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Mysteriöse Milliardenwetten auf fallende Ölpreise, kurz vor Trumps Iran-Ankündigungen. Das US-Justizministerium ermittelt. Trump steht erneut unter Verdacht.

Washington D.C. – Das US-Justizministerium und die Commodity Futures Trading Commission, die oberste US-Regulierungsbehörde für Terminmärkte, ermitteln laut Berichten gegen unbekannte Händler, die in einem engen Zeitfenster vor politischen Ankündigungen zur Iran-Politik Wetten in Milliardenhöhe auf fallende Ölpreise platzierten. Zwischen dem 23. März und dem 21. April 2026 wurden vier solcher Trades getätigt, mit einem Gesamtvolumen von mehr als 2,6 Milliarden US‑Dollar. Die Trader sollen damit erhebliche Gewinne erzielt haben.

Grund für den Verdacht sind die Häufung der Transaktionen, gekoppelt mit ihrem nahezu punktgenauen Timing. Denn in jedem Fall folgten den Wetten wenige Minuten später Ankündigungen der US-Administration, die den Ölpreis auf den Märkten massiv bewegten.

Chronologie der verdächtigen Transaktionen: Was hinter den auffälligen Ölwetten steckt

Am 23. März 2026 setzten Händler rund 500 Millionen US-Dollar auf sinkende Ölpreise. Laut Daten der London Stock Exchange Group (LSEG), die unter anderem ABC News vorlagen, geschah dies etwa 15 Minuten bevor Trump auf Truth Social ankündigte, keine Angriffe mehr auf iranische Energieinfrastruktur zu führen. Allein in der Minute zwischen 10:49 und 10:50 Uhr GMT wechselten 734 Ölkontrakte den Besitzer, eine Minute später waren es bereits 2168 – das 16-Fache des Tagesdurchschnitts, wie das Finanz- und Investmentanalyseportal Barrons der Dow Jones & Company unter Berufung auf Bloomberg-Daten berichtete. Trumps Ankündigung ließ die Rohölpreise anschließend um mehr als 14 Prozent einbrechen.

Am 7. April wurden rund 960 Millionen US-Dollar in Ölterminkontrakte investiert – Stunden, bevor Trump einen temporären Waffenstillstand mit dem Iran bekanntgab. Rund 20 Minuten bevor Irans Außenminister am 17. April die Wiedereröffnung der Straße von Hormus ankündigte, platzierten Händler Wetten im Wert von 760 Millionen US-Dollar auf fallende Kurse. Der Rohölpreis fiel danach um bis zu elf Prozent. Und am 21. April, Minuten vor Trumps Ankündigung, den Waffenstillstand zu verlängern, wurden ebenfalls Wetten mit einem Gesamtvolumen von weiteren 430 Millionen US-Dollar platziert.

U.S. President Donald Trump, points out members of the audience after signing executive orders during the White House AI SummitUS-Präsident Donald Trump steht wegen millionenschwerer Ölwetten kurz vor seinen Iran-Ankündigungen unter Druck – das Justizministerium ermittelt. © IMAGO / ZUMA Press Wire / LNJS

Stephen Innes, Analyst bei SPI Asset Management, brachte die Skepsis vieler Marktbeobachter auf den Punkt. Gegenüber AFP sagte er: „Was hier auffällt, ist nicht nur die Größe der Trades, sondern das Timing.“ Und weiter: „Trader sind keine Hellseher. Wenn sich Positionierungen Minuten vor einer marktbewegenden Schlagzeile verschieben, bedeutet das in der Regel, dass jemand auf Basis von Informationen handelt, bevor die Geschichte publik wurde.“

Auch in anderen Marktsegmenten wurden auffällige Bewegungen registriert: Laut CNBC wurden ungewöhnliche Aktivitäten in S&P-500-Futures beobachtet. Der demokratische Senator Chris Murphy kommentierte auf X einen gemeldeten Kauf von S&P-500-Futures im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar kurz vor einer von Trumps Ankündigungen: „Wer war es? Trump? Ein Familienmitglied? Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses? Das ist Korruption. Unfassbare Korruption.“

