Ruhig gleitet die Gabarre über die Dordogne bei La Roque-Gageac. An Bord sitzen rund ein Dutzend Urlauber und lauschen den Geschichten des Steuermanns. „Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit den schweren Holzbooten rund 60 Prozent des Warenverkehrs von hier bis nach Bordeaux durchgeführt. Wein ging flussabwärts, zurück wurden die Boote mit Fleisch, Käse und Salz, das man für die Konservierung von Lebensmitteln brauchte, von Treidlern gezogen. Es gab ja noch keine Eisenbahn und keine Kühlschränke“ sagt er und lächelt.

Am Ufer stakst ein Reiher, Libellen in allerlei Farben flattern durch die Luft. Die traditionellen Häuser des Ortes posieren postkartentauglich vor einem gewaltigen Felsen und locken die Urlauber in exquisite Restaurants, Cafés und Boutiquen. Die Atmosphäre hier im Hinterland der Atlantikküste ist entspannt und nicht ganz so touristisch geprägt wie an der Küste.

Das Périgord, das ungefähr dem Département Dordogne entspricht, ist eine der waldreichsten Gegenden Frankreichs. Aber nicht nur das. Der Norden um Brantôme ist hügelig, um Périgueux gibt es ausgedehnte Kalksteinplateaus, um Sarlat dunkle Eichen- und Pinienwälder, um Bergerac ausgedehnte Weinanbaugebiete. So haben die Tourismusverantwortlichen für das Gebiet kurzerhand vier Regionen definiert: grünes, weißes, schwarzes und purpurnes Périgord. Ein Überblick

Charmante Stadt an der Isle

Périgueux ist das Drehkreuz des Périgord. Von hier sind die Sehenswürdigkeiten der Region schnell erreicht. Dabei hat die Kleinstadt am Fluss Isle selbst einiges zu bieten: skurrile Gebäude wie den ehemaligen Wachposten Eschif aus dem 14. Jahrhundert, die byzantinische Saint-Front Kathedrale und rund 80 Restaurants, zum Beispiel unter den gewaltigen Linden am Place Saint Silain. Im Sommer verwandeln sich die Plätze und Fußgängerzonen jeden Mittwochabend in einen einzigen Open-Air-Gourmet-Tempel. Einen Einblick in das Leben der Bourgeoisie vor 2000 Jahren bekommt man im Vesunna-Museum. Gebaut auf den Resten einer alten Villa, zeigt es rund 3500 Original-Objekte, zum Beispiel bronzene Ohrstäbchen. Schön ist der 200 Kilometer lange Radweg am Fluss Isle. Die Räder des Stadtservices Périvélo Libre leiht man am Bahnhof.

Sarlat ist ein Schmuckstück nahe der Dordogne. Bis zum 18. Jahrhundert lebte der wohlhabende Bischofssitz vom Handel mit Trüffel, Wein und Walnüssen. Das historische Flair liegt noch immer über dem Ort – eine perfekte Location für Hollywoodfilme wie „Cinderella“. Am zentralen Place de la Liberté stehen denkmalgeschützte Häuser aus goldgelbem Schieferkalkstein, in denen Wohnungen, Restaurants, Bars und Cafés untergebracht sind. In den wunderschönen Gassen, die mit Galerien, Werkstätten und kleinen Geschäften bestückt sind, leuchten abends Naturgas-Lampen. Seit 800 Jahren treffen sich dort am Samstagvormittag die Händler und bieten lokale Produkte an. In der gotischen Kirche Sainte-Marie fährt ein kostenloser Aufzug zu einem Aussichtspunkt hinauf. Im ehemaligen Gotteshaus selbst, das zum Markt umgestaltet wurde, kann man exzellentes Foie gras erwerben. Die Stopfleber, deren Herstellung andernorts aus Tierschutzgründen verboten ist, gehört zu den traditionellen Spezialitäten des Périgord.

Weinzentrum an der Dordogne

Bergerac ist die Region der Weinbauern und Schlösser. Fast zwei Dutzend Châteaux und rund 130 Weingüter stehen für Besucher offen. Am bekanntesten ist Monbazillac acht Kilometer südlich von Bergerac beim gleichnamigen Schloss. Die dortige Weinkooperative produziert einen süßen Weißwein, der hervorragend zu Foie gras und Blauschimmelkäse passt. Weitere Weine aus der Region werden im Quai Cyrano am Quai Salvette in Bergerac verkauft, einem ehemaligen Franziskanerkloster mit malerischem Kreuzgang. Schön sind auch die Fachwerkhäuser und Restaurants am Place de la Myrpe und das von Cafés umrangte Denkmal des berühmten Stadtpatrons Cyrano de Bergerac am Place Pélissière. Wer mit dem Boot fahren will, startet am Quai Salvette. Die Gabarres-Fahrten auf der Dor­dogne sind ein Höhepunkt.

Vom Fluss Dronne umarmt wird die Altstadt des Örtchens Brantôme. Riesengroß erhebt sich gegenüber am Nordwest­ufer die ehemalige Benediktiner-Abtei Saint-Pierre. Vom 45 Meter hohen Uhrenturm ist ein toller Ausblick garantiert: auf die Dronne, auf der man mit dem Kajak, Kanu oder Sight­seeing-Boot schippern kann, und auf die Altstadt-Insel. Ein Besuch in Brantôme lohnt besonders zur Marktzeit am Dienstagvormittag, wenn lokale Produzenten Kastanienblütenhonig und Walnussöl anbieten. Man schlendert durch die alten Gassen, bestaunt die 700 Jahre alten Arkaden-Häuser und die Pont Coudé, die zum früheren Mönchsgarten führt. Sehenswert ist auch das Château de Bourdeilles aus dem 16. Jahrhundert.

Wer das Périgord besucht, reist meist über Bordeaux ein, das einiges zu bieten hat. Der gewaltige Place de la Bourse an der Uferpromenade beeindruckt besonders am Abend, wenn die prachtvollen Gebäude schön beleuchtet sind. Beliebt ist auch das Les Bassins des Lumières, das größte digitale Kunstzentrum der Welt, in dem Ausstellungen stattfinden. Am schönsten aber ist ein Bummel durch die bunten Straßen der 250.000 Einwohner zählenden Universitätsstadt.