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Putins Moskau-Parade fällt in diesem Jahr bescheiden aus – ohne Panzer und schweres Gerät. Die Ukraine hält Russland mit Drohnenangriffen in Atem.
Moskau – Kurz vor der Parade zum „Tag des Sieges“ in Moskau spielt die Ukraine weiter mit der Angst von Wladimir Putin. In der Nacht der von Moskau einseitig ausgerufenen Waffenruhe hat die Ukraine schwere Drohnen- und Raketenangriffe auf russisches Gebiet gestartet. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin gab an, dass das ukrainische Militär Dutzende Drohnen auf die russische Hauptstadt abgefeuert habe – nur einen Tag vor der jährlichen Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau.
Wladimir Putin fürchtet um seine prestigeträchtige Militärparade in Moskau. (Archivfoto) © IMAGO/Sergei Savostyanov
Der ukrainische Präsident Selenskyj warnte derweil davor, nach Moskau zu kommen. „Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen“, sagte er. „Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab.“ Die Zahl der ausländischen Gäste ist geringer als üblich – laut Kreml werden lediglich die Staatschefs von Belarus, Malaysia und Laos anwesend sein.
Ukraine-Krieg: Russland bricht eigene Waffenruhe einen Tag vor Putins Parade
Moskau feiert traditionell am 9. Mai den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland auch mit einer Militärparade auf dem Roten Platz und hat zu den Feiern einseitig eine Waffenruhe ausgerufen. „Sie wollen die Erlaubnis der Ukraine, ihre Parade abzuhalten, um einmal im Jahr für eine Stunde sicher auf den Platz zu gehen“, sagte Selenskyj. Danach wolle Russland weiter Menschen in der Ukraine ermorden und Krieg führen.
Doch Putin brauchte nicht die Parade abzuwarten, um die eigens ausgeschriebene einseitige Waffenruhe zu brechen. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurde am Freitagmorgen nach Angaben von Reportern der Nachrichtenagentur AFP Luftalarm ausgelöst. Russland habe „nicht einmal einen symbolischen Versuch unternommen, eine Waffenruhe an der Front einzuhalten“, sagte Selenskyj.
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Eine zuvor von Kiew verkündete und bereits ab dem 6. Mai geltende Waffenruhe hatte Russland ignoriert. Der ukrainische Präsident kündigte daraufhin „spiegelbildliche“ Aktionen an – möglicherweise auch während Putins Parade.
Keine Panzer, kein schweres Gerät: Putins Parade fällt aus Sorge vor der Ukraine bescheiden aus
Womöglich ist das der Grund, warum Putins Parade in diesem Jahr relativ bescheiden daherkommen wird. Der Kreml erklärte bereits, bei der diesjährigen Veranstaltung werde keine militärische Ausrüstung präsentiert. Die Kyiv Independent nennt das Fehlen von Panzern und anderem schweren Gerät eine „bemerkenswerte Veränderung“. Stattdessen werde es laut dem russischen Verteidigungsministerium „einen Fußmarsch von Soldaten aus militärischen Bildungseinrichtungen sowie einen Flugteil“ geben.
Die Schritte des Kreml zeigen: Putin macht sich ernste Sorgen um mögliche Angriffe und deren Außenwirkung. Der inzwischen seit mehr als vier Jahren anhaltende Ukraine-Krieg konnte bislang größtenteils aus den wohlhabenden Städten Moskau und St. Petersburg ferngehalten werden. Auch die russische Elite wird zunehmend unruhig. Aber die prestigeträchtige Parade könnte unmöglich abgesagt werden, zu groß wäre die Schmach für Russlands Präsidenten. Doch Bilder von Angriffen auf eben jene Militärfeier, die um die Welt gehen würden, wären eine Blamage sondergleichen für Putin.
Russland droht mit Vergeltungsschlägen: Menschen sollen Kiew „rechtzeitig verlassen“
Dementsprechend hat Russland die Rhetorik verschärft und mit Vergeltungsschlägen gedroht. Putins Verteidigungsministerium erklärte, die Bewohnerinnen und Bewohner Kiews und ausländische Diplomaten müssten die Stadt „rechtzeitig verlassen“. Zu einer möglichen Attacke auf Kiew hieß es weiter, im Falle eines ukrainischen Angriffs auf die Parade in Moskau am Samstag werde Russland „mit gleicher Münze zurückzahlen“.
Das Auswärtige Amt in Berlin wertete die russischen Drohungen als Anzeichen für fehlenden Verhandlungswillen des russischen Präsidenten. „Ein gezielter Angriff auf eine diplomatische Vertretung wäre ein weiterer schwerer Verstoß Russlands gegen humanitäres Völkerrecht“, hieß es am Donnerstag aus dem Ministerium.
Die Behörde stehe „in ständigem Kontakt“ mit der deutschen Botschaft in Kiew und evaluiere die Sicherheitslage „fortlaufend“. „Wir lassen uns hiervon nicht einschüchtern und werden die Ukraine weiter unterstützen und den Druck auf Russland erhöhen“, hieß es weiter. Zuvor hatte bereits ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel erklärt, dass die EU ihre Botschaft in Kiew nicht räumen werde. (Quellen: dpa, AFP, Kyiv Independent)