Wieder einmal hat die Begegnung zwischen dem VfB Stuttgart und Bayer 04 Leverkusen Endspiel-Charakter. Was sich in den vergangenen Jahren zu einem oftmals unterhaltsamen bis rasanten Duell entwickelt hatte – die vergangenen neun Begegnungen beider Mannschaften blieben mit nur einer Ausnahme nie torlos, zuletzt fielen jeweils einmal fünf und sieben Treffer – gipfelte im Supercup-Finale 2024 in einem Spiel mit großem Unterhaltungswert. Der amtierende Meister aus Leverkusen empfing damals den Pokalsieger Stuttgart, bereits nach 15 Minuten hatten beide Mannschaften einmal getroffen.
Es entwickelte sich ein Spiel mit vielen Torchancen auf beiden Seiten, an dessen Ende Bayers damals so gefürchtete Schlussphasen-Stärke zuschlug und Patrik Schick zwei Minuten vor Ablauf der Spielzeit für die Werkself zum 2:2 ausglich. Im Elfmeterschießen setzten sich die Rheinländer mit 4:3 schließlich durch, die Schwaben verschossen zweimal vom Punkt. Die anstehende Partie an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) könnte durchaus turbulent verlaufen – auch wenn die ganz große Dramatik eines Finals kaum zu kopieren ist. Denn für den Tabellenvierten Bayer 04 und den punktgleichen Fünften Stuttgart ist dieses Spiel von elementarer Bedeutung im Kampf um die Champions-League-Qualifikation über Rang vier.
Weg in die Champions League nur über Platz vier
Seit Donnerstagabend steht fest, dass die Bundesliga keinen fünften Startplatz für die Königsklasse erhält. Über den Uefa-Verbands-Koeffizienten sammeln die Ligen durch die Ergebnisse ihrer Klubs in den europäischen Wettbewerben Punkte. Die beiden bestplatzierten Länder erhalten in der kommenden Saison jeweils einen zusätzlichen Champions-League-Platz. Trotz des Einzugs des SC Freiburg ins Europa-League-Finale kann Deutschland den entscheidenden Rang nicht mehr erreichen – der fünfte Startplatz geht an die spanische Liga.
Grund genug für Bayer, am vorletzten Spieltag den nächsten Schritt zu machen: Mit einem Sieg könnte sich die Werkself drei Punkte Vorsprung auf Stuttgart verschaffen – und hätte die Teilnahme an der Königsklasse vor dem letzten Bundesliga-Spieltag weiter in der eigenen Hand. Auch die TSG Hoffenheim auf Platz sechs ist mit Leverkusen und Stuttgart punktgleich, hat aber die schlechteste Tordifferenz des Trios und lauert darauf, bei einem möglichen Unentschieden der beiden Konkurrenten sowie einem eigenen Sieg gegen Werder Bremen doch noch auf Rang vier zu springen.
Dass das direkte Duell gegen den VfB immer auch eine sportliche Standortbestimmung ist, hat das Hinspiel dieser Saison gezeigt. Ausgerechnet im ersten Bundesligaspiel nach der Winterpause wurde Leverkusen in der heimischen BayArena deutlich an die Grenzen geführt. Stuttgart dominierte die Partie von Beginn an, schaltete immer wieder schnell um und spielte seine Chancen konsequenter aus. Zur Halbzeit führte der VfB bereits 4:0 – und ließ der Werkself trotz höheren Ballbesitzwerten kaum Räume, um überhaupt Torgefahr zu entwickeln. Der Leverkusener Treffer durch Alejandro Grimaldo fiel im zweiten Durchgang per Elfmeter und war letztlich nur Ergebniskosmetik.
Hjulmand sieht Werkself deutlich verbessert als im Hinspiel
Auch VfB-Trainer Sebastian Hoeneß bestätigte der Werkself eine Weiterentwicklung und erinnerte an das Hinspiel: „Es ist eines der besten Spiele, die wir in diesem Jahr gemacht haben.“ Vor dem erneuten Duell formulierte er den Anspruch an Mannschaft und Fans: „Jeder, der im Stadion sitzt, weiß genau, was zu tun ist. Wir wollen gemeinsam etwas abbrennen, aber ich will nicht viele Worte verlieren. Es geht jetzt einfach darum, zu machen.“