Bild "Mädchen in Bratsk" von 1966

AUDIO: „Auf Reisen“: Wolfgang Mattheuer neu gesehen in Rostock (3 Min)

Stand: 08.05.2026 08:03 Uhr

Wolfgang Mattheuer gehört als Mitbegründer der Leipziger Schule, zu den erfolgreichsten bildenden Künstlers des 20. Jahrhunderts. Rund 100 seiner Werke sind aktuell in der Kunsthalle Rostock zu sehen.

von Marie Zimmer

Bereits als Kind hat Wolfgang Mattheuer die Natur gemalt. Eines der ersten Werke der Ausstellung in der Kunsthalle Rostock entstand, als er 14 Jahre alt war. Abgebildet ist ein Haus aus seiner Heimat, dem Vogtland. Die Malerei auf Papier zeichnet sich durch die intensive Farbgebung aus.

„Er nutzt unterschiedliche Grüntöne und mischt auch noch Gelb rein, um Helligkeit in die Wiese im Vordergrund zu bekommen. Wenn man sich die Fenster oder den Balkon anschaut, ist er wirklich sehr exakt“, erläutert Kuratorin Melanie Ohst.

Mit Kugelschreiber und Kreide um die Welt

Doch nicht nur Werke aus den Anfängen des Künstlers sind in der Ausstellung zu sehen. Vor allem auf Reisen fing er seine Erlebnisse unter anderem mit Kugelschreiber, Deckfarben oder Graphit auf Papier ein – in großen und kleinen Formaten und manchmal auch nur im Notizbuch.

Auf seiner Reise in die Sowjetunion zeichnet er 1966 „Balance“: zwei Mädchen, balancierend auf einem Rohr. Mit sparsamer Farbnutzung akzentuiert er mit bunter Kreide die Kleidung der beiden. Wiederfinden lassen sie sich dann in den Skizzen zur „Bratsker Landschaft“ im selben Jahr mit Kugelschreiber auf Papier als kleiner Teil seines Werks.

Sowjetunion oder Österreich – Hauptsache Berge

Bild "Passstraße nach Südtirol"

Das Bild „Passstraße nach Südtirol“ entstand 1999.

Immer wieder ist in den Werken Wolfgang Mattheuers die Natur Thema, vor allem als Kontrast zwischen unberührter Landschaft und bebauten Flächen. Ob in Bratsk in der Sowjetunion oder in Südtirol in Österreich. „Passstraße nach Südtirol“ aus dem Jahr 1999 zeigt eine schier endlose, graue Straße, die sich durch die hügelige Landschaft der Berge frisst. Mit Aquarellfarben auf Papier gemalt, stechen die Grünnuancen der Berge hervor. Das Grau der Straße verliert sich schließlich in den tief hängenden Wolken.

„Er interessiert sich sehr für die Berge, weil er wissen will, was dahinter ist. Er ist immer auf der Suche nach dem, was man zunächst nicht sieht“, sagt Kuratorin Ohst. Dies sei auch biografisch begründet. Schließlich ist seine Heimat, das Vogtland, auch sehr hügelig.

Kunsthalle Rostock: Blick auf das Schaudepot im Gräsergarten

Am Mittwochabend wird das Festival mit einem Talk in der Rostocker Kunsthalle eröffnet. Bis Sonntag sind Veranstaltungen geplant.

Fokus auf weniger bekannte Zeichnungen

Der etwas andere Blick auf Wolfgang Mattheuer kommt an bei den Museumsgästen. „Vor allem weil der Schwerpunkt auf den Zeichnungen lag, die man sonst weniger kennt. Man kennt eher seine politischen Bilder“, sagt ein Besucher.

Eine Besucherin erzählt, dass sie ihren Geschichtsunterricht als Lehrerin gern mit einem Mattheuer-Bild begann. „Dadurch habe ich sozusagen mit ihm einen Gedankenfluss in Gang setzen können und das passiert jetzt gerade mit mir selbst.“ Die Bilder von Wolfgang Mattheuer in der Ausstellung der Rostocker Kunsthalle laden ein zu inneren Reisen.

Die Ausstellung „Auf Reisen“ ist noch bis zum 21.Juni in der Kunsthalle Rostock zu sehen.

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