Eigentlich war Christopher Nolans „Die Odyssee“ mein meisterwarteter Film 2026. Doch ein Satz aus dem neuen Trailer zum Schlachten-Epos hat nun meine Vorfreude getrübt.

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Christopher Nolan ist ein Meister darin, komplexe und epische Geschichten mit bildgewaltiger Exzellenz, unfassbaren Details und innovativer Technik zu einem Erlebnis auf der großen Leinwand zu vereinen, wie es im Grunde nur ihm gelingt. Er spielt deutlich in einer ganz anderen, in seiner eigenen Liga.

Was ihm dagegen weniger liegt, sind Charakterzeichnung und Dialoge. Zugegeben, dem 55-Jährigen gelang es bislang ein ums andere Mal, diese – wenn man so will – Unzulänglichkeiten (auf hohem Niveau) eben mit seiner spektakulären Erzählstruktur zu übertünchen.

Umso mehr hatte ich mich darauf gefreut, zu sehen, wie Nolan das fast 3.000 Jahre alte Epos „Die Odyssee“ des griechischen Dichters Homer neu interpretiert. Immerhin gibt es bereits über 30 Verfilmungen, darunter „Die Fahrten des Odysseus“ mit Kirk Douglas, die ihr über Amazon auf Blu-ray erhaltet.

Just hat Universal Pictures einen brandneuen Trailer veröffentlicht; und darin hat mich ein Satz sprachlos zurückgelassen: Bei Minute 1:22 sagt Tom Holland als Telemachos im englischsprachigen Original tatsächlich „My dad is coming home“. Als würde er quasi sagen: „Mein Paps ist bald wieder da.“ Und als wäre das nicht genug, sagt Matt Damon als Odysseus kurz darauf „Let’s go!“ zu seinen Männern (!). Da lobe ich mir ausnahmsweise die deutsche Synchronfassung, die hier deutlich „vorlagengetreuer“ klingt:

Die Odyssee - Trailer Deutsch„Die Nutzung des Wortes ‚Dad‘ verwirrt mich“: Netzgemeinde zeigt sich überrascht von Christopher Nolans Dialogwahl

Habe ich etwa aus Versehen den Trailer zu Uwe Bolls „Schwerter des Königs – Dungeon Siege“ angeklickt? Oder ist das eine KI-generierte „moderne Sprachfassung“? Ja, bei seinem Besuch in der Sendung „The Late Show with Stephen Colbert“ hat Nolan in der Tat das griechische Epos als „das Marvel seiner Zeit“ bezeichnet. Hat er deswegen derart saloppe Dialoge verfasst?

In Homers Werk nannte Telemachos seinen Vater entweder Patér, Patros esthlos (edler Vater) oder Patér phile (geliebter Vater). Er nannte ihn weder Páppa noch Táta. Selbst im Englischen wurde der Begriff Dad erst ab dem 15. Jahrhundert erstmals dokumentiert. Auch auf Reddit stören sich nicht wenige an der Wortwahl:

„Die Art und Weise, wie die Charaktere sprechen, klingt ziemlich modern und befremdlich. In Filmen wie diesem hätte ich wesentlich elegantere und poetische Dialoge erwartet.“

– SamerAgbaria

„Die Nutzung des Wortes ‚Dad‘ verwirrt mich in jenen Zeiten. Hätte hier eher ‚Father‘ erwartet.“

– Purple-Crab3759

Versteht mich nicht falsch, ich bin mir zu 99,9 % sicher, dass Nolan es dennoch einmal mehr schaffen wird, das Publikum und mich komplett in seinen Bann zu ziehen und vollends begeistert aus den Kinos zu entlassen. Natürlich vorausgesetzt, dass man sich nicht zu sehr auf die Dialoge versteift und jedes Wort auf die Goldwaage legt. Dennoch dürfte in diesem Fall tatsächlich die deutsche Synchronfassung „besser“ sein. „Die Odyssee“ startet hierzulande am 16. Juli 2026 in den Kinos.