Prozess um Falschgeld in Stuttgart: Täter gibt sich reumütig: „Ich zahle nur noch mit Karte“ Die Fälschungen, die der Angeklagte in Umlauf bringen wollte, waren täuschend echt, sagt die ermittelnde Polizeibeamtin. Foto: Franziska Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Familienvater aus Rumänien wird beim Zahlen mit falschen 50-Euro-Scheinen ertappt. Der Prozess zeigt, wie er offenbar mit allen Mitteln versucht, seine Familie zu ernähren.

Nächste Woche werde er wieder zu seiner Familie nach Rumänien fahren, sagt der 38-jährige Familienvater. „Meine Tochter hat Konfirmation“, übersetzt der Dolmetscher. „Ach, schön“, sagt die Richterin am Amtsgericht Stuttgart Bad-Cannstatt. Der Mann, der in dunkler Jeans und dunklem Sweatshirt vor ihr sitzt, hat da bereits alles gestanden. Freundlich ist er, hält Besuchern der Gerichtsverhandlung die Tür auf und gewährt den Vortritt.

Leben fern der Familie

Schnell wird deutlich, hier soll einer eine zweite Chance bekommen, der jetzt und schon in der Vergangenheit versucht hat, seine Frau und die beiden elf und 13 Jahre alten Töchter mit ehrlicher und schwerer Arbeit zu unterstützen. Meist im Ausland, weit entfernt von ihnen. Nach zwei Jahren in seinem erlernten Beruf des Automechanikers, arbeitete der Familienvater im Trockenbau und dann zehn Jahre als Lkw-Fahrer. Seine eigene Autotransportfirma in Rumänien kam finanziell ins Trudeln. Auf 20 000 Euro beläuft sich der Kredit, den er bedienen muss.

Momentan arbeite er auf dem Bau in der Schweiz. Einmal in vier Wochen fahre er zu seiner Familie. Mit den gestiegenen Spritpreisen und den Mautgebühren koste das jedes Mal an die 450 Euro. Franken oder Euro, fragt die Richterin. „Mit der Karte“, sagt der Angeklagte. Er zahle jetzt nur noch mit Karte. Die Richterin muss schmunzeln.

Zweimal flog er auf

Ja, er habe versucht, mit Falschgeld zu zahlen. Zweimal. Beide Male flog er auf. Beim ersten Mal lief er einfach weg. An der Autobahntankstelle bei Baden-Baden war das. Kurz nach Mitternacht am 5. Oktober letzten Jahres hatte der Angeklagte dort eine Packung Zigaretten mit einem falschen 50-Euro-Schein bezahlen wollen.

Beliebtes Fälschungsobjekt: die 50-Euro-Note. Foto: dpa

Beim zweiten Mal, fünf Tage später, holte der Mitarbeiter des Abschleppdienstes, der das unrechtmäßig auf dem Parkplatz eines Baumarkts in Stuttgart-Bad Cannstatt abgestellte Auto des Angeklagten von dort wegbringen sollte, die Polizei. Der Angeklagte hatte die 200 Euro Auslöse mit vier falschen 50ern zahlen wollen. Er kam in U-Haft. Die Kaution in Höhe von 5000 Euro, durch die er zwei Monate später nach einer Haftprüfung auf freien Fuß kam, zahlte ein Freund. Es war sein erster Aufenthalt in Haft. Vorstrafen hat er keine.

Nennwert des Falschgeldes: 5600 Euro

Kurioserweise, die Richterin muss lachen, als die Hauptsachbearbeiterin der Kriminalpolizei es erzählt, fanden die Beamten in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim, zusätzlich zu den in der Seitentür seines Autos beschlagnahmten Scheinen, dann noch einmal ein Bündel Falschgeld in einer Bauchtasche beim Einchecken des Verdächtigen in die JVA. Insgesamt waren es damit 112 gefälschte 50-Euro-Scheine, Nennwert 5600 Euro. Üblicherweise kaufe man sie für 15 bis 20 Prozent des Nennwerts, erklärt die Kriminalhauptkommissarin auf Nachfrage des Staatsanwalts.

Die Fälschungen, das sagen die Nummern, stammten wohl aus den Niederlanden. Das lässt sich auch über die Mobiltelefondaten belegen. Am Tag vor der ersten Tat war der Angeklagte in Rotterdam. Auch Baden-Baden taucht in diesen Daten auf. Und von dem versuchten Zigarettenkauf an der dortigen Raststätte gibt es Videoaufnahmen, die den Angeklagten zeigen.

Das Urteil des Schöffengerichts kommt schnell. So schnell, dass Verteidiger und Angeklagter ihre Zigarettenpause vorzeitig beenden müssen. Das Gericht verurteilt den 38-Jährigen zu einer Gefängnisstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten, für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er eine Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro an die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe zahlen. Er wirkt erleichtert.