Unter dem Motto „Wehrpflicht stoppen“ sind am Freitagvormittag rund 50 Demonstranten durch die Düsseldorfer Innenstadt gezogen, die meisten von ihnen Schüler. Bereits am Morgen hatten nach Polizeiangaben rund 70 Teilnehmer gegen die Wiedereinführung des Wehrdienstes demonstriert. Dazu aufgerufen hatte unter anderem die Landesschülervertretung NRW. Hintergrund ist ein bundesweiter Aktionstag.
„Ich will nicht, dass die Jugend als Kanonenfutter verwendet wird“, sagt Noemi Prinz. Sie ist 13 Jahre alt und besucht die 8. Klasse des Wim-Wenders-Gymnasiums. In der Schule, erzählt sie, spiele das Thema Wehrpflicht gar keine Rolle: „Das wird bei uns überhaupt nicht behandelt, nicht mal im Politikunterricht“.
Unter den Teilnehmern ist auch ein Aktivist von Fridays for Future. „Ich habe Angst um unsere Zukunft. Ich habe Angst um unseren Planeten. Ich habe Angst, an der Front zu sterben“, sagt er.
Doch die Kritik richtet sich nicht nur gegen den Wehrdienst. „Während unsere Schulen verrotten, fällt den Politikern nichts Besseres ein, als Geld für Waffen auszugeben“, ruft Charlotte ins Mikrofon, eine der Initiatorinnen der Demonstration. Eine andere Rednerin sagt, Kriege dienten nur den Chefs von Rüstungskonzernen. „Die Reichen wollen Krieg“ skandieren die Demonstranten, und „An jedem Krieg in jedem Land verdient am Schluss die Deutsche Bank“. Ein Teilnehmer schwenkt eine Fahne mit der Aufschrift „revolutionäre sozialistische Organisation“. Laut wird das Grußwort einer Linken-Politikerin aus dem Bundestag vorgelesen.
Paula und Indira können hingehen grundsätzlich nachvollziehen, dass die Bundeswehr mehr Soldaten sucht. Beide besuchen die 10. Klasse des Leibniz-Montessori-Gymnasiums. Auch, dass Offiziere in Schulen gehen, um dort über die Bundeswehr aufzuklären, finden sie in Ordnung. „Aber kein Zwang“, betonen sie.
Anfang Dezember hatte der Bundestag beschlossen, dass 18-Jährige Fragebögen zum freiwilligen Wehrdienst erhalten. Verschickt wurden sie im Januar. Für Männer ist die Beantwortung verpflichtend. Laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland hat jedoch mehr als jeder vierte junge Mann den Fragebogen nicht ausgefüllt. Nun drohen ihnen Bußgelder. Sollten sich nicht genug Freiwillige für den Wehrdienst melden, könnte der Bundestag außerdem eine „Bedarfswehrpflicht“ einführen, die Zwangsmusterungen und -einberufungen ermöglicht.