Die Leiterin der Stadtgalerie, Katharina Ritter, vergleicht das Gebäude in ihrer Eröffnungsrede zur Ausstellung „Die Dachse kommen näher“ von Kommunikationsdesigner Alexander Hoffmann mit einem Dachsbau. Ein Dachsbau spiegele die Bedürfnisse seiner Bewohner wider und wachse über Generationen hinweg. Sie spielt damit auf einen neuen Raum in der Stadtgalerie an, der ebenfalls an diesem Abend eröffnet wird.

Der St. Johanner Markt Raum soll ein offener Treffpunkt für Familien sein. In diesem Teil des „Dachsbaus“ kann man sich in Zukunft zwanglos aufhalten. Aber was soll der Titel der Ausstellung bedeuten, wegen der so viele in den Innenhof der Stadtgalerie gekommen sind? Alexander Hoffmann erklärt:

Tja, wenn ich das jetzt in einem Kurzformat so wiedergeben könnte. Da steckt eine längere Geschichte dahinter, aber Fakt ist, dass sie näherkommen. Das ist das Einzige, was ihr wissen müsst, Freunde und Freundinnen.

Portrait des Künstlers Alexander Hoffmann alias Retro23  (Foto: Jonas Kammer)

Alles darf passieren

Als Besucher kann man in dem Titel also seine eigene Wahrheit finden. Es überrascht wenig, dass das auch bei den Kunstwerken selbst so ist. In den Bildern von Alexander Hoffmann passiert viel: eine Burg im Wald, darunter ein Krokodil, aber statt eines Kopfes ein Benzinkanister. Daneben ein Fuß samt Fußfessel mit schwerer Kugel, komplett in Pink. Am linken Rand des Bildes steht: „Oklahoma Crab“. Der Künstler beschreibt seine Kunst so:

Expressiv, spontan, alles darf passieren, bunt, in your face, Tagebucheintrag, Gehirndownload.

Katharina Ritter (Foto: Stefan Eising/SR)

Für die Leiterin der Stadtgalerie ist das die große Qualität von Alexander Hoffmann. In ihrer Eröffnungsrede sprach sie davon, dass man die Bilder auf sich wirken lassen muss. Man solle sich Zeit nehmen und dann könne man sehen und fühlen, was man eben sehen und fühlen will.

Die Besucher müssten aber auch mutig sein, sich öffnen und auf was einlassen. Das kann wehtun. Für Katharina Ritter ist klar, das kann die Kunst leisten:

Wenn man die Arbeiten von Alex anschaut, bekommt man einen Hinweis, den man weiterverfolgen kann. Dann sieht man aber wieder etwas ganz anderes in dem Bild, und so kommen immer wieder neue Gedanken, die sich zu einer Geschichte formen. Er lässt Energie fließen, und das zieht einen selbst auch in einen Bann.

Malerei als Gegenentwurf zum Denken

Dass jeder beim Betrachten seine eigenen Geschichten in den Bildern findet, liegt auch an der Art wie sie entstehen: „Ich find es ehrlich gesagt boring Kunst zu erklären, weil Leute denken man müsste etwas Bestimmtes in einem Werk sehen“, erklärt Hoffmann. Malerei sei für ihn ein Gegenentwurf zum Denken. Jede Betrachterin und jeder Betrachter dürfe sich genau die Geschichte zusammen spinnen, die sie oder er wolle.

Für den studierten Kommunikationsdesigner ist das die erste kuratierte Einzelausstellung. Man kann sie vielleicht auch als Wendepunkt in seinem Schaffen verstehen. Die Anfrage der Stadtgalerie kam für ihn zum richtigen Zeitpunkt, nachdem er sich Ende vergangen Jahres vom Tätowieren eine Auszeit nahm:

Ich war ein bisschen ausgebrannt, überarbeitet. Zehn Jahre Vollgas, immer vier, fünf Bälle gleichzeitig jongliert. Der Schornstein auf dem Überdach war immer Kunst, Tätowieren … Kunst, irgendwelche Brand-Collabos … Kunst, Art Direction … Kunst. Und irgendwie habe ich Lust, zum Ursprung zurückzukehren und einfach mal zu machen.

Auf einen Blick

DIE DACHSE KOMMEN NÄHER
von Alexander Hoffmann alias Retro23
1. Mai bis 30. August 2026 

Stadtgalerie Saarbrücken
St. Johanner Markt 24
66111 Saarbrücken

Weitere Infos: stadtgalerie.saarbruecken.de

Ein Thema in der Sendung „Der Morgen“ am 05.05.2026 auf SR kultur.