Rembrandt – dieser Name war schon im 17. Jahrhundert eine Marke. Eine neue Ausstellung in Kassel widmet sich einem Schicksalsjahr im Leben des niederländischen Ausnahmekünstlers. 1632 wird aus dem Talent ein „Shooting-Star“.

Der junge Rembrandt mit lockigem Haar. Weiches Gesicht, etwas traurige Augen. Die Kasseler Ausstellung „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ beginnt mit einem Selbstporträt von Rembrandt. Nebeneinander hängen mehrere Versionen des Künstlers, sie unterscheiden sich in Nuancen.

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03:16 Min.|Jens Wellhöner

Bild © hessenschau.de|
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Rund 80 Selbstbildnisse umfasst das Werk von Rembrandt. Er hat sich intensiv mit seiner Person befasst, mit Selbstporträts künstlerisch herumprobiert, seinen Stil verbessert und so die Anforderungen des Marktes perfekt bedient.

Im Jahr 1632 zieht Rembrandt von seiner Heimatstadt Leiden nach Amsterdam um und startet dort richtig durch. Wie ihm das gelungen ist, zeigt die neue Ausstellung „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel.

Neue Maßsstäbe in der Barock-Malerei

Rembrandt gelte als Ausnahmekünstler seiner Zeit, sagt Justus Lange. Er leitet die Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe und hat die Ausstellung kuratiert. Mit Werken wie „Die Blendung Simsons“ oder „Die Anatomie des Dr. Tulp“ habe Rembrandt neue Maßstäbe in der Barock-Malerei gesetzt. Das gelte insbesondere für die Lebendigkeit der Figuren und die Komposition von Gruppenbildern.

Rembrandts Gemälde "Die Anatomie des Dr. Tulp": Gruppe von mehreren Personen in dunkler Kleidung steht dicht um einen auf einem Tisch liegenden nackten Körper. Eine Person im Vordergrund zeigt mit einem Instrument auf die freigelegten Muskeln des Arms, während die anderen zuschauen. Hintergrund dunkel und zurückhaltend, Fokus auf der Szene am Tisch.

„Die Anatomie des Dr. Tulp“, Rembrandt, 1632
Bild © Margareta Svensson

Als der Maler im Alter von 26 Jahren nach Amsterdam zog, traf er in der boomenden Handelsmetropole auf einen riesigen Markt für Kunstschaffende. „Das ist vielleicht in gewisser Weise vergleichbar mit der Situation in Rom“, sagt Lange.

Im Rom der Renaissance hätten Kirchen und Paläste ausgestattet werden müssen. So ähnlich sei es im 17. Jahrhundert auch in Amsterdam gewesen. Mit dem Unterschied, dass dort nicht Kirchen ausgestattet wurden, sondern eben Kunstsammlungen reicher Familien mit Einzel- und Gruppenporträts.

Gemälde so lebendig wie ein Schnappschuss

Wer sich von den zahlreichen anderen Künstlern in Amsterdam abheben wollte, musste anders sein. Und das sei Rembrandt gewesen. „Er lotet die malerischen Grenzen aus, es ist die Kombination aus malerischer Finesse und Detailreichtum“, sagt Kurator Lange. Auf seinen Bildern wirkten die Menschen lebendig, wie bei einem Schnappschuss.

„Rembrandt schafft es, einen Dialog mit den Betrachtenden herzustellen. Das ist etwas, das auch die Zeitgenossen offensichtlich schon sehr schätzten.“

Ein Mann mit scharzem Anzug und Glatze lächelt in die Kamera. Im Hintergrund ist ein großer Raum zu erkennen.

Schon vor 25 Jahren hatte Kurator Justus Lange die Idee zu der aktuellen Rembrandt-Ausstellung. Nach jahrelanger Arbeit ist sie jetzt fertig.
Bild © Marcel Ruge (hr)

Enormer künstlerischer Output im Jahr 1632

32 Gemälde malt Rembrandt in diesem so wichtigen Jahr 1632, rund zehn Prozent seines gesamten Œuvres. „Das zeigt ja schon, dass das ein sehr produktives Jahr ist, dass er als Künstler wirklich durchstartet“, sagt Lange.

Rund 70 Exponate, auch von Weggefährten Rembrandts, werden in der Ausstellung gezeigt. 20 Arbeiten kommen aus Kassel, 49 sind Leihgaben aus der ganzen Welt.

