Jaroslaw Schelesnjak erhebt die Stimme. Der ukrainische Oppositionsabgeordnete steht Ende vergangener Woche am brusthohen Rednerpult im Plenarsaal der Werchowna Rada, des „Obersten Rates“. Auf einem Video aus der Parlamentssitzung blickt er anklagend in die Runde.

„Werden wir als Parlament aufklären, wie eine Firma mit Verbindungen zum Präsidenten und seinem Freund einen 1,5-Milliarden-Dollar-Deal mit dem Verteidigungsministerium abschließen konnte?“, fragt er.

Am Tag zuvor hatten die Zeitung „Ukrainska Prawda“, Schelesnjak und ein weiterer Oppositionspolitiker neue Enthüllungen im größten Korruptionsskandal der ukrainischen Geschichte veröffentlicht.

Der hatte begonnen mit Razzien und Rücktritten mehrerer Minister sowie des Präsidialamtschefs Andrij Jermak. Zwischenzeitlich war es dann wieder still geworden.

Doch jetzt sind mutmaßliche Protokolle abgehörter Gespräche rund um den Geschäftsmann und Präsidentenfreund Timur Minditsch aufgetaucht – und wenn diese wirklich echt sind, könnten sie Wolodymyr Selenskyj gefährlich werden.