Der Zeitplan steht für Serge Aubin. Er ordnet seine Dinge in den nächsten Tagen. Am 18. Mai macht sich der Kanadier dann auf in die Heimat, um „noch einmal kurz meine Familie zu sehen“. Damit beendet der 51-Jährige ein wichtiges Kapitel in seiner Karriere. Seine Zeit als Trainer der Eisbären Berlin liegt dann hinter ihm. „Das werde ich nie vergessen, es war unglaublich. Es gibt keinen Tag, den ich bereue. Das war eine besondere Erfahrung in meinem Leben“, erzählt er.
Aubin hätte bleiben können. Sein Vertrag lief noch zwei weitere Jahre. Doch sein Erfolg fiel auch anderen auf. Fünf Meisterschaften gewann er mit dem EHC in den vergangenen sechs Jahren in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Wenn er das Play-off mit dem Team erreichte, triumphierten die Berliner auch. Der SC Bern, eines der Schwergewichte im europäischen Eishockey, trat deshalb an ihn heran. Die Eisbären gaben ihn frei, sogar ohne Ablöse. „Wir wollten ihm keine Steine in den Weg legen, weil er uns so viel gegeben hat“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer.
Eisbären Berlin trennen sich von acht Profis
Einen Tag nach dem Titelgewinn in Mannheim gab der Klub bekannt, dass sich die Wege trennen. Fünf Tage später haben die Eisbären nun die ersten Personalentscheidungen bezüglich der Mannschaft getroffen. Nach dem Coach verlassen auch acht Spieler den Klub. Neben Stürmer Marcel Noebels (34), der zwölf Jahre beim EHC spielte, gehen die Angreifer Blaine Byron (31), Jean-Sébastien Dea (32) sowie Lennard Nieleck (22), die Verteidiger Lester Lancaster (31) und Norwin Panocha (21) sowie die Torhüter Jonas Stettmer (24) und Jake Hildebrand (32).
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Parallel zu den personellen Wechseln teilte der Manager ebenso mit, dass die Verträge von Liam Kirk (26) und Yannick Veilleux (33) für zwei Jahre verlängert worden sind. Gleich für drei weitere Jahre haben Eric Mik (26) sowie Eric Hördler (21) unterschrieben. Eine weitere Saison bleiben Lean Bergmann (27) und Patrick Khodorenko (27). „Der Kern an deutschen Spielern ist sehr gut, sie sind in einem guten Alter“, so Richer. Dazu sind jetzt sieben Ausländerlizenzen vergeben. Bis zum Start der neuen Saison sollen zwei weitere für einen Torwart und einen Stürmer hinzukommen.
EHC-Fans können sich Sonnabend verabschieden
Vor dem großen Saisonabschlussfest vor der Uber Arena am Sonnabend (15 Uhr) haben die Eisbären damit für Klarheit gesorgt. Vor allem die Trennung von Noebels dürfte vielen Fans schwerfallen. „Er hat sich sehr verdient um unseren Klub gemacht und viel für die Eisbären getan“, so Richer. Doch ebenso der Abschied von Aubin wird viele noch länger beschäftigen. Der Trainer hat eine Ära geprägt in der DEL wie vor ihm nur Don Jackson. In drei bis vier Wochen will Richer einen Nachfolger präsentieren. Bei neuen Spielern gibt es keinen Zeitplan.

Torwart Jonas Stettmer und Verteidiger Lester Lancaster (r.) verlassen die Eisbären Berlin.
© picture alliance / nordphoto GmbH | Engler
In den vergangenen Tagen schaute sich der Sportdirektor bereits intensiver auf dem Markt um. „Es wird eine Herausforderung für mich, einen Trainer zu finden, der zu uns passt“, erzählt Richer. Mit Aubin hatte er nicht nur einen Coach an seiner Seite, sondern einen Freund. Daran erinnerte auch Aubin noch einmal, weil ihm das den Start in Berlin bei den Fans etwas erschwerte. Seine sportlichen Verdienste überzeugten damals nicht alle. Inzwischen ist das anders. „Ich habe mich weiterentwickelt, ich bin ein besserer Trainer heute“, sagt selbst Aubin.
Eisbären Berlin sind für Aubin zukunftssicher aufgestellt
Eine wichtige Rolle dabei spielte Richer. „Wir haben gleich gedacht“, so der Kanadier. Dennoch sei er an einem Punkt, an dem er sich selbst herausfordern wolle. In der Schweiz arbeitete er auch vor seinem Wechsel zum EHC 2019. Beim ZSC in Zürich wurde Aubin allerdings zur Hälfte der Saison entlassen. Nun fühle er sich bereit, dort einen neuen Anlauf bei den Eidgenossen zu nehmen. „Das wird hart. Aber ich will sehen, ob ich dem gewachsen bin“, erzählt der Trainer. Um die Berliner sorgt er sich dabei nicht.
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Im Gegenteil, er sei überzeugt, dass das Team weiter Erfolg haben werde. „Ich war nur ein Teil davon, wir haben hier etwas Spezielles aufgebaut. Das ist eine starke Gruppe, die eng beisammen ist“, so der scheidende Coach. 420 Spiele begleitete er an der Bande der Eisbären. 265 davon gewannen die Berliner. Ob beide Seiten ihre großartige Bilanz unabhängig voneinander fortsetzen können, wird nun interessant. Aubin will zumindest die Identität des Eisbären-Spiels jetzt nach Bern tragen. Dort wartet man seit Jahren auf den Erfolg.