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Herstellung von Bandstahl in einem Werk in Hagen: Der Stahlhersteller Eberle aus Augsburg ist insolvent (Archivbild). © IMAGO/Sepp Spiegl/imago
Das Augsburger Traditionsunternehmen Eberle steckt in der Insolvenz. Der Betrieb läuft zunächst weiter, doch die Stahlbranche setzt dem Spezialisten massiv zu.
Augsburg – Das nächste bayerische Traditionsunternehmen ist in Schieflage: Die J.N. Eberle & Cie. GmbH aus Augsburg hat Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Augsburg ordnete am Mittwoch, 6. Mai, die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Georg Jakob Stemshorn von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH bestellt.
Für die rund 250 Mitarbeiter gibt es zunächst eine wichtige Entlastung: Der Geschäftsbetrieb läuft unverändert weiter, Aufträge werden weiter bearbeitet, die Ansprechpartner sind erreichbar. Die Löhne und Gehälter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Eine Vorfinanzierung wird derzeit eingeleitet.
Die Beschäftigten wurden am Donnerstag, 7. Mai, bei einer Belegschaftsversammlung über die Lage informiert. Der vorläufige Insolvenzverwalter und sein Team verschaffen sich nun einen Überblick über die wirtschaftliche Situation und mögliche Lösungen. In den kommenden Wochen soll ein strukturierter M&A-Prozess starten, um Kapital oder neue Investoren zu gewinnen.
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Hohe Energiepreise und schwache Nachfrage belasten den Betrieb
Nach Angaben der Verantwortlichen führten Liquiditätsschwierigkeiten zum Gang vor das Insolvenzgericht. Belastend wirken demnach die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Stahlsektor: geopolitische Konflikte, hohe Energiepreise und Unsicherheiten im internationalen Umfeld drücken auf die Nachfrage bei Industriekunden.
Eberle ist auf Präzisionsbandstahl, Bimetall und Bandsägen für industrielle Anwendungen spezialisiert. Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1836 zurück. Auf der eigenen Unternehmensseite betont Eberle, seit damals in Deutschland zu fertigen und sich auf anspruchsvolle Nischenmärkte zu konzentrieren.
Geschäftsführer Gernot Egretzberger verweist auf die technologische Kompetenz des Unternehmens, langjährige Kundenbeziehungen und eine klare Marktpositionierung. Genau diese Stärken sollen nun helfen, eine tragfähige Lösung für den Standort zu finden.
Auch Muttergesellschaft Greiffenberger betroffen
Die Krise betrifft nicht nur Eberle. Auch die Muttergesellschaft Greiffenberger AG hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die börsennotierte Holding hat selbst keinen operativen Geschäftsbetrieb; zur Gruppe gehören weitere Gesellschaften in Polen, Italien, Frankreich, den USA und Südkorea.
Für Kunden und Beschäftigte ist vorerst entscheidend: Der Augsburger Betrieb steht nicht still. Die Produktion läuft weiter, bestehende Aufträge werden bearbeitet, das internationale Vertriebsnetz bleibt zunächst aktiv. Wie die Zukunft des Traditionsunternehmens aussieht, hängt nun von den laufenden Prüfungen und der Suche nach Investoren ab.
Damit wird aus der Insolvenz ein Wettlauf um Zeit, Vertrauen und neue Perspektiven. Für Eberle geht es nicht nur um Zahlen, sondern um einen Standort mit fast 190 Jahren Industriegeschichte – und um 250 Menschen, deren Jobs vorerst gesichert sind, deren langfristige Zukunft aber noch offen bleibt. (mh)