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Der Kreml steht unter Strom: Ein europäischer Geheimdienst beschreibt, wie das Vertrauen in Putins innerem Zirkel gefährlich ins Wanken gerät.
Moskau – Wähnt sich Wladimir Putin in Gefahr? Der russische Machthaber soll sich laut einem Geheimdienstbericht eines EU-Mitgliedsstaates seit Kriegsbeginn 2022 aus seinen üblichen Residenzen in der Moskauer Region und in Waldai zurückgezogen haben. Er soll seitdem ausgebaute Schutzanlagen im Süden Russlands nutzen, besonders im Raum Krasnodar. Seit Anfang 2026 hat die Sicherheitslage dabei eine neue Qualität erreicht: Der russische Staatsrundfunk soll vorproduzierte Aufnahmen ausstrahlen, Mitarbeiter in unmittelbarer Nähe des Präsidenten müssen auf Handy und Internetzugang verzichten. Selbst Köche, Fotografen und Sicherheitspersonal haben Überwachungskameras in ihren Wohnungen installiert bekommen.
Wladimir Putin beim russisch-belarussischen Militärmanöver „Sapad 2021“. (Archivbild) © Sergei Savostyanov/dpa
Das Dokument – ausgewertet von iStories, CNN und der Financial Times – beschreibt einen Kreml im Ausnahmezustand. Den Berichten zufolge fürchtet Putin vor allem eines: Drohnenanschläge – nicht nur aus der Ukraine, sondern aus den eigenen Reihen.
Schoigus Vertrauter verhaftet: Wieso das für Putin alles verändern könnte
Der Auslöser für die aktuelle Nervosität im Kreml ist konkret: Am 5. März 2026 wurde Ruslan Tsalikov verhaftet, langjähriger Erster Stellvertreter von Ex-Verteidigungsminister Sergej Schoigu und dessen engster Vertrauter. Der russische Ermittlungsausschuss wirft ihm Korruption, Geldwäsche und Bestechung vor.
Der Geheimdienstbericht wertet Tsalikovs Festnahme als Signal, dass die stillen Abmachungen zwischen Putin und seiner Elite nicht mehr gelten. iStories-Gründer Roman Anin, der die Echtheit des Dokuments bestätigt, bringt es auf den Punkt: „Wenn ich weiß, dass ich nicht mehr geschützt bin, dann versteht das jeder andere auch.“
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten
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Schoigu selbst – seit Mai 2024 Sekretär des Sicherheitsrates – wird in dem Bericht als möglicher destabilisierender Faktor geführt. Sein Clan sei durch Milliarden und gegenseitige Verstrickungen zusammengehalten. Anin argumentiert, Tsalikovs Verhaftung könnte diese Logik nun kippen.
Experte dämpft Spekulationen – Schogius’ Netzwerk „plattgewalzt“
Meduza-Politikanalyst Andrey Pertsev bremst die dramatischsten Schlussfolgerungen. Schoigus Netzwerk sei längst „plattgewalzt“, seine Leute hätten nie militärische Kommandostrukturen kontrolliert, sondern vor allem Finanzflüsse im Verteidigungsministerium. „Wen hat er noch in der Armee? Das ist mir ein echtes Rätsel“, sagt Pertsev.
Auch die Bunker-These hält Pertsev für fragwürdig: Putins öffentlicher Terminkalender der vergangenen Wochen – mit mehreren Veranstaltungen pro Woche vor teils Hunderten Teilnehmern – passe nicht zum Bild eines Präsidenten im Untergrund.
Über den Zeitpunkt der Veröffentlichung, wenige Tage vor Moskaus Siegesparade am 9. Mai, lässt Pertsev keinen Zweifel: Der Bericht sei eine bewusste Botschaft des Westens an den Kreml. „Sie sagen ihm: Dein Thron wackelt. Du weißt warum. Hör auf zu kämpfen.“ Anin wiederum räumt ein, dass die europäische Geheimdienstquelle mit der Veröffentlichung wohl eine Absicht verfolgt – auch wenn er zunächst betonte, es handle sich um Fakten, nicht um Signale. (Quellen: iStories, Meduza, CNN) (csgc)