Der Journalist Werner Alberts, der seine Wurzeln bei der WAZ hat und viele Jahre Ehrenvorsitzender des Deutschen Journalismusverbandes in Essen-Mülheim-Oberhausen war, ist am 15. April im Alter von 87 Jahren verstorben.

1938 in Dortmund geboren, wächst Werner inmitten von Kriegswirren und Mangel im Ruhrgebiet auf. Mit gerade einmal 20 Jahren kommt er im in Schutt und Asche liegenden Nachkriegsdeutschland zum Journalismus – zunächst bei der WAZ, wo er auch mit der bekannten Essener Fotografin Marga Kingler zusammenarbeitet, dann im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Im Jahr 1964 etabliert Klaus von Bismarck, Urgroßneffe des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck, und damals WDR-Intendant in Essen einen regionalen Ableger des noch jungen Senders, ein Ein-Mann-Studio mit Werner Alberts als Reporter der ersten Stunde. Er berichtet über die Beatles in der Grugahalle, über die Entführung von Aldi-Gründer Theo Albrecht, über das Gladbecker Geiseldrama und über den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1987.

37 Jahre bleibt er dem WDR-Studio am III. Hagen und dem Hörfunk treu, springt in der Vakanz kurzzeitig für die Studioleitung ein, fördert und fordert zahlreiche Kollegen und Kolleginnen. An der heutigen Universität Duisburg-Essen bringt Werner jungen Studierenden den Lokaljournalismus nahe – eine Aufgabe, die er immer sehr geliebt hat. Genauso wie sein Ferienhaus im nordholländischen Küstenort Callantsoog, wo er seine Zeit abseits des Journalismus gerne verbracht hat.

Besondere Freundschaft zur Familie Heinemann

Dem Radio schließen sich das Fernsehen und später das Internet beim WDR an. Werner Alberts geht in Rente – jedoch nicht in den vollständigen Ruhestand. Er bleibt dem Sender als freier Autor verbunden und widmet sich mit spitzer Feder einer besonderen Freundschaft. Diese pflegt er über viele Jahrzehnte zur Essener Familie Heinemann, im Besonderen zu Uta Ranke-Heinemann, für die er gelegentlich sogar gekocht hat.

Sie, älteste von vier Kindern Gustav Heinemanns, des dritten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, habilitiert 1969 als erste Frau weltweit in katholischer Theologie. Werner Alberts zeichnet ihr Leben und ihre Lebensleistung als Biograf in „Uta Ranke-Heinemann. Abschied vom Christentum“ nach.

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Als Vorsitzender prägt Werner Alberts den DJV-Bezirksverein Essen, der später zum DJV Essen-Mülheim-Oberhausen (EMO) fusioniert, fast 20 Jahre lang. Er führt den Stammtisch ein, zunächst im Europahaus auf dem Kennedyplatz, später wandert dieser durch die Gastronomiebetriebe der Stadt. Hier tauscht sich die Presselandschaft der Region aus – von WAZ, NRZ, WDR, Pressestellen & Co.

Werner Alberts und der blaue Himmel über der Ruhr: Den habe er im Alleingang gerettet

Nach der Jahrtausendwende wird Werner Alberts Ehrenvorsitzender des DJV EMO. Als ihm zur Feier des Tages „kurz“ das Wort erteilt wird, holt der rüstige Rentner aus. Gebannt lauschen die Anwesenden seinem halbstündigen Monolog über die „gute alte Zeit“ in der Redaktion und im Ruhrgebiet. Werner kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, er sprudelt vor Erinnerungen. Und natürlich landet die Runde am Ende bei seinem Lieblingsthema: dem blauen Himmel über der Ruhr. Diesen habe er dem Vernehmen nach im Alleingang „gerettet“, indem er etliche Sendungen über die Luftverschmutzung im Revier produziert habe. mit Pascal Hesse