D ie Architektur als reine Bildproduzentin ist nicht Sache dieses Preises. Auch 2026 hat die Jury für den Preis des Deutschen Architekturmuseums (DAM) Bauwerke ausgewählt, die nicht unbedingt spektakulär anmuten, aber, so das Kriterium, „herausragende Architektur“ bieten. Das ist in Frankfurt schon viele Jahre so (2020 stand noch der taz-Neubau auf der Shortlist der besten Bauten).

Vergnügen macht es, die Begründungen für die Nominierung oder Preisvergabe durchzulesen, die in der Ausstellung „DAM PREIS 2026. Die 23 besten Bauten in/aus Deutschland“ vorgestellt werden. Zum Beispiel so: Das Team von Peter Grundmann Architekten habe hier gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein KUNSTrePUBLIK e. V. „mit überdurchschnittlich viel eigener Handarbeit sowie bescheidenem (und eingehaltenem!) Budget“ die vormals eingeschossige Halle mit einer leichten Stahl-Glas-Konstruktion umhüllt und um ein weiteres Geschoss erweitert, heißt es über das Zentrum für Kunst und Urbanistik, kurz ZK/U, in Berlin. Eine Arbeit im Bestand, ohne den zu musealisieren. Dass große Teile der Konstruktion mit vergleichsweise einfachen Mitteln und hohem Anteil an Eigenleistung realisiert wurden, ist dem Bau nicht anzusehen. Er wirkt weder arm noch demonstrativ ressourcenschonend.

Das Weiterbauen gibt vielfach den Ton an. Nachverdichtung, Transformation, Bauen mit oder im Bestand. Unter den 100 Nominierten befinden sich neben Ein- und Mehrfamilienhäusern zahlreiche Bauwerke des öffentlichen Lebens. Tendenz zum Verwaltungsbau, der nicht repräsentieren will, sondern funktionieren. Transparenz im Erdgeschoss, klare Organisation der Obergeschosse: Das ist keine spektakuläre, aber eine praktische Antwort auf die Frage, wie öffentliche Gebäude heute aussehen können. Dass sie funktionieren, ist natürlich nicht allein Aufgabe der Architektur. Aber der eigene Anspruch einer öffentlichen Hand lässt sich an der Sorgfalt, wie hier geplant und ausgeführt wird, doch ablesen.

Interessant wird es dort, wo der Preis sich dem sozialen, genossenschaftlichen oder auch erst einmal dem städtischen Wohnungsbau zuwendet. Also da, wo gerechnet wird und wo „Bauherren eh alles zu teuer ist“, wie mir der Frankfurter Wohnungsbauarchitekt Stefan Forster einmal wohl sehr richtig sagte. Für das prämierte Ensemble „Wohnen F // 9“ von Aretz Dürr Architekten in der Kölner Innenstadt wurde eine 25 Meter schmale Baulücke mit 32 vorgefertigten Holzmodulen gefüllt – Fertigstellung: binnen zehn Tagen.

DAM Preis

Zum DAM Preis erscheinen zwei Bücher: Das Deutsche Architektur Jahrbuch 2026 und der Architekturführer Deutschland 2026. Die Ausstellung läuft bis 10. Mai im DAM Frankfurt

Das Ergebnis schaut dabei nicht nach reiner Mängelverwaltung aus, wie man das Elend und die Öde ja selbst hochpreisigen Eigentumswohnungen schon von der Fassade aus ansieht. Anderes Bauen muss möglich sein, ist es oft wohl gerade dort, wo der durchschnittliche Bauherr kaum großen Gestaltungsspielraum sehen würde. Zu den weiteren Finalisten zählen die Doppelschule Allee der Kosmonauten in Berlin, ein Mehrgenerationenhaus in München, das langfristig bezahlbaren Wohnraum sichern soll und der Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung für obdachlose Menschen in München. Eine soziale Architektur, die in dieser Form in Deutschland einzigartig ist.