RWTH-Studie

„Wer KI entwickelt, denkt anders als jene, die mit ihr leben müssen“

08.05.2026 – 16:06 UhrLesedauer: 2 Min.

imago images 0781476466Vergrößern des Bildes

Glasfaserkabel auf einer Platine (Symbolbild): KI darf kein Technikzwang sein, sondern muss der Gesellschaft dienen, finden RWTH-Wissenschaftler. (Quelle: IMAGO/Andrew Brookes)

Forscher der RWTH warnen vor Künstlicher Intelligenz, die nicht auf die Bedürfnisse der Gesellschaft zugeschnitten ist. Sie zeigen aber auch auf, wie man dagegen vorgehen kann.

Forscher bewerten Künstliche Intelligenz deutlich positiver als viele andere Menschen. Das zeigt eine neue Studie der RWTH Aachen. Dabei habendie Aachener Forscher große Unterschiede bei der Bewertung von Künstlicher Intelligenz zwischen Experten und normaler Bevölkerung festgestellt.

Für die Untersuchung befragte das Team um Professorin Martina Ziefle nach eigenen Angaben 1.100 repräsentativ ausgewählte Bürger sowie 119 Fachleute aus dem Bereich KI. Im Mittelpunkt standen verschiedene Einsatzfelder von Künstlicher Intelligenz. Dazu zählten medizinische Diagnosen, autonome Waffensysteme und politische Entscheidungen.

Studienleiter Philipp Brauner sagte: „Wer KI entwickelt, denkt anders über KI als jene, die mit ihr leben müssen.“ Experten hielten KI-Entwicklungen für wahrscheinlicher, nützlicher und weniger riskant als die Allgemeinbevölkerung.

Besonders deutlich werde das bei der Gesamtbewertung von KI. Brauner erklärte: „Für uns war besonders aufschlussreich, dass bei Expertinnen und Experten das Gesamturteil über KI fast dreimal stärker vom wahrgenommenen Nutzen als vom wahrgenommenen Risiko bestimmt ist.“ In der Bevölkerung sei dieser Abstand deutlich geringer. Risiken fielen dort stärker ins Gewicht.

Beide Gruppen bewerteten laut Studie ähnliche Bereiche positiv oder kritisch. KI in der Medizin gelte überwiegend als sinnvoll. Anwendungen im Militär würden dagegen eher kritisch gesehen. Große Unterschiede zeigten sich bei Themen wie Justiz, politischer Entscheidungsfindung oder sozialer Überwachung.

Die Forschenden warnen zudem vor einem strukturellen Risiko. Brauner sagte: „Wir nennen das ,Prokrustische KI‘. Diese ist nicht auf die Gesellschaft zugeschnitten, sondern erwartet, dass die Gesellschaft sich ihr anpasst.“ Wenn KI vor allem nach ihrem Nutzen entwickelt werde, könnten Systeme entstehen, die die Sorgen und Prioritäten vieler Menschen nicht ausreichend berücksichtigten.

Als Lösung fordert das Forschungsteam mehr Beteiligung der Bevölkerung. Brauner ergänzte: „Die Lösung ist einfach: Mehr Partizipation und Beteiligung der Bevölkerung an Entwicklung, Einführung und Regulierung von KI.“