In die Jahre gekommene Turnhallen aus der Nachkriegszeit sind allüberall zu finden, in Vorstädten ebenso wie auf dem Land. Oft werden sie abgerissen und durch uninspirierte Neubauten ersetzt. Wenn sich eine kleine Gemeinde entscheidet, so eine altes verbautes Halle zu erhalten und dann auch noch von jungen Architekten umbauen zu lassen, ist das schon mal recht mutig.
Die Courage wurde belohnt, das Stuttgarter Büro Atelier Kaiser Shen hat die Halle in Ingerkingen saniert. Die Architekten haben die Turn- und Festhalle in ökologischer Holzbauweise behutsam und gestalterisch überaus überzeugend in die Zukunft geführt.
Die Halle der Stuttgarter Architekten wird gut angenommen
Die schnittig in der Landschaft stehende Multifunktionshalle ist nun ein beliebter Treffpunkt, fürs alemannische Fasnachtfeiern, für Theater, Sport und Feste in dem Teilort der Gemeinde Schemmerhofen, die wiederum zwischen Biberach und Ehingen liegt.
Die Architekten Kilian Juraschitz (li.) und Florian Kaiser in ihrem Büro in der Stuttgarter Alexanderstraße. Foto: Julia Sang Nguyen
Gefeiert wird auch die Halle selbst – bundesweit. Einen der zehn Shortlistpreise des „Deutschen Architekturpreises 2025“ erhielt das Büro. „Neben dem ökologisch sinnvollen Ansatz, die im Bestand gebundene graue Energie weiterzuverwenden, ist so nicht nur ein Erinnerungs-, sondern auch ein ästhetischer Mehrwert entstanden“, so die Jury zu dem Projekt.
Ende 2025 gab es den renommierten „Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2025“ für die Halle. Bürogründer Florian Kaiser sagte im Interview unserer Zeitung: „Erfreulich ist für uns zu sehen, welche wichtige Rolle die Mehrzweckhalle im täglichen Dorfleben spielt. Martin Haas, Architekt und Mitglied der Jury, war besonders vom Ortsvorsteher Jürgen Steinle beeindruckt, der ihm die Halle voller Stolz zeigte und hervorgehoben hat, dass diese immer ausgebucht sei. Unter der Woche für Schul- und Vereinssport und auch jedes Wochenende für kulturelle Zwecke.“
Diese Woche knallten wieder die Korken, für den vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt ausgelobten Bundespreis „Umwelt & Bauen“, den die Kaiser Shen Architekten und Tragwerksplaner Philipp Längst vom Tragwerksbüro str.ucture im Bundesumweltministerium entgegen nehmen konnten.
Bauen im Bestand ist den Stuttgarter Architekten ein Anliegen
Die Ehrung zeichnet klimaschonendes, rohstoff- und energieeffizientes, klimaangepasstes und sozialverträgliches Bauen im Bestand aus. Das Stuttgarter Büro gewann in der Kategorie „Nichtwohngebäude“. „Die Modernisierung und Erweiterung der Mehrzweckhalle in Ingerkingen setzt neue Maßstäbe für den Erhalt von Baukultur und die multifunktionale Nutzung öffentlicher Räume. Mit einem innovativen Tragwerkskonzept und maximalem Bestandserhalt wurde ein zukunftsfähiger Ort für Sport, Kultur und Gemeinschaft geschaffen“, so die Begründung für die Vergabe.
Das Modell zeigt es – weiß der alte Bestand, in Holzbauweise wurde der Bau weitergeführt. Foto: Atelier Kaiser Shen Stuttgart
Kürzlich gab es außerdem den ebenfalls bundesweit vergebenen Architekturpreis HolzbauPlus. In der Kategorie „Bauen im Bestand“holte das Atelier Kaiser Shen für den Umbau der Mehrzweckhalle eine Anerkennung.
Nominiert für den Otto-Borst-Preis ist das Atelier Kaiser Shen außerdem in der Kategorie „Besonderer Ort“. Dieser Preis wird während der internationalen Städtetagung 2026 vom 11. bis 13. Juni 2026 in Trier verliehen. Könnte sein, dass dann wieder etwas zu feiern ist in dem Büro in der Stuttgarter Alexanderstraße.
Info
Büro
Das Stuttgarter Atelier Kaiser Shen wurde 2017 von Florian Kaiser und Guobin Shen gegründet und arbeitet an Projekten unterschiedlicher Maßstäbe. Die Arbeiten des Büros wurden vielfach ausgezeichnet. Seit 2025 führt Florian Kaiser das Büro gemeinsam mit Kilian Juraschitz weiter und prägt mit seinem Fokus auf kreislaufgerechtes Bauen die Ausrichtung – mit besonderem Augenmerk auf regenerative Materialien, Bestandserhalt und Wiederverwendung.
Preis
Der Preis Umwelt & Bauen wurde in drei Kategorien vergeben. Neben Atelier Kaiser Shen für die Halle Ingerkingen erhielten Alexander Poetzsch Architekten für das „Familienzentrum in Dresden“ einen Preis sowie gerstner + hofmeister architekten für das „Collegium Academicum“ in Heidelberg.
Ehre fürs Land
Weitere Anerkennungen gingen nach Baden-Württemberg: nach Öhringen für das „Büro in einer Scheune“ von Steinbach Schimmel Architekten, nach Achern für die Umnutzung einer denkmalgeschützten Reithalle durch Architekt Michael Welle sowie nach Stuttgart für das „Bürogebäude Z2.0“ in Stuttgart-Vaihingen der Ed. Züblin AG.