In Belarus entsteht eine militärische Basis für Russland. Die Ukraine warnt, dass die Infrastruktur jederzeit für neue Angriffe genutzt werden könnte.

Belarus, das Nachbarland der Ukraine im Norden, baut seine militärische Infrastruktur aus und richtet sie immer stärker auf die Unterstützung russischer Operationen aus. Russische Truppen stehen dort zwar noch nicht in der Stärke, um sofort eine neue Offensive zu starten. Doch die Grundlagen dafür wachsen Schritt für Schritt, berichtet der „Kyiv Independent“.

Logistikdrehkreuz für künftige Angriffe

Das belarussische Militär schafft neue Logistikrouten, Übungsplätze und weitere Anlagen, die in enger Abstimmung mit Moskau entstehen. Diese Strukturen können im Ernstfall schnell mit Soldaten und Material gefüllt werden. 

ANZEIGE

Laut Andrij Demtschenko, dem Sprecher der ukrainischen Grenzschutzbehörde, stelle die derzeitige Präsenz russischer Truppen in Belarus noch keine unmittelbare Gefahr dar. Die eigentliche Bedrohung liege in der Infrastruktur, die jederzeit aktiviert werden kann, schrieb er auf Telegram.

Ukrainische Geheimdienste, das Verteidigungsministerium und die Grenzschützer beobachten die Lage an der gemeinsamen Grenze. Sie wollen jede Verlegung größerer russischer Verbände nach Belarus rechtzeitig erkennen, so der Bericht.

ANZEIGEVerdächtige Aktivitäten an der Grenze

Die Warnungen stimmen mit Aussagen von Präsident Wolodymyr Selenskyj überein, der von ungewöhnlichen Bewegungen im Grenzgebiet spricht. Ein Vorfall sorgt für zusätzliche Nervosität: Ein Spionageballon, der aus Belarus in den ukrainischen Luftraum geriet, soll Signale für russische Angriffe weitergeleitet haben. Daher geht Kiew davon aus, dass Belarus nicht nur passiv an der Seite Moskaus steht, berichtet die ungarische Zeitung „Portfolio“.

ANZEIGE

Die ukrainische Führung erklärte, dass sie auf jede Provokation reagieren und einen möglichen Vorstoß aus dem Norden abwehren will. Besonders die Region entlang der belarussischen Grenze gilt als sensibel.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Pablo Cuadra/Getty Images Belarus orientiert sich mehr an Russland

Zugleich rückt Belarus noch enger an Russlands Kriegsapparat heran. Das Land setzt an seinen Grenzen Reiseverbote durch, die im Zusammenhang mit der russischen Wehrpflicht stehen. Wer sich dem Dienst in Russland entziehen will, soll so an der Ausreise gehindert werden, berichtet „Portfolio“.

ANZEIGELukaschenko regiert seit über 30 Jahren

An der Spitze von Belarus steht seit 1994 Alexander Lukaschenko, der in Europa vielfach als letzter verbliebener Diktator gilt. Er stellt sich politisch wie militärisch klar an die Seite von Kremlchef Wladimir Putin.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja wirft ihm vor, die Unabhängigkeit des Landes schrittweise an Russland zu verscherbeln. Lukaschenko stelle sein Territorium für russische Interessen zur Verfügung und mache Belarus damit zu einer Plattform für Putins militärische und geopolitische Ziele, beklagte sie im Februar.