Exponate kommen auch aus Japan

Die Bilder kommen aus Innsbruck, Zürich, London, Stockholm oder Japan, sagt Martin Faass, Direktor der Kultureinrichtung Hessen Kassel Heritage (HKH), zu der auch die Sammlungen im Schloss Wilhelmshöhe gehören. „Das ist eine beeindruckende Liste internationaler Leihgeber“, so Faass.

Kassel sei ein „Kompetenzzentrum“ für niederländische Malerei und Rembrandts Werk. Insbesondere Landgraf Wilhelm VIII. habe im 18. Jahrhundert durch gute Kontakte in die Niederlande zahlreiche Bilder nach Nordhessen geholt.

„Wir wollen durch diese Ausstellung auch die Bedeutung unserer Gemäldegalerie sichtbar machen“, so Faass. Immerhin hängen hier neben Rembrandt auch Werke von Tizian oder Rubens.

Mehrere Porträts hängen nebeneinander an einer violetten Wand in einem Ausstellungsraum.

Im Fokus der Rembrandt-Ausstellung im Schloss Wilhelmshöhe sind Porträts.
Bild © Marcel Ruge (hr)

Meisterlich auch in der Selbstvermarktung

Was Rembrandt, der eigentlich Rembrandt Harmenszoon van Rijn heißt und 1606 als Sohn eines Müllers in Leiden geboren wird, von anderen Künstlern seiner Zeit abhebt, ist aber nicht nur die künstlerische Raffinesse, sondern auch sein Gespür für Selbstvermarktung.

Ab dem Jahr 1632 signiert er seine Bilder nicht mehr mit dem Monogramm RHL (für Rembrandt Harmenszoon aus Leiden), sondern nur noch mit seinem Vornamen. „Rembrandt begeistert die Menschen bis heute, er ist seitdem ein Shooting-Star“, sagt Kurator Justus Lange. Rembrandt tut es so den ganz großen Meistern wie Tizian (Vecellio), Raffael (Sanzio) oder Michelangelo (Buonarroti) gleich.

Weiteres Erkennungszeichen von Rembrandts Werken: Er mogelt sich selbst immer wieder in seine Bilder – seine Gesichtszüge tauchen etwa bei einem Soldaten in „Die Blendung Simsons“ auf.

Ein klassizistischer Bau mit Portal und riesigen Säulen aus Stein. Zwischen den Säulen ein Plakat mit der Aufschrift "Rembrandt 1632"

Rembrandt-Zahnpasta oder Rembrandt-Zigaretten

Die Kasseler Ausstellung gibt tiefe Einblicke in die Arbeitsprozesse des Meisters und seine stilistische Bandbreite. Und sie zeigt auch, wie die Gemälde mit wissenschaftlichen Methoden analysiert und erforscht werden.

Wie sehr der Name Rembrandt bis heute wirkt, offenbart zudem ein Raum, in dem nicht Kunst an den Wänden hängt, sondern Alltagsgegenstände ausgestellt sind.

Ein Schild, das das Ziel und die Zwischenstopps eines IC-Zuges mit dem Namen Rembrandt zeigt. Endstation ist Frankfurt. Abfahrt ist Amsterdam.

Sogar ein IC-Zug zwischen Amsterdam und Frankfurt ist nach Rembrandt benannt worden.
Bild © Marcel Ruge (hr)

Zeichenstifte, eine Zahnpasta, Mode, Zigaretten – viele Produkte der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart tragen den Namen Rembrandt. Sogar ein Inter-City-Zug zwischen Amsterdam und Frankfurt wurde nach Rembrandt getauft.

Viel Ruhm und trotzdem pleite

Rembrandts Ruhm habe nie wirklich eine Delle bekommen, sagt Kurator Lange. Der Künstler selbst habe davon aber nur einen Teil seines Lebens lang profitieren können.

1656 musste der Meister trotz hoher Einnahmen Insolvenz anmelden, zu aufwändig war sein Lebensstil. Er starb am 4. Oktober 1669 in Amsterdam in Armut. Rund 350 Werke erschuf er.

Ein Teil seiner Gemälde und Zeichnungen aus dem so wichtigen Jahr 1632 sind bis August im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel zu sehen.

Weitere Informationen „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“

Die Sonderausstellung „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ ist vom 8. Mai bis zum 9. August im Schloss Wilhelmshöhe zu sehen. Sie ist in Zusammenarbeit mit dem Schloss Friedenstein in Gotha entstanden. Dort wird die Ausstellung mit anderem Schwerpunkt vom 6. September bis zum 6. Dezember gezeigt.

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