Es ist hart, in einem fremden Land anzukommen. Und oft genug zweifelt man dabei an Gott, am Schicksal, fragt in den Himmel, warum es so schwer sein muss. Aber wenn man Glück hat, sind da Menschen, mit denen man sprechen kann – und je mehr Wörter man versteht, desto stärker sind die Wurzeln, die man am neuen Ort ausbildet. „Ich wusste, ich muss meinen Kopf schnell auf die neue Situation einstellen, damit ich hier ankommen kann“, sagt Hawani Abera, die 2021 wegen dem Bürgerkrieg aus Äthiopien nach Deutschland geflüchtet ist. Heute ist sie engagiert in der Freien Evangelischen Gemeinde Frankfurt, berufstätig – und ein Stückweit zuhause im neuen Land.

Die Stadtversammlung der Frankfurter Katholikinnen und Katholiken stand am Donnerstagabend unter dem Titel „Frankfurt als Zufluchtsort – Auf der Suche nach Frieden“. Konkret wollten die 50 Mitglieder, die aus den neun katholischen Pfarreien und Gemeinden anderer Muttersprache sowie aus katholischen Einrichtungen und Verbänden in Frankfurt entsandt werden, bei der Veranstaltung im Pfarrsaal von St. Marien in Bockenheim wissen: Wie sieht die Realität für diejenigen aus, die vor Krieg, Verfolgung und Gewalt fliehen mussten? Welche Erfahrungen haben sie auf ihrer Reise gemacht und wie erleben sie heute ihr Leben in Frankfurt? „Findet Ihr hier Heimat? Kommt Ihr an? Bleibt Ihr fremd? Findet Ihr Geborgenheit, Wärme, Unterstützung?“, formulierte es Monika Humpert, Vorsitzende der Stadtversammlung.

Ein starkes ukrainisches Netzwerk

Mit Hawani Abera saß Roman Rokytskyy aus dem Vorstand der ukrainischen Gemeinde und Mitglied im Gemeinderat der katholischen ukrainischen Gemeinde auf dem Podium. Moderiert wurde das Gespräch von Journalistin Jutta-Maria Nieswand. Dabei erzählten beide Gäste offen von ihrer jeweiligen Fluchterfahrung und teilten Beobachtungen über Probleme und Chancen der Geflüchteten, die hier ankommen. Roman Rokytskyy ist selbst bereits seit 25 Jahren in Deutschland, er kam als Computerexperte ins Land und lebt seit 2005 in Frankfurt. „Unser Krieg mit Russland begann nicht 2022, sondern 2014“, machte er deutlich. Vor 2014 seien entweder Gebildete mit Uniabschluss nach Deutschland gekommen oder Menschen, die ohne Genehmigung hier arbeiten wollten. Seit 2014 habe sich das geändert – und die Ukrainerinnen und Ukrainer, die schon in Deutschland waren, hätten angefangen, Hilfe zu organisieren. „Wir haben die Krankenhäuser und Arztpraxen ,geplündert‘ und alles, was dort weggeworfen werden sollte, in die Ukraine gebracht“, berichtete er. „Alte Betten aus Krankenhäusern, einfache Anästhesie-Medikamente, mehrere hunderte Tonnen an Hilfsgütern haben wir in die Ukraine geflogen.“