Am Vormittag ist es ruhig in Schöneweide. Die 21 rollt an den Häusern vorbei, durch das gutbürgerliche Viertel, Richtung Norden. Danach öffnet sich der Blick zum Grünzug: der Volkspark Wuhlheide, Joggerinnen, eine junge Familie mit Kinderwagen. Kurz darauf werden die Fassaden kantiger, Gewerbehallen und Werkstore prägen das Bild – Industriegebiet. Wer weiter bis Friedrichshain fahren will, muss seit einigen Monaten aber früher aussteigen.

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Denn die Straßenbahnlinie 21 fährt aufgrund des Gleiszustands derzeit nicht zwischen Holteistraße und Marktstraße. Die Gleise müssten laut BVG zwingend vollständig ausgetauscht werden. Allerdings lohne sich eine Erneuerung nicht, da der Gleisabschnitt mit dem geplanten Bau der neuen Streckenführung über das Ostkreuz ohnehin wegfallen würde. Wann diese neue Strecke jedoch realisiert wird, ist noch unklar. Das bedeutet: Die Linie 21 dürfte für einige Zeit – möglicherweise sogar für Jahre – unterbrochen bleiben.

Wie viele Fahrgäste die einzelnen Tram-Linien am Tag transportieren, variiert stark.

Grüne: „Plan offensichtlich gescheitert“

Die BVG empfiehlt derzeit, auf den Bus 240 umzusteigen, der zwischen Wismarplatz und S-Bahn Rummelsburg die Verbindung übernimmt. Wie das Umsteigen in der Praxis klappt, zeigen Zahlen aus der Antwort der Senatsverwaltung auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Taschner. Demnach beträgt die Umstiegszeit in die Buslinie 240 teilweise nur eine Minute. Im Mittel sind es drei bis vier Minuten.

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Zu kurz, so Taschner. „Der Plan, den Schienenersatzverkehr auf den 240er-Bus zu verlagern, ist offensichtlich gescheitert“, sagte der Grünen-Politiker laut „Tagesspiegel“. Er forderte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) auf, die Tram 21 „wieder als durchgängige Linie zu ermöglichen und die notwendige Erneuerung der Gleise zwischen Marktstraße und Holteistraße vorzunehmen“.

Ersatzbus 21 nur kurzzeitig verfügbar

Im Alltag fällt die Bilanz gemischt aus. Eymen C., der mit einem Kollegen im Industriegebiet zusteigt und in Friedrichshain wohnt, sieht es gelassen: „Uns macht das nichts aus mit den Umstiegen. Aber wir sind auch fit zu Fuß.“ Martina B., die fast täglich von Schöneweide zu ihrer 86-jährigen Mutter nach Friedrichshain fährt, sagt gegenüber der Berliner Morgenpost: „Es ist natürlich beschwerlicher mit diesen Umstiegen. Vor allem wenn man gerade so den 240er verpasst und auf den nächsten warten muss. Das ist nach einem Arbeitstag schon ärgerlich, aber aushaltbar.“

Präsentation der neuen BVG-Straßenbahn

Zusätzlich sei derzeit auch eine Ersatz-Buslinie 21 unterwegs, so Martina: „Da ist das Angebot ja auch noch mal höher.“ Das Angebot besteht aber nur bis zum 10. Mai. Der Ersatz wurde nämlich nicht wegen der altbekannten Stilllegung eingerichtet, sondern wegen kurzzeitiger Bauarbeiten rund um den Roederplatz.