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Ein neues EU-System sorgt für stundenlange Staus – drohen Kroatien-Urlaubern verpasste Flüge und Chaos an der Passkontrolle? Das müssen Urlauber wissen.
Zagreb – Fingerabdruck, Gesichtsscan, Warteschlange – und das alles, bevor der Urlaub überhaupt begonnen hat. Wer diesen Sommer nach Kroatien reist und keinen EU-Pass in der Tasche hat, muss sich auf deutlich mehr Geduld an der Grenze einstellen. Schuld daran ist ein neues europäisches Grenzkontrollsystem, das ausgerechnet mitten in der Hochsaison eingeführt wird – und das bereits jetzt für handfestes Chaos sorgt.
Neues EU-Grenzsystem sorgt für stundenlange Staus – drohen Kroatien-Urlaubern verpasste Flüge und Chaos an der Passkontrolle? Das müssen Urlauber wissen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa | Henning Kaiser
Das Entry-Exit-System (EES) der EU läuft seit dem 12. Oktober 2025 schrittweise an und wurde im April 2026 an deutschen Flughäfen vollständig in Betrieb genommen, schreibt das Luftfahrt-Bundesamt. Es erfasst alle Reisenden aus Nicht-EU- und Nicht-Schengen-Staaten digital: Fingerabdrücke und Gesichtsbilder ersetzen künftig den klassischen Passstempel. Ziel ist es, die Einhaltung der erlaubten Aufenthaltsdauer von 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen lückenlos zu überwachen. Das Luftfahrt-Bundesamt empfiehlt Reisenden bereits jetzt ausdrücklich, ausreichend Zeit für das Durchlaufen der Grenzkontrollen einzuplanen.
Wartezeiten an Flughäfen nehmen für Urlauber deutlich zu
Die Realität an den Flughäfen sieht alarmierend aus. Die Wartezeiten an den Flughäfen Berlin, Köln und Hahn überschreiten bereits jetzt ein bis zwei Stunden – verursacht durch Personalmangel, fehlende Kontrollkioske und Systemausfälle, schreibt Airliners.
Ryanair kritisiert, die deutschen Behörden hätten es versäumt, ausreichend Personal und Systemkapazitäten bereitzustellen. Betriebschef Neal McMahon macht seinem Ärger öffentlich Luft: „Regierungen in ganz Europa versuchen, mitten in der verkehrsreichsten Reisezeit des Jahres ein unausgereiftes IT‑System einzuführen, und die Passagiere zahlen den Preis dafür, indem sie stundenlange Warteschlangen bei der Passkontrolle in Kauf nehmen müssen und in manchen Fällen sogar ihre Flüge verpassen.“
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Die Airline hat deshalb alle 29 EES-Länder – darunter auch Bundesminister Alexander Dobrindt – schriftlich aufgefordert, das System bis September auszusetzen. Grundlage dafür sei die bereits im EU-Recht verankerte Möglichkeit gemäß EU-Verordnung 2025/1534. Griechenland hat bereits gehandelt und das EES für britische Touristen bis nach der Sommersaison verschoben. Auch in Italien kam es bereits zu Chaos für Urlauber.
Mehrere Länder reagieren auf lange Schlangen an Flughäfen
Portugal lockert die Regeln informell, wenn die Schlangen zu lang werden, und lässt Reisende wieder mit dem klassischen Passstempel passieren. Branchenexperte Seamus McCauley vom Reiseunternehmen Holiday Extras bringt die Lage auf den Punkt: „Wenn ein Reiseziel von Verzögerungen verschont bleibt, werden Reisende einfach dorthin ausweichen“, zitiert kroatien-nachrichten.de. Kroatien hat seine Vorgehensweise bisher nicht geändert, beobachtet die Entwicklungen in der Region aber genau.
Als eines der beliebtesten Mittelmeer-Reiseziele mit einer wachsenden Zahl an Besuchern aus Nicht-EU-Ländern könnte jede Störung an den Grenzen den Tourismussektor des Landes empfindlich treffen. Brüssel hat dabei kaum Druckmittel: Mögliche Strafen für Länder, die das EES aussetzen, würden durch die wirtschaftlichen Vorteile eines reibungslosen Touristenstroms bei weitem aufgewogen – und Gerichtsverfahren dauern Monate.
Wer keinen EU-Pass besitzt und diesen Sommer nach Kroatien reist, sollte an Flughäfen und Grenzübergängen deutlich mehr Zeit einplanen als bisher. Eine Vorregistrierung über die EES-App kann helfen, die Wartezeit zu verkürzen. Ob Kroatien das System noch vor dem großen Sommeransturm ebenfalls aussetzt, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden. (Quellen: Luftfahrt-Bundesamt, Airliners, Kroatien Nachrichten) (rd)