Sein Vermögen wird auf 225 Millionen Euro geschätzt. Seinen sechs Kindern will Sting davon aber nichts hinterlassen. In einem Interview erklärt der britische Musiker, warum er das für richtig hält.

Er hat Grammys gewonnen, Stadien gefüllt und ein Vermögen aufgebaut. Doch wenn es um sein Erbe geht, hat Sting eine klare Haltung: Seine sechs Kinder werden davon nichts sehen. In einem Interview mit CBS Sunday Morning sprach der 74-jährige Musiker offen über seine Entscheidung – und über die Werte, die ihn sein ganzes Leben geprägt haben.

Auf die Frage, ob er seinen Kindern wirklich nichts hinterlassen wolle, antwortete Sting im CBS-Interview ohne Zögern. Das Schlimmste, was man einem Kind antun könne, sei zu sagen, es müsse nicht arbeiten. „Das ist eine Form von Missbrauch, der mir hoffentlich nie unterlaufen ist“, sagte er.

Seinen Kindern habe er stattdessen klargemacht: „Leute, ihr müsst arbeiten. Ich bezahle eure Ausbildung. Ihr habt Schuhe an den Füßen – geht arbeiten.“ Das sei keine Grausamkeit: „Das ist nicht grausam. Ich glaube, da steckt eine Güte drin und ein Vertrauen, dass sie ihren eigenen Weg finden werden.“

Dabei zeigte sich Sting stolz auf seinen Nachwuchs. Alle seine Kinder seien „mit einer außergewöhnlichen Arbeitsmoral gesegnet“ – ob durch die Gene oder weil er ihnen immer wieder gesagt habe, dass sie arbeiten müssten. Sein Fazit: „Meine Kinder sind zäh.“

„Ich bin einer dieser Menschen“ – ein Kind der Arbeiterklasse

Stings Haltung zur Arbeit wurzelt tief in seiner Herkunft. Er wuchs als Sohn eines Milchmanns in einer Arbeiterstadt im Nordosten Englands auf, wo die Werften und Bergwerke den Alltag bestimmten. Im Interview beschreibt er seine Werte mit klaren Worten: „Die Arbeiterklasse arbeitet und will arbeiten. Ich bin einer dieser Menschen – Arbeit definiert mich. Ich liebe die Arbeit.“

Bevor er als Musiker Erfolg hatte, nahm er jeden Job an, der Geld brachte. Er habe eine Weile in einem Büro gearbeitet, auf Baustellen, sei als Musiker auf einem Kreuzfahrtschiff zur See gefahren und habe in einem Bergarbeiterdorf unterrichtet – „die ganze Zeit, während ich in Bands gespielt habe“. Sein Ziel sei dabei nie gewesen, Rockstar zu werden. „Nein, ich wollte als Musiker meinen Lebensunterhalt verdienen. Und das ist immer noch, wie ich mich definiere. Ich bin kein Rockstar.“

Trotz seines enormen Erfolgs – sein Vermögen wird auf rund 225 Millionen Euro geschätzt – denkt Sting nicht ans Aufhören. Auf die Frage, warum er weitermache, obwohl er es nicht mehr müsse, antwortete er, er möge die Arbeit. „Könnte ich in Rente gehen? Ich bin mir nicht sicher. Ich habe diese Fähigkeit nicht entwickelt, einfach dazusitzen und nichts zu tun.“ Ob er Angst davor habe, nichts zu tun? „Vielleicht habe ich Angst davor.“

Seinen künstlerischen Anspruch beschreibt Sting als Suche nach Überraschung: „Ich möchte ein Stück Musik hören, und wenn ich nach vier Takten nicht überrascht bin von dem, was als Nächstes kommt, bin ich gelangweilt.“ Diese Haltung gelte für seine Musik ebenso wie für sein Leben – und für die Art, wie er seine Kinder erzogen habe.

kaha