„Wir gedenken der 500 Menschen, die von der Gesellschaft damals nicht als Menschen angesehen wurden“, sagt eine Lehrerin der Hauptschule Schwalmtal. „Wir sind alle gleich. Es gibt nur ein menschliches Blut. Seid doch Menschen“, fügt ein Schüler hinzu, und ein weiterer sagt: „Schaut nicht auf das, was euch unterscheidet, sondern auf das, was euch verbindet.“

Am 8 Mai, dem Tag der Befreiung, gedenkt Deutschland traditionell den Opfern des Nationalsozialismus. Hostert ist auf grausame Weise mit diesem Kapitel verbunden. Zwischen 1939 bis 1945 wurden in der „Abteilung Waldniel“ mehr als 500 Kinder und Erwachsene getötet. Ihre Namen sind nicht vergessen. Man findet sie auf der dunklen Wand am Rand des ehemaligen Anstaltsfriedhofs in Form von Plaketten. Das Leiden der Getöteten, das ihrer Angehörigen und die Unmenschlichkeit der Täter sind vielfältig dokumentiert.

Trotzdem mahnten die anwesenden Redner und Organisatoren, die Erinnerung zu erhalten. Landrat Bennet Gielen (CDU) zitierte beispielsweise Hape Kerkeling, der kürzlich eine Rede in Buchenwald hielt: „Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre ein Schlussstrich unter unsere Demokratie.“ Die wichtigste Botschaft sei es, Verantwortung zu übernehmen. Bürgermeister Andreas Gisbertz fügte hinzu: „Die Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit ist nicht immer leicht, aber unsere Gesellschaft ist heute mehr denn je darauf angewiesen. Insbesondere weil es immer weniger Zeitzeugen gibt.“

Die eingangs erwähnte Hauptschule Schwalmtal übernimmt seit 1987 die Patenschaft für die Gedenkstätte Hostert. Neben ihr waren Klassen sechs weiterer Schulen aus dem gesamten Kreis anwesend. Zusammen mit der Hauptschule wurde die Gedenkstunde vom Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Gewerkschaft Erziehung und Wirtschaft (GEW) organisiert.