Schon viele Male haben die Teilnehmenden die Fontäne des „Jröne Jong“ im Weiher neben dem Theatermuseum gesehen. An diesem Sonntagnachmittag schauen sie aber einmal genauer hin. Denn Felix Rissel hat sie auf ein Detail aufmerksam gemacht, das manch einer bislang gar nicht wahrgenommen hat. Doch bevor der Historiker der Gruppe dieses offenbart, fragt er in die Runde: „Wer weiß, warum der Jröne Jong auch den Namen ‚der ungebetene Gast‘ trägt?“ Die Figur im Teich zeigt den Wassergott Triton, so viel ist klar. Aber wer ist wohl der ungebetene Gast? „Es ist ein Flusspferd, dessen Kopf die Fontäne speit und Triton beim Frühstück stört“, erklärt der Historiker und erntet für diese Info Erstaunen. Nicht das einzige Tier, das die rund 20 Teilnehmenden beim Spaziergang durch Düsseldorfs beliebteste Grünanlage treffen werden.
Seit rund vier Jahren führt Felix Rissel Gruppen durch den Hofgarten, erzählt von Theatergrößen, Gartenarchitektur und Sichtachsen. Dabei macht der 49-Jährige nicht nur Geschichte lebendig, er stellt auch Bezüge zur Gegenwart her – und räumt dabei gleich mit so manchem Klischee oder Missverständnis auf.
Beispielsweise als es um die Neugestaltung der Fläche ging, die nach dem Abriss des Tausendfüßers „angeblich die historische Verbindung zwischen den beiden Hofgartenteilen wieder herstellen sollte“. Das sei falsch, stellt Rissel klar. „Diese Verbindung hat es nie gegeben.“
Auch die Reiterallee heiße eigentlich Jägerhofallee, erzählt er weiter, und der Experte weiß ebenso, wie es wohl zur Verwechslung kam. „Hier starten immer die Schützenumzüge mit Pferden und Wagen. Das hat sich im Volksmund einfach so eingebürgert“. Die „Reitallee“ liegt tatsächlich im Teil des Hofgartens, der sich gegenüber des Hofgärtnerhauses mit dem Theatermuseum befindet. Dort steht ein röhrender Hirsch, gestaltet von Bildhauer Josef Pallenberg. Es sei nicht mehr das Original, sagt Rissel seinen Zuhörern, weil dessen Material durch Korrosion so beschädigt worden sei, dass es abgebaut und durch eine Replik ersetzt werden musste.
Auch hinter dem beliebten Fotospot Ananasberg verbirgt sich eine spannende Geschichte. „Der entstand, weil der Aushub für den Hafen irgendwo hin musste“, weiß Felix Rissel. Und er kann gleich noch mit einer weiteren Information punkten. 1836 wurde darauf ein Café eröffnet, denn „der Hofgarten war damals ein beliebtes Ausflugsziel“, nimmt Rissel sein Publikum mit in die Vergangenheit. „Damals lag der Hofgarten praktisch an der Stadtgrenze.“ Nachdem das darauf folgende Restaurant im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, fand sich kein Gastronom, der auf dem Ananasberg neu eröffnen wollte, „weil es keine Anbindung an die Kanalisation gab und niemand bereit war, die Kosten dafür zu übernehmen“, weiß Rissel zu berichten.
Auch aktuellere Ereignisse sind Thema seiner Führung, wie beispielsweise das Orkantief Ela, das 2014 eine Schneise der Verwüstung im Park hinterließ und dem allein dort 370 Bäume zum Opfer fielen. „Die Aufforstung begann zwar recht schnell, konnte aber erst 2024 wirklich abgeschlossen werden“, resümiert der Düsseldorfer beim Blick auf die Jungbäume an der Reitallee.
Bis Dezember unternimmt Felix Rissel einmal im Monat sonntagnachmittags einen Hofgartenspaziergang. Rund 90 Minuten dauert seine Führung, die gespickt ist mit Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen. Startpunkt ist immer das Theatermuseum im Hofgärtnerhaus.