die Europa League. Über die Liga ist das nicht mehr möglich. Crystal Palace belegt in der Premier League derzeit Rang 15 mit 43 Punkten. Am Saisonende wird der Österreicher die Eagles verlassen.

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