Drohungen gegen Familie
Amokfahrer von Leipzig kündigte Tat wohl vorher an
08.05.2026 – 02:45 UhrLesedauer: 2 Min.
Das stark beschädigte Auto des Amokfahrers wird in Leipzig von einem Abschleppfahrzeug geborgen. (Quelle: Sebastian Willnow)
Der mutmaßliche Amokfahrer von Leipzig hatte offenbar schon im April Hinweise auf seine geplante Tat gegeben. Das legen Chats nahe.
Bereits Wochen vor der Amokfahrt in Leipzig soll der Tatverdächtige Jeffrey K. seine Tat angekündigt haben. Wie die „Zeit“ berichtet, schrieb der 33-Jährige seiner Ehefrau im April per Chatnachricht, es sei „lange kein Auto mehr in eine Menschenmenge gefahren“. Die Polizei Leipzig bestätigte auf Anfrage der Zeitung, dass die Nachricht vorliege – sie sei jedoch erst am Abend der Tat im Zuge der Ermittlungen aufgetaucht.
Jeffrey K. und seine Frau lebten zu diesem Zeitpunkt bereits getrennt. Laut „Zeit“-Recherchen hatte sich die Ehefrau bereits im März an das Jugendamt gewandt. Im April erstattete sie zudem mehrere Anzeigen gegen ihren Mann – wegen Bedrohung, Verleumdung und Beleidigung. Mindestens einmal soll er gedroht haben, andere Familienmitglieder zu töten.
Mehrere mit den Ermittlungen vertraute Personen sagten der „Zeit“, Jeffrey K. leide an einer Psychose und habe selbst davon gesprochen, wahnhafte Stimmen zu hören. Kurz nach dem Versenden der Chatnachricht begab er sich am 17. April freiwillig in eine psychiatrische Klinik. Am 29. April verließ er diese wieder – noch am selben Abend kam es laut „Zeit“ zu einem weiteren Polizeieinsatz bei der Ehefrau und dem gemeinsamen Kind.
Weitere Konsequenzen blieben aus. Außer einem Hinweis an das Gesundheitsamt seien bis zur Tat keine Maßnahmen ergriffen worden. Die Polizei Leipzig kündigte an, den „ganzen Einsatzverlauf“ aufzuarbeiten – bislang lägen jedoch keine Hinweise auf Versäumnisse vor.
Bei der Amokfahrt am Montagnachmittag starben eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann. Sechs weitere Menschen im Alter von 21 bis 87 Jahren wurden verletzt, zwei davon schwer. Alle Verletzten befinden sich inzwischen außer Lebensgefahr.
Das Motiv des Mannes ist weiterhin unklar. Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund gibt es den Ermittlern zufolge nicht. Jeffrey K. wurde inzwischen in eine psychiatrische Einrichtung gebracht.
