Fortuna Düsseldorf. F95. 18fümmenneunzich – drei Namen, ein Ding: der Fußball-Klub der Landeshauptstadt, meiner Heimatstadt. Bekannt, geliebt, verehrt, ignoriert, unverstanden und rätselhaft. Neutral ausgedrückt: kompliziert, man könnte sagen kapriziös. Was die Frage auslöst: Auf welchem Weg nähert man sich diesem Konstrukt, um zu beschreiben, wie man es wahrnimmt? Vor allem als jemand, dem das Wort „Fan“ grundsätzlich suspekt ist, der den Klub lediglich mit kühlem Interesse und ohne Gefühl als Teil der Stadt betrachtet? Unbelastet von dieser für viele so schweren Beziehungskiste.

Vielleicht kann KI helfen. ChatGPT, emotional ebenfalls unberührt, kommt zu diesem Ergebnis: „Fortuna ist so etwas wie ein Stehaufmännchen im deutschen Fußball: strukturell anfällig für Krisen, aber mit genug Substanz, um nicht dauerhaft unten zu bleiben. Anders gesagt: Sie fallen tief – aber selten endgültig.“ Das sagt der virtuelle Klugscheißer. Tröstlich, oder?

1981 gibt es für mich den ersten Kontakt. Beim neuen Job als junger Redakteur der Rheinischen Post in Düsseldorf kommt man an Fortuna nicht vorbei. Überrascht erlebe ich die Emotionen bei den Menschen. Die Tochter eines Kollegen, ein Teenager, ist glühende Verehrerin, fiebert mit, trauert bei Niederlagen, jubelt bei Siegen. Eine neue Erfahrung für mich: Bis dato kannte ich keine weiblichen Fußballbegeisterten, schon gar nicht so junge.

Fahrstuhl-Mannschaft
Es folgen die Monate und Jahre voller Auf- und Abstiege. Ich lerne, dass es für Vereine mit solchem Schicksal einen Namen gibt: Fahrstuhl-Mannschaft, immer rauf und runter. Gemeint sind damit meistens Bielefeld oder Bochum. Bei den Düsseldorfern ist es ähnlich: Nach meinem Eindruck dauernd zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Aber in welcher Liga auf welchem Platz F95 steht – es tangiert mich trotzdem nur am Rande. Zumal ich in diesen Zeiten das Punktesystem der Ligen nicht verstehe und nicht verstehen will.

Plötzlich höre ich erstmals zwei Namen: Thomas und Klaus Allofs. Offenbar Top-Spieler, große Hoffnungen ruhen auf den Brüdern. Mir fallen sie aber nur auf, weil ein früherer Oberbürgermeister Düsseldorfs, Josef Kürten, plötzlich seinen Austritt aus dem Verein verkündet, weil dieser einen der beiden – ich glaube, es war Klaus – verkauft. Das, so unken einige als Experten auftretende Menschen bis heute, war der Beginn des Niedergangs. Andere, und das ist typisch für diese Diskussion, widersprechen vehement. 40 Jahre ist das her.