Politischer Druck auf Trump nimmt zu: Senatoren fordern Aufklärung

Die Senatorinnen Elizabeth Warren und Sheldon Whitehouse haben CFTC-Chef Michael Selig bereits förmlich aufgefordert, die Ölwetten vom 23. März zu untersuchen. In einem Schreiben an die Behörde hielten sie fest: „Dieses Muster wirft ernsthafte Fragen auf, ob es eine wiederkehrende Aneignung wesentlicher nicht-öffentlicher Regierungsinformationen gegeben hat und in welchem Ausmaß Personen innerhalb oder außerhalb der Regierung auf der Grundlage solcher Informationen gehandelt haben.“

Dass das Weiße Haus selbst um die Brisanz der Lage wusste, zeigt ein internes Memo: Bereits am 24. März, einen Tag nach den ersten auffälligen Trades, warnte die Regierung ihre Mitarbeiter laut einem Bericht des Wall Street Journal schriftlich davor, Wetten auf Terminmärkte im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg zu platzieren. Die CFTC hat inzwischen Daten von den Handelsplattformen CME Group Inc. und Intercontinental Exchange Inc. angefordert, auf denen die verdächtigen Trades abgewickelt worden sein sollen. Weder das US-Justizministerium noch die CFTC haben sich bislang öffentlich zu den Ermittlungen geäußert. Die LSEG-Daten, die ABC News vorlagen, lassen keine Rückschlüsse auf die Identität der Händler zu und belegen bislang keinen Insiderhandel.

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Die Ermittlungen fügen sich in ein größeres Bild ein. Trump und seine Administration stehen bereits seit Längerem in der Kritik, das Präsidentenamt systematisch zur persönlichen Bereicherung zu nutzen. Laut einer Analyse des Editorial Boards der New York Times hat Trump seit seiner Wiederwahl mindestens 1,4 Milliarden US-Dollar durch sein Amt eingenommen. Laut Forbes beläuft sich Trumps aktuelles Vermögen auf 6,5 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 1,4 Milliarden gegenüber dem Vorjahr.

Den größten Anteil daran hat das Kryptobusiness: Allein durch Verkäufe von Token der Kryptoplattform World Liberty Financial soll Trump rund 550 Millionen US-Dollar eingenommen haben. Hinzu kommt ein geschätzter Erlös von 200 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf eines 49-prozentigen Anteils an World Liberty Financial an Aryam Investment, ein Unternehmen, das dem nationalen Sicherheitsberater der VAE, Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan, nahestehen soll.

Gegenüber Forbes sagte ein ehemaliger Diplomat mit Erfahrung in der Region: „Sie wissen, wie man mit diesem amerikanischen Präsidenten umgeht. Sie haben es beim ersten Mal gelernt, aber damals war er selbst eingeschränkt, wie unverhohlen er Geld einwerben konnte. Jetzt ist er ohne Einschränkungen.“ Das Editorial Board der New York Times zieht dazu einen nüchternen Schluss: „Es ist unmöglich zu wissen, wie oft Trump offizielle Entscheidungen trifft, teilweise oder ganz, weil er reicher werden will. Und genau das ist das Problem.“ Die Zeitung warnt: „Die Vereinigten Staaten laufen Gefahr, in diese zynische Spirale zu fallen, während Trump die Institutionen der Regierung zu persönlichem Gewinn aushöhlt.“ Die Ermittlungen von DOJ und CFTC sind noch nicht abgeschlossen. (Quellen: The Independent, ABC News, Reuters, Bloomberg, Barron‘s/Dow Jones, CNBC, Wall Street Journal, Forbes, New York Times Editorial Board, AFP) (ls)