Das Königsträßle zwischen Degerloch und Birkach ist gerade einmal 2,5 Kilometer lang. Dennoch hat sich die Verbindung zwischen der Jahnstraße am Sportpark auf der Waldau bis zum Ortseingang von Schönberg zum Politikum entwickelt. Bereits seit sechs Jahren wird um die Einrichtung einer Fahrradstraße durch den Wald diskutiert. Der Streit entzündet vor allem an der vorgeschriebenen Geschwindigkeit. Die Fahrradlobby macht sich für Tempo 30 stark, Autofahrer wollen Tempo 40 beibehalten. Nun schlägt die Verwaltung einen Kompromiss vor.

Die Geschichte des Königsträßle sei etwas besonderes, hatte sich OB Frank Nopper vor der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Technik im Gemeinderat gründlich vorbereitet. Die Geschichte reiche bis ins Jahr 1963 zurück, als aufgrund des schlechten Zustandes die erlaubte Geschwindigkeit von 100 auf 60 Stundenkilometer gesenkt wurde, seit 2010 gilt Tempo 40 auf dem mehr als 1,5 Kilometer langen Bereich außerorts. An Sonn- und Feiertagen gilt ein Fahrverbot.

Tempo 30 auf der Waldau, Tempo 40 im Wald

Um dem zähen Ringen endlich ein Ende zu machen, schlägt die Stadtverwaltung nun einen Kompromiss vor, bei dem das Königsträßle in zwei Abschnitte unterteilt wird. Im innerörtlichen, knapp einen Kilometer langen Bereich in Degerloch von der Jahnstraße bis zum Haus des Waldes würde nach wie vor eine Fahrradstraße realisiert. Dort wären die Radfahrer bevorrechtigt, Autofahrer aber erlaubt. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 Stundenkilometer. Allerdings soll auf dem außerstädtischen Bereich für Autofahrer weiter Tempo 40 erlaubt sein, das Sonntagsfahrverbot soll beibehalten werden.

Das ist aus Sicht von OB Nopper ein vertretbarer Ansatz, da auf dem lediglich fünf Meter breiten Königsträßle nur sehr wenige Fahrzeuge unterwegs seien, so dass dieses „parallel von Auto– und Radfahrern genutzt werden kann“. Zudem fürchtet er den Volkszorn, wenn Autofahrer auf der schnurgeraden Strecke durch den Wald lediglich 30 Kilometer pro Stunde schnell fahren dürften. Ein weiterer Vorteil aus Sicht der Verwaltung: Die Kosten würden von 600 000 auf 200 000 Euro sinken.

Übergeordnete Bedeutung durch die Hauptradroute 3

Für das bürgerliche Lager im Gemeinderat ein annehmbarer Kompromiss. Hingegen sieht Björn Peterhoff (Grüne) für das Königsträßle eine übergeordnete Bedeutung. Schließlich soll dort die Hauptradroute 3 verlaufen. „Mit der Anbindung an die Jahnstraße und die Innenstadt glauben wir durchaus, dass der Radverkehr in den kommenden Jahren dort zunehmen wird.“ Insofern fordert er die Stadt auf, wie generell üblich, auf der gesamten Strecke Tempo 30 anzuordnen und nicht aufgrund von „lediglich eineinhalb Minuten Zeitverlust für Autofahrer“ von den Prinzipien abzuweichen. Schließlich würden laut städtischer Zählung lediglich 360 Fahrzeuge in 16 Stunden den „Waldweg“ befahren, ergänzt Christoph Ozasek (Klimaliste). Er plädiert daher für eine Fahrradstraße mit einem modalen Filter. Die Autos könnten die Einrichtungen auf der Waldau weiter erreichen, eine Durchfahrt nach Schönberg wäre dann aber nicht mehr möglich.

Die anhaltende Diskussion ist für Lucia Schanbacher (SPD) „sinnbildlich für die Handlungsunfähigkeit der Stadt“. Dies dürfe nicht zum Standard werden – ebenso wie ein Rückfall zu höheren Geschwindigkeiten. Nur um im gleichen Atemzug zuzustimmen, dass der Bezirksbeirat Degerloch über den Kompromissvorschlag der Verwaltung noch einmal beraten solle. Dieser hatte sich zuletzt für Tempo 30 auf dem gesamten Königsträßle ausgesprochen.