Online-Dating ist out. Der Trend geht wieder zum Kennenlernen im echten Leben. Dabei helfen Formate wie „Pitch my Friend“, das am Donnerstagabend zum ersten Mal vom Jungen Freundeskreis des Kunstpalastes veranstaltet wurde. Die Idee: Freunde stellen ihre Singe-Freunde vor. Denn wer kennt einen besser als die beste Freundin oder der beste Freund?

Für das „Art & Speed Dating“ hat Organisatorin Marlene Liebermann das Alter der teilnehmenden Singles zwischen 18 und 30 festgelegt. 25 Personen haben bei der ersten Auflage am Donnerstagabend mitgemacht. „Alle, die eine Freundin oder einen Freund pitchen möchten, habe ich vorab um eine kleine Präsentation gebeten“, gibt Liebermann Einblick in die Vorbereitungen.

Der Begriff „pitchen“ ist im geschäftlichen Kontext gebräuchlich. Mit kurzen, prägnanten Präsentationen wird dabei eine Idee, ein Produkt oder ein Unternehmen vorgestellt, um Investoren oder Kunden davon zu überzeugen. Für das Datingformat hat Marie Liebermann das Pitchen übernommen, weil „es einfach eine gute Möglichkeit ist, kurz und knackig eine Person den anderen vorzustellen“, sagt sie.

Dafür konnten die Präsentierenden zum Beispiel kleine Videos zusammenstellen oder Foto-Clippings zeigen. Dabei ging es darum, ehrlich zu sein. Also nicht nur die Schokoladenseiten der vorgestellten Singles hervorzuheben, sondern auch die sogenannten „Red Flags“, also die eher schwierigen Eigenschaften zu benennen.

Für die vorgestellten Singles heißt das: Für den Pitch stehen sie im Spotlight. Das müssen sie aushalten können. So wie Till, der von seinem besten Kumpel Christian vorgestellt wurde. „Das war schon ein etwas schräger Moment“, räumte der 28-Jährige später ein. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, hatte sich Christian vorher mit ihm abgesprochen, was er sagen würde. Nur das Wie ließ er dabei offen.

Die Vorstellungsclips waren auf einem großen Bildschirm zu sehen. Alle hatten am Ende einen Link zu den jeweiligen Instagram-Profilen der Singles oder andere Möglichkeiten, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, eingefügt. Zwischendrin gab es immer kleine Pausen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Interessen auszuloten.

Den Jungen Freundeskreis des Kunstpalastes gibt es seit fast 20 Jahren. „Das Angebot richtet sich an alle zwischen 18 und 30, die sich für Kunst, Fotografie, Design, Mode und digitale Kultur interessieren“, sagt Marlene Liebermann. Für 29 Euro im Jahr kann jeder Teil der Community werden. „Das ist eine tolle Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, die ähnliche Interessen haben.“

Der Freundeskreis organisiert regelmäßig Aktivitäten, darunter Radtouren, Atelierbesuche, veranstaltet kreative Workshops oder Treffen mit Künstlerinnen und Künstlern. Einige Angebote sind ausschließlich für die Jungen Freunde des Kunstpalastes, andere sind auch für Nichtmitglieder offen – so wie „Pitch my Friend“. Ob sich bei diesen Treffen auch schon mal Paare gefunden haben? „Oh ja“, sagt Liebermann. „Wir haben etwas Ähnliches als Spaziergang durch eine Ausstellung organisiert und da haben sich tatsächlich zwei Menschen gefunden, die sich ineinander verliebt haben.“ Im echten Leben also statt beim Online-Dating.