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Analyse: Interne Kreml-Papiere zeigen russische Ziele im Ukraine-Krieg.

Moskau – Interne Dokumente aus der russischen Präsidialverwaltung zeichnen einer Analyse zufolge ein klares Bild möglicher Kriegsziele im Ukraine-Krieg. Demnach soll Russland große Teile des Donbas behalten, während die Ukraine als neutraler „Pufferstaat“ zwischen Russland und dem Westen dienen soll.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.

Die Unterlagen beschreiben zudem, wie ein mögliches Abkommen der russischen Bevölkerung verkauft werden könnte, wie das US-Analyseinstitut „Institute for the study of war“ (ISW) berichtet.

Kreml-Papiere enthüllt: So will Moskau den Krieg beendenAnalyse: Interne Kreml-Papiere zeigen russische Ziele im Ukraine-Krieg. © © IMAGO / SNA / Archivbild

Das russische Rechercheportal „Dossier Center“ veröffentlichte laut ISW am 7. Mai Präsentationsfolien mit dem Titel „Nach dem Sieg“. Die Unterlagen sollen von Mitarbeitern des stellvertretenden Leiters der russischen Präsidialverwaltung, Sergei Kirijenko, erstellt worden sein.

Sorgen um russische Wirtschaft wegen Kriegsfolgen

Die Präsentation beschreibt den Angaben zufolge das „wahrscheinlichste Szenario“ für ein Ende des Krieges in der Ukraine. Außerdem gehe es darum, wie eine mögliche Vereinbarung der russischen Bevölkerung vermittelt werden könne, wie das ISW in seinem täglichen Bericht zum Ukraine-Bericht mitteilt.

Mitarbeiter der Präsidialverwaltung arbeiteten bereits seit Februar 2026 an den Unterlagen. Eine Quelle aus dem Umfeld der Behörde habe erklärt, die russische Führung sorge sich wegen der militärischen Lage und wegen der Folgen des Krieges für die russische Wirtschaft.

Szenario: Selenskyj soll im Amt bleiben

Das beschriebene Szenario sieht demnach zwei getrennte Friedensabkommen der USA mit Russland und der Ukraine vor. Russland solle demnach die Kontrolle über die Regionen Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine erhalten. Gleichzeitig solle Russland sich aus den Regionen Sumy und Charkiw im Nordosten der Ukraine zurückziehen. In den Regionen Cherson und Saporischschja im Süden des Landes solle die Frontlinie eingefroren werden.

Die Unterlagen gingen laut Bericht außerdem davon aus, dass die USA ihre Sanktionen gegen Russland aufheben würden. Europäische Sanktionen sollten dagegen bestehen bleiben. Die Ukraine solle laut den Papieren neutral bleiben und als „Pufferzone“ zwischen Russland und dem Westen dienen. Präsident Wolodymyr Selenskyj solle demnach im Amt bleiben.

Präsentation warnt vor Risiken eines langen Krieges

Die Präsentation erklärte laut Bericht auch die Risiken einer Fortsetzung des Krieges. Ein längerer Krieg könne Russland dazu zwingen, die gesamte Wirtschaft vollständig auf Kriegsbetrieb umzustellen und eine allgemeine Mobilmachung einzuführen.

Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgenEin US-Kampfpanzer M1 Abrams fährt während eines Trainingstages bei der Übung Africa Lion 2012 einen Feldweg hinunter. (Archivbild)Fotostrecke ansehen

Außerdem wird auf demografische Probleme durch hohe Verluste hingewiesen. Teile der ultranationalistischen Szene in Russland würden dieses Szenario laut den Folien vermutlich ablehnen.

„Das beste für Russland“

Die Folien enthielten laut Bericht außerdem Vorschläge für die öffentliche Darstellung eines möglichen Abkommens. Dabei solle vermittelt werden, Russland habe eine humanitäre Katastrophe im Donbas verhindert und ohne allgemeine Mobilmachung das Maximum erreicht.

Außerdem solle erklärt werden, dass Wladimir Putin westliche Versuche verhindert habe, den Krieg auszuweiten und zu verlängern. Putin wisse demnach, „was das Beste für Russland ist“.

Motivation der Veröffentlichung unklar

Das ISW bewertet die Veröffentlichung laut Bericht als möglichen Teil einer Informationskampagne. Die Unterlagen seien keine offizielle russische Position für Verhandlungen. Das ISW schreibt jedoch, das dargestellte Szenario entspreche weitgehend den Forderungen, die der Kreml in den vergangenen Monaten öffentlich vertreten habe.

Die Veröffentlichung könne deshalb dazu dienen, Russland als kompromissbereit darzustellen. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen den vom russischen Präsidenten Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